Neuer Ärzte-Unmut in Groß Sieghart. Patienten standen vor verschlossenen Türen bei geplantem Start der Ordination von Astrid Karimian-Namjesky.

Von Michael Schwab. Erstellt am 13. November 2019 (04:52)
Eigentlich sollte die Ärztin Astrid Karimian-Namjesky, hier am Bild mit Bürgermeister Gerald Matzinger, seit 4. November in Groß Siegharts ordinieren, doch technische Schwierigkeiten führten zu Verzögerungen.
Schwab

In der Groß Sieghartser Bevölkerung brodelt es: Eigentlich hätte die Waidhofner Ärztin Astrid Karimian-Namjesky mit 4. November zehn Stunden pro Woche als Ärztin aushelfen sollen, doch technische Probleme verhinderten den termingerechten Start ihres Dienstes.

Verärgerte Bürger wandten sich an die NÖN: Nicht nur, dass man hinsichtlich ärztlicher Versorgung ständig hingehalten werde, es seien zu allem Überdruss auch einige Patienten am 4. November vor verschlossenen Türen gestanden und hätten nicht gewusst, was los sei. Es habe keinen Aushang gegeben, erst jetzt hänge ein Zettel dort, der auf den 18. November als neuen Starttermin hinweist.

„Wir sind im Moment die erste Anlaufstelle. Wer kein Auto hat und die Mindestpension bezieht, bleibt auf der Strecke.“Heidrun Holik, Apothekerin

„Das Problem ist, dass ich noch keinen Computer für die Groß Sieghartser Ordination habe und daher die Patientenakten nur händisch erfassen kann. Auch Rezepte kann ich nur per Hand schreiben“, sagt die Ärztin. Den Vorwurf, keinen Aushang angebracht zu haben, weist sie zurück: „Es hing ein großer, gelber Zettel dort. Offenbar haben den einige Leute nicht gesehen.“

Rund 12.000 Euro kostet die notwendige Technik, bestehend aus einem Client-Server und dem zugehörigen Computer und Zubehör. Gemeinde und Ärztin wollen sich laut Bürgermeister Gerald Matzinger die anfallenden Kosten 50:50 teilen.

Eine Mitbenutzung des bestehenden Systems von Hans-Christian Lang, in dessen Ordination Karimian-Namjesky arbeiten wird, sei nicht möglich, da er kein Kassenarzt mehr ist und daher auch keinen Zugriff mehr auf das System der Gebietskrankenkasse hat.

„Die Lieferzeit für die EDV ist lang, das kann bis Jänner dauern. Bis dahin muss ich alles händisch erfassen. Für kleine Rezepte geht das, für Bewilligungen und aufwendigere Dinge muss ich die Patienten bis dahin bitten, nach Waidhofen zu kommen“, stellt die Ärztin klar.

Wo sich das Fehlen der kassenärztlichen Versorgung bereits deutlich auswirkt, ist in der Apotheke. Patienten, die über kein Auto verfügen und sich keinen Wahlarzt leisten können oder wollen, kämen verstärkt ohne Rezepte in die Groß Sieghartser Apotheke, um ihre Dauermedikamente abzuholen. „Wir sind im Moment die erste Anlaufstelle. Wer kein Auto hat und die Mindestpension bezieht, bleibt auf der Strecke“, sagt Apothekerin Heidrun Holik. Mittlerweile interessiert sich auch das Fernsehen : Am Donnerstag wird ein Team von Servus TV zum Dreh kommen.