Autoren auf der Bühne. Mitglieder der Dramatischen Schreibwerkstatt im TAM schlüpften in die Rollen ihrer Figuren aus den verschiedenen, selbst verfassten Kurzstücken.

Von Michael Schwab. Erstellt am 20. September 2020 (04:06)

Bühnenluft schnupperten die Autoren der Dramatischen Schreibwerkstatt am Samstagabend im TAM.

In szenischen Lesungen präsentierten sie ihre Lieblingsstücke aus dem anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums des TAM herausgegebenen Buch „Kurzstücke“.

Den Anfang machte Helene Arhant. In ihrem Text „Das getäuschte Navi“ griff sie eine typische Szene bei einer Autofahrt auf, bei der der Fahrer partout eine andere Route fahren will als das Navigationssystem vorschlägt. Gernot Blieberger kennt man als Hunde-Experten, aber im TAM bewies er, dass er auch mit Themen wie Kräuterhexen umzugehen weiß.

Eva Boden hatte als „alte Schulspielerin“ schon für ihre Schüler Texte geschrieben. In ihrem Kurzstück „Das Leben ist schön“ überraschte sie mit unerwarteten Wendungen in einer Familienangelegenheit rund um einen Lottogewinn.

Die Krise als akutelles Thema

Ein ganz aktuelles Thema griff Manfred Greisinger in seinem Text „Die Krise“ auf. Was zunächst wie das Lamentieren einer Ehefrau über die Coronakrise wirkte, entpuppte sich in Wahrheit als Ehekrise – ein gelungenes Spiel mit der Doppeldeutigkeit einer Situation. Edith Hofmann ist im TAM keine Unbekannte. Mit ihren zugespitzten Alltagsbeobachtungen sorgte sie bereits an einem Sketchabend für Heiterkeit im TAM. Diesmal stand ihr Text „Umtausch nur mit Kassabon“ auf dem Programm. Die Szene, in der ein Kunde eine angefangene Packung Toilettenpapier zurückgeben will, weil das Papier nichts taugt, dürfte in ihrem Ursprung und Ablauf durchaus in der Realität verwurzelt gewesen sein.

Die an der Entstehung der Dramatischen Schreibwerkstatt „schuldige“ Eva Kutil präsentierte den „Albtraum eines Arztes“, der sich in seiner Ordination von einer verrückten Horde umgeben wiederfindet, bestehend aus einem Vampir, einer Hebamme, die überall Schwangerschaften sieht, einer strickenden Ordinations - Dauerbesucherin und einem Tierarzt – samt mehr oder weniger hilfreichen Behandlungsvorschlägen.

Agnes Weber drehte in ihrem Beitrag die Vorbildrollen von Kind und Eltern kurzerhand um: Lernen war unerwünscht, Fortgehen ins Pub in Punk-Klamotten hingegen fanden die Eltern toll.

Die Autoren zeigten bei ihren Darbietungen durchaus auch schauspielerisches Talent – wer weiß, was daraus noch wird.