Reh im Ort erschossen: Werk von Wilderer?. Führendes Muttertier wurde vermutlich von Wilderer in Garten angeschossen und ging elendig zugrunde. Zwei weitere ungeklärte Reh-Abschüsse in der Region.

Von Michael Schwab. Erstellt am 07. August 2019 (06:00)
privat
So fand Ingrid Hammer die tote Rehgeiß am Freitagmittag in ihrem Garten unter dem Kirschbaum liegend vor.

Einen grausigen Fund machte Ingrid Hammer am Freitag auf ihrem Anwesen in Schönfeld. Auf einer Böschung in ihrem Garten lag ein totes Reh – offenbar war das Tier im Ortsgebiet erschossen worden, und das während der Schonzeit.

Besonders tragisch: Bei dem Reh handelte es sich um eine führendes Muttertier. „Immer wieder kam die ganze Rehfamilie zu mir aufs Grundstück, der Bock, die Mutter und ein Kitz, und fraß vom Futter meiner Enten. Das junge Reh nach dem Vorfall alleine dastehen zu sehen, voller Angst, das bricht einem das Herz“, sagt Hammer im Gespräch mit der NÖN. Sie ist noch immer sichtlich aufgewühlt. Die Frau entdeckte daher das Reh erst am Freitag gegen Mittag unter ihrem Kirschbaum, als sie aus dem Auto ausstieg. Es habe sich herausgestellt, dass ein Bekannter bereits am Donnerstagabend gegen 20.30 Uhr einen Schuss gehört habe.

Hammer drehte das tote Reh um und entdeckte das Ein- und Ausschussloch. „Aufgrund des Winkels muss das Reh auf einer Böschung gestanden haben. Die einzige Böschung in der Nähe ist in meinem Garten, und ein befreundeter Jäger meinte, ein derart verletztes Reh läuft maximal noch 100 Meter. Es muss daher auf meinem Grundstück getroffen worden sein“, ist sich Hammer sicher.

Laut Polizeiermittlungen dürfte es sich um ein Jagdgeschoß handeln, da ein kleines Einschuss- und ein großes Ausschussloch zu sehen waren. „Meiner Meinung nach muss das ein Tierquäler gewesen sein, da ein Jäger sich auf die Nachsuche nach einem angeschossenen Tier machen muss. Dieses Reh hatte eine Schusswunde im Bauchbereich und ist elendig zugrunde gegangen“, empört sich Hammer.

Auch im Raum Gastern ungeklärte Abschüsse

Zu der Tierquälerei komme noch dazu, dass der Schütze das Reh im Ortsgebiet aufs Korn genommen haben dürfte: „Nicht auszudenken, was da hätte passieren können, wenn ich oder mein Bekannter uns gerade in der Nähe aufhalten. Es war ein glatter Durchschuss, wenn da jemand dahinter steht ...“, läuft es Hammer kalt über den Rücken.

Bezirksjägermeister Albin Haidl ist ebenso entsetzt: „In der Schonzeit eine Rehgeiß zu schießen ist Wahnsinn, und im Ortsgebiet noch dazu! Für mich muss das ein Wilderer gewesen sein, ein Jäger macht so etwas nicht.“ Man dürfe zwar bis an die Grenze des Ortsgebiets jagen, doch im Ort selbst, in Gärten und eingefriedeten Grundstücken ist das Schießen verboten. Auch wenn sich ein zu erlegendes Wild zwar im Freiland befindet, man aber eine Gefährdung von im Schussbereich liegendem Ortsgebiet nicht ausschließen kann, darf man den Abzug nicht betätigen.

Da Hammers Grundstück videoüberwacht ist, will sie nun das aufgezeichnete Material auswerten lassen.

Bei der Recherche erfuhr die NÖN von zwei weiteren ungeklärten Reh-Abschüssen im Bezirk Waidhofen in den vergangenen zwei Wochen. „Vor 14 Tagen wurde ein Rehbock am Waldrand zwischen Gastern und Frühwärts gefunden. Er lebte noch, und es sah so aus, als sei er angefahren worden, doch dann fanden wir ein Projektil“, berichtet Jagdleiter Herbert Mödlagl. Ein weiteres Reh, eine Geiß, wurde eine Woche später beim „Pichler-Teich“ bei Zaunbauarbeiten gefunden. Es dürfte zu diesem Zeitpunkt schon gut eine Woche lang tot gewesen sein. „Vielleicht hat jemand etwas gesehen. Es gilt, in den Revieren die Augen offen zu halten“, betont Mödlagl.

Mehr zum Thema