Friedrich Indra: Kritischer Blick auf E-Autos

Motorenentwickler Friedrich Indra äußerte kritische Gedanken zur Elektromobilität, die von Zuhörern mit Gegenargumenten und neuen Studien gekontert wurden.

Gerald Muthsam Erstellt am 18. September 2021 | 04:02
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Präsident Rudolf Strobl, Vortragender Friedrich Indra und Franz Schrenk beim Vortrag des Rotary Clubs Zwettl über Elektromobilität.
Foto: Muthsam

Kontrovers diskutiert wurde das Thema Elektromobilität bei einer Veranstaltung des Rotary Clubs Zwettl in der Kaminstube in Schwarzenau.

Gastvortragender Friedrich Indra sieht in der Erzeugung von Elektroautos, insbesondere der Produktion der Akkus, eine hohe Umwelt- bzw. CO2-Belastung.

Seiner Meinung nach würde auch die Ökobilanz über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeuges gegenüber eines Verbrenners nicht besser sein. Ebenso nimmt er eine höhere Brandgefahr der Fahrzeuge an und sieht ein Problem beim Recycling der Akkus. Durch die Elektrifizierung der Autos entstünde auch ein enormer zusätzlicher Strombedarf, der nur durch kalorische Kraftwerke abgedeckt werden könne. Indra hält deswegen synthetische Kraftstoffe für zukunftsträchtiger. Aus dem Publikum kam der Hinweis, dass synthetische Kraftstoffe Wasserstoff benötigen, der durch Abspalten aus Wasser gewonnen wird.

Das geschieht durch Elektrolyse, bei der ebenso sehr viel elektrischer Strom benötigt wird. Auch wurde eine Studie der Technischen Universität zitiert, die besagt, dass selbst bei vollständiger Umstellung der derzeitigen Anzahl an Pkws auf Elektroantrieb, der heimische Strombedarf gegenüber dem aktuellen Jahresstrombedarf um nur rund 18% steigen würde. Ebenso sei eine 100%ige Abdeckung des heimischen Strombedarfs mit erneuerbarer Energie bis zum Jahr 2030 umsetzbar.

Studie befürwortet Elektroautos

Die Studie besagt auch, dass Elektroautos in Österreich unter Berücksichtigung des gesamten Fahrzeuglebenszyklus inklusive Produktion sowie der heimischen Stromerzeugung gegenüber fossil betriebenen Kfz um 70 bis 90% weniger Treibhausgase verursachen. Die ausgemusterten E-Auto-Batterien haben in der Regel noch eine Kapazität von 70 bis 80 Prozent des Neuwerts und kommen deshalb auch als Stromspeicher für private Haushalte in Frage - oder auch im industriellen Bereich als Großspeicher in Frage. Zudem gibt es bereits einige Pilotanlagen zum Recycling der Akkus. Aktuelle Elektroautos und moderne Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor besitzen laut Unfallforschern in etwa die gleiche Brandlast, weil hier wie dort jede Menge Kunststoff an Bord verbaut ist.

Die Zukunft der Mobilität wird noch viel diskutiert werden, wahrscheinlich wird statt einer Alternative eine breit gefächerte Antriebspalette zum Einsatz kommen und eine Reduktion des Individualverkehrs notwendig sein, so das Fazit.