Langer Weg zum Start des Kläranlagen-Baus. Kläranlagen-Bau wurde seit 1995 diskutiert, jetzt fand die Gleichenfeier statt. Anlage wird mehr als doppelt so groß wie vorher.

Von Michael Schwab. Erstellt am 08. Juli 2020 (05:22)
Gleichenfeier für den Schalungsbau der Kläranlage: Christoph Fichtinger (Geschäftsführer Planungsbüros Steinbacher+Steinbacher ZT GmbH), Vizebürgermeister Franz Strohmer, Roland Feßl (Steinbacher+Steinbacher ZT GmbH), Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Konti-Bau Prokurist Otto Neidhart, Bürgermeister Eduard Köck, Harald Hofmann (Abteilung Siedlungswasserwirtschaft Land NÖ) und Altbürgermeister Johann Kößner.
M.S

Gut Ding braucht Weile – dieses Sprichwort beschreibt den langen Weg zur neuen Kläranlage der Marktgemeinde treffend. „Seit 1995, seitdem ich im Gemeinderat bin, brauchen wir eine Kläranlage. Wir versuchten, es hinauszuschieben, so lange es geht. Die letzte Strategie war zu warten, bis die Anlage unter Denkmalschutz gestellt wird“, merkte Bürgermeister Eduard Köck lächelnd bei der Gleichenfeier des Schalungsbaus der neuen Kläranlage am Freitag an.

Errichtet im Jahr 1974

Die alte Anlage wurde 1974 errichtet und arbeitet zwar bis heute noch gut, doch die mittlerweile gestiegenen Anforderungen vermag sie nicht mehr vollumfänglich zu erfüllen. Bevor man aber überhaupt an eine neue Kläranlage denken konnte, musste das Kanalnetz im Ort saniert werden. „Wir hatten das Problem, dass wir aufgrund der Bauweise als Mischwasserkanal (Regenwasser und Abwasser in gemeinsamem Kanal, Anm.) viel Fremdwasser im Kanal haben. Hätten wir diesen Fremdwasseranteil nicht verringert, müsste die neue Anlage doppelt so groß sein“, fasste Köck zusammen.

Daher wurden in den vergangenen Jahren rund 1,5 Millionen Euro in den Kanal investiert, um diese Problematik zu entschärfen.

„Die letzte Strategie war zu warten, bis die Anlage unter Denkmalschutz gestellt wird.“

Inbetriebnahme der neuen Anlage Anfang 2021

Für den Neubau stellte sich die Herausforderung, dass die alte Anlage in Betrieb bleiben muss, bis die neue Kläranlage die Abwasserreinigung übernehmen kann. Anfang dieses Jahres wurde mit dem Abbau einzelner Teilbereiche der alten Kläranlage begonnen, im April wurde die Baugrube für die neue Anlage ausgehoben und wurden mit den Schalbeton-Arbeiten begonnen.

Der nächste Schritt wird die Herstellung des Betriebsgebäudes vor dem bestehenden Betonbecken sein, gefolgt vom Errichten der Leitungen im Außenbereich und dem Einrichten des Betriebsgebäudes. Anfang 2021 soll die Inbetriebnahme erfolgen, indem die alte Anlage mit einem Pumpwerk umgangen wird.

Altes Becken wird Mischwasser-Überlaufbecken

Anschließend wird das alte Becken zu einem Mischwasser-Überlaufbecken umgebaut und zum Schluss die endgültige Abwasserführung hergestellt. Dann wird das Abwasser über das Mischwasser-Überlaufbecken in die neue Anlage geleitet – bei Trockenheit direkt ohne Zwischenspeicherung über einen Pumpensumpf in der Beckenmitte. Bei Regenfällen wird das Wasser im Überlaufbecken zurückgehalten und gedrosselt an die neue Anlage weitergegeben. In der neuen Kläranlage durchläuft das Abwasser zuerst eine mechanische Vorreinigungsstufe und wird anschließend einer biologischen Hauptreinigungsstufe in Form belüfteter Becken mit 1.200 Kubikmeter Fassungsvermögen zugeführt.

Zum Vergleich: Das alte Becken war mit rund 500 m weniger als halb so groß. Insgesamt kostet die neue Kläranlage rund 2,2 Millionen Euro.