Ärzte bereit für Impfzentrum-Start im Bezirk Waidhofen. Bereitschaft der Ärzte an Mitwirkung ist groß, auch wenn es Kritik an späten Detailinformationen gibt.

Von Michael Schwab. Erstellt am 20. April 2021 (13:38)
Symbolbild
APA (dpa/Archiv)

Ein Gerücht machte zum Wochenende hin die Runde: Aufgrund des Ärgers über die kurzfristige Umorganisation und die Verschiebung des Impfstarts in der Waidhofner Impfstraße (die NÖN berichtete) sollen die Ärzte im Bezirk die Tätigkeit im neuen „Impfzentrum“ boykottieren und sich auf einen Aufruf nach medizinischem Personal nicht melden. Doch das stimmt nicht.

"Es geht nicht darum, beleidigte Leberwurst zu spielen.“ Karlheinz Schmidt, Vertreter der Kassenärzte im Bezirk Waidhofen und ärztlicher Verantwortlicher für die „abgedrehte“ Impfstraße in Waidhofen, kann beruhigen. Von einem Boykott könne keine Rede sein. „Es geht jetzt nicht darum, beleidigte Leberwurst zu spielen, sondern um die Bekämpfung der Pandemie. Es geht darum, die Impfungen auf die Reihe zu bringen und wie wir Ärzte uns bei dieser gemeinschaftlichen Aufgabe einbringen können“, stellt Schmidt klar.

Als Mitte der Woche das Rote Kreuz, welches in der ersten Phase für die Impfzentren veranwortlich sein wird, einen Aufruf nach Ärzten, Gesundheitspersonal und Helfern startete, habe es allerdings noch an Detailinformationen gefehlt. „Ich habe mich dann trotzdem einfach angemeldet und begonnen, die Kollegen unseres bewährten Dienstrades anzurufen“, sagt Schmidt. Am Wochenende habe sich dann gezeigt, dass die Mehrheit der Ärzte seine Sicht der Dinge teile und sich für den Dienst im Impfzentrum zu Verfügung stellen werde.

Laut Schmidt soll Niederösterreich bis Ende April 180.000 Impfdosen pro Woche erhalten, da komme es darauf an, diese Dosen rasch zu verimpfen. Dafür brauche man Personal. „Es schaut ganz gut aus, es haben sich viele Kollegen bei mir gemeldet, die sich auch schon auf den Aufruf des Roten Kreuzes gemeldet haben“, berichtet Schmidt.

Start in Waidhofen am 22. April. Los gehen wird es in Waidhofen am 22. April von 14 bis 20 Uhr. In der Sporthalle werden zwei Impfstraßen zur Verfügung stehen. Geimpft wird in der Phase eins jeden Donnerstag von 14 bis 20 Uhr, ab voraussichtlich 27. Mai (eventuell plus oder minus eine Woche) soll der Samstag als weiterer Impftag hinzukommen, eine Woche später dann auch der Mittwoch. „Da wird dann der Impfturbo gezündet“, ist Schmidt zuversichtlich.

Als Impfstoff sollen wahrscheinlich die Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna zum Einsatz kommen, denn der Plan sei, in den Impfstraßen vorwiegend diese beiden Impfstoffe zu verwenden, da sie durch ihre kompliziertere Handhabung und beschränkte Haltbarkeit für eine Massenanwendung prädestiniert sind.

Keine mRNA-Impfstoffe mehr für Hausärzte. Für die Hausarztpraxen soll es jedoch künftig keine Biontech/Pfizer-Impfstoffe mehr geben, wie die Groß Sieghartser Ärztin Angelika Pallisch berichtet – sie startete am 16. Februar als erste Impfärztin im Bezirk Waidhofen. Bis 15. April hatte sie 1.000 Teilimpfungen in ihrer Ordination verabreicht, bis in die erste Maiwoche hinein wird Pallisch weitere rund 350 Stiche verabreichen. Dann ist erst einmal Schluss, es wird keinen weiteren Biontech/Pfizer-Impfstoff mehr für sie geben. Dieser solle exklusiv nur mehr in den Impfzentren verwendet werden. „Ich schrieb sofort an Notruf NÖ, dass ich in meiner Ordination weiterimpfen will und zur Verabreichung jedes zugelassenen Impfstoffes bereit bin. Leider bin ich aber – wie viele andere niedergelassene Ärzte auch – bis heute ohne Lieferzusage für die Zeit ab der 2. Maiwoche, obwohl verständlicherweise viele Patienten wünschen, nicht in einem entlegenen Impfzentrum geimpft zu werden, sondern wohnortnah beim Hausarzt“, klagt Pallisch. Sie hofft wie viele ihrer Kollegen auf Impfstofflieferungen an die Hausärzte.

Hausärzte werden weiterimpfen. Sorgen, dass die Hausärzte wegen der Impfstraßen künftig vom Impfprozess aus ge klam mert werden könnten, hat Kassenärzte-Vertreter Schmidt nicht. „Wenn Ärzte keine Impfstoffe bzw. Lieferzusagen erhalten, wie die Kollegin in Groß Siegharts, dann liegt das an den noch geringen Liefermengen. Sobald die Mengen steigen, werden auch die Hausärzte wieder verstärkt eingebunden, voraussichtlich mit Impfstoffen von AstraZeneca und Johnson&Johnson. Wir werden alle brauchen – Impfzentren und Praktiker –, um die Impfziele zu erreichen“, ist Schmidt sicher.