Ruders: Bunte Ballen als Zeichen für die Krebshilfe

Farbige Folien sollen auf Krebsvorsorgeuntersuchungen aufmerksam machen und Mittel für die Krebshilfe lukrieren.

Erstellt am 24. November 2021 | 05:13

„Kurt, was machst du denn da“, fragten so manche Leute den Ruderser Landwirt Kurt Liepold, als er vor drei Jahren begann, seine Siloballen in rosa-, blau- und gelbfarbene Kunststoff-Folien einzuwickeln.

Dabei handelte es sich keineswegs um einen Spaß, sondern die Aktion hatte einen ernsthaften Hintergrund: „Ich habe das vor Jahren in Skandinavien gesehen. Mit den Folien sollen die Leute auf die Notwendigkeit von Krebsvorsorgeuntersuchungen aufmerksam gemacht werden und Mittel für die Krebshilfe gesammelt werden – rosa steht für Brustkrebs, blau für Prostata-Krebs und gelb für Kinderkrebs“, erklärt Liepold im NÖN-Gespräch.

Für ihn war eines klar: „Da machen wir mit!“ Der Landwirt erkundigte sich in Österreich nach einer Bezugsquelle für die Folien – und fand eine in der Steiermark. Es gibt eine Aktion, die von den Lagerhäusern unterstützt wird: Pro verkaufter Folie gehen drei Euro an die Krebshilfe. „Natürlich kosten die farbigen Rollen mehr, da reden wir von 100 statt 80 Euro für eine Rolle. Normalerweise nimmt man als Landwirt das billigere Material, aber mir geht es darum, ein sichtbares Zeichen für die Krebshilfe zu setzen“, merkt Liepold an.

Erinnerung an Vorsorgeuntersuchungen

Durch die bunten Siloballen mit entsprechenden Aufschriften würden die Leute beim Vorbeifahren an Feldern und gut einsehbaren Lagerflächen an die Notwendigkeit von Krebsvorsorgeuntersuchungen erinnert. „Idealerweise denkt man sich, ja, da sollte ich mir einen Termin beim Arzt ausmachen“, wünscht sich Liepold als Effekt. Die ersten bunten Siloballen hatte er auf einem seiner Felder zwischen Thaya und Waidhofen gut sichtbar platziert. „Da kamen dann die Anrufe von Leuten, die mich mit dem Traktor gesehen haben. Ich meinte dann im Scherz, wir Bauern haben ja auch so große Traktoren, wir wollen eben auffallen. Dann habe ich ihnen den wahren Sinn dahinter erklärt“, erinnert sich Liepold.

Am Anfang habe es freilich noch das Thema UV-Beständigkeit und Durchlässigkeit der bunten Folien gegeben. Würden sie zu schnell verwittern und ausbleichen, wäre das ein Problem. In der Praxis zeigte sich, dass die gelbe Folie etwas heikler als die sonst verwendete grüne Standard-Folie ist, Rosa und Blau seien hingegen gleich beständig. Als Lösung für die geringere Haltbarkeit der gelben Folie lagert Liepold diese Siloballen sonnenabgewandt und verwendet sie zuerst.

Ein Euro pro Ballen an die Krebshilfe

Pro Siloballen rechnet er mit rund einem Euro, der an die Krebshilfe geht. Aufgrund der guten Ernte der heurigen Saison sind es diesmal rund 500 Siloballen –macht rund 500 Euro für die Krebshilfe, zuzüglich dem natürlich nicht in Geld aufzuwiegenden bewusstseinsbildenen Effekt.

Seines Wissens ist Kurt Liepold der einzige Landwirt im gesamten Bezirk Waidhofen, der mit seinen Siloballen die Krebshilfe unterstützt. Die bunten Folien haben für ihn einen weiteren, praktischen Nebeneffekt: „Wir können durch die Wahl der Farben –Rosa, Blau, Gelb und dem normalen Grün der Standardfolien den ersten, zweiten, dritten und vierten Schnitt auf einen Blick auseinanderhalten. Ganz ohne Beschriftungen.“

Beim Rundgang über seinen Lagerplatz spricht Liepold auch ein heikles Thema an – die Verwendung von Plastik in der Landwirtschaft. „Wir haben es ausgerechnet – pro Rind und Jahr fallen bei uns mit Folie und Netz für die Siloballen 6,8 Kilogramm Plastik an.“ Zum Vergleich: Laut Eurostat (Stand 2019) fallen in Österreich pro Kopf pro Jahr ca. 33 kg Plastikmüll an.