Direktvermarkter zeigen sich innovativ. Landwirte füllen Nischen wie Haselnussanbau aus, neuestes Projekt auf dem Direktvermarkter-Sektor ist ein „Bäuerinnenladen“.

Von René Denk. Erstellt am 12. Juli 2017 (02:01)
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Die Initiativen der Bauern, auch als Direktvermarkter aufzutreten, nehmen im Bezirk Waidhofen zu.

„Zum Teil sind es Nischengeschichten, wie die Haselnuss, aber vor allem gibt es bei uns die Klassiker, wie die Vermarktung von Erdäpfeln oder Obst und Gemüse“, sagt Bezirksbauernkammersekretär Herbert Gutkas im NÖN-Gespräch. Weiters betont er, dass nur einige der größeren Direktvermarkter bei der Bezirksbauernkammer gemeldet sind (es besteht hier keine Meldepflicht) und dass es sehr viele kleine Direktvermarkter gäbe.

Kammer gibt zum Start Hilfestellung

„Wir versuchen, die Landwirte, die Direktvermarkter werden wollen, beim Start zu unterstützten. Unseren Mitgliedern werden Hilfestellungen und Informationen von Experten über Kennzeichnungspflicht oder Hygieneverordnung gegeben. Auch steuerrechtliche Fragen können wir gerne abklären“, betont Kammersekretär Gutkas.

Eines der neuesten Projekte auf dem Sektor Direktvermarktung ist der „Bäuerinnenladen“, der im September in Dobersberg am Sparkassenplatz 11 gegenüber dem Café Restaurant Meli’s aufsperren soll. Dafür wurde ein Verein von den Bäuerinnen gegründet, der sich zum Ziel gemacht hat, regionale Produkte direkt vom Landwirt an den Kunden zu bringen. Am 13. Juli wird die erste Sitzung des Vereines stattfinden und der Vorstand gewählt werden.

„Hier werden ausschließlich regionale und saisonale Lebensmittel angeboten werden. Derzeit machen 15 bis 20 Erzeuger mit“, freut sich Bäuerin Ingrid Kraus auf die Eröffnung. Gemüse, Erdäpfel, Knoblauch, Obst, Brot und Gebäck, Milchprodukte, Mehlspeisen, Eier, Haferflocken, Linsen, Kichererbsen, Mohn, Haselnussöl, Honig, Geselchtes oder Fisch sollen ein Teil des Sortiments sein, das frisch aus der Region kommt. Als Öffnungszeiten sind zu Beginn der Freitag ganztags und auch der Samstagvormittag geplant.

Weiters wird in der ehemaligen Bezirksbauernkammer Dobersberg die Kursküche auf aktuelle, hygienische Standards umgebaut. Dort sollen die Frauen aus der Landwirtschaft Chutneys, Marmelade oder Säfte für den Verkauf herstellen können. Motivierte Personen, die mitmachen wollen, sind gerne willkommen.

„Wir produzieren so vieles selbst und müssen Obst und Gemüse nicht von irgendwo daherkarren. Regionale Lebensmittel sind hochwertig, wertvoll, helfen die Klimaerwärmung einzudämmen, weil die tausende Kilometer langen Transportwege wegfallen, und schaffen regionale Arbeitsplätze“, ist Ingrid Kraus vom Erfolg der Regionalität und vom Bäuerinnenladen überzeugt.

Laut Liste der Bezirksbauernkammer gibt es nur eine kleine Ortschaft, wo zwei Direktvermarkter beheimatet sind: Modsiedl. Neben dem ehemaligen Raabser Vizebürgermeister Leo Witzmann und seiner Gattin Helga, die sich einen Namen mit ihren Edelbränden gemacht haben, hat die Familie Theurer ihr innovatives Direktvermarkter-Projekt bereits vor vielen Jahren begonnen. Im Vorjahr stellte sie ihren Hofladen fertig.

Haselnussöl ist stark nachgefragt

„Wir haben keine fixen Öffnungszeiten. Das geht nur gegen telefonische Voranmeldung“, erklärt Matthias Theurer, der seit heuer die Landwirtschaft im Vollerwerb betreibt, „weil ich auch voll hinter dem stehe, was ich tue“. Vor allem funktioniert die Direktvermarktung über das Internet. Matthias Theurer schätzt, dass 90 Prozent über das Internet verkauft werden. Er bietet Haselnüsse mit oder ohne Schale, Haselnussöl, Haselnussmehl und Haselnussgeist an. „Das Öl wird sehr gut angenommen, auch der Geist geht gut“, meint Theurer. Bei der Wieselburger Ab-Hof-Messe sollen zumindest 95 Prozent der Menschen, die das Öl kosteten, es auch gekauft haben. Das Öl sei für viele Bereiche einsetzbar.

Voriges Jahr konnte der Genusshof Theurer 1.000 kg Haselnüsse ernten, heuer wurde das Ernte gebiet nochmals um drei Hektar auf insgesamt sieben Hektar Haselnussbäume und -sträucher aufgestockt. „Unsere Haselnuss wird extrem gut angenommen, ein Super-Erfolg. Am seltsamsten ist aber, dass wir österreichweit gut verkaufen, aber die wenigsten Kunden im eigenen Bezirk haben“, erörtert Theurer im NÖN-Interview.

Der Biohof Weber mit Herbert und Susanne Weber im Kolmmitzdörfl macht etwas, was sich nur ganz selten ein bäuerlicher Direktvermarkter traut: Er schlachtet selbst. „Wir sind einer von zwei Direktvermarkterbetrieben in ganz Niederösterreich, die alles selbst schlachten. Wir sind ein EU-zertifizierter Schlachthof“, sagt Weber. Das bringt auch eine Vielzahl von Kontrollen mit sich, zwei Mal pro Woche kommt beispielsweise ein Fleischbeschauer vorbei.

Bereits vor 15 Jahren wurde mit dem Schlachten von Gänsen begonnen. Dann kam immer mehr hinzu. Seit drei Jahren schlachtet der Bio-Betrieb Hühner, im Durchschnitt 400 pro Woche. Saisonbedingt kommen dann noch Martini-Gänse dazu, im Herbst aber auch Enten und „Mini-Puten“, die gerne zu Weihnachten abgenommen werden. Auch er verkauft in der Waldviertler Region nur sehr wenige seiner Bio-Hühner bzw. wenig Bio-Geflügel, er beliefert Naturkostläden und Großhändler in Oberösterreich bis zur bayrischen Grenze und bis in die Steiermark.

„In der Region fehlt noch immer das Verständnis, für das Kilogramm Huhn neun Euro zu bezahlen, obwohl Bio-Fleisch in der Herstellung wesentlich teurer ist als in der konventionellen Produktion. Unsere Kunden befinden sich meist in oder rund um Ballungszentren“, so Weber.