80-jähriger Waldviertler erhält keinen Grippe-Impfstoff. Franz Frühwirth wandte sich ans Land, an die Kammer – und jetzt an Wien...

Von Sebastian Dangl und Karin Widhalm. Erstellt am 14. Oktober 2020 (05:35)
Franz Frühwirth (80) kämpft darum, einen Grippe-Impfstoff zu erhalten.
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Franz Frühwirth aus Gastern hat im ganzen Bezirk Ärzte und Apotheken abgeklappert, um zu einem Grippe-Impfstoff zu gelangen – vergeblich. Die Apotheken im Bezirk Waidhofen kommen mit der Beschaffung nicht zurande (wie berichtet, siehe hier und ganz unten): Die gelieferte Menge ist weit von der bestellten Zahl entfernt.

Nachlieferung im Dezember soll Abhilfe schaffen

„Wir haben nur einen kleinen Teil erhalten, der Rest wurde uns gekürzt“, berichtet Sandra Pusch von der Apotheke zum Heiligen Hubertus in Waidhofen. Die Warteliste sei bereits lang. Abhilfe soll eine Nachlieferung im Dezember schaffen, dazu ist wenig Konkretes bekannt. „Selbst mit einer Nachlieferung bin ich mir nicht sicher, ob wir überhaupt die insgesamt bestellte Menge erreichen können."

In der Apotheke zum Schwarzen Adler sieht es nicht viel besser aus. „Wir sind im Minus. Für alle, die jetzt erst anfragen, schaut es schlecht aus“, schildert Brigitte Kranyak. Der Engpass sei nicht nur in Österreich, sondern weltweit zu spüren. „Wenn kein Wunder geschieht, können wir nicht alle impfen.“

Die Gründe für den Engpass sind vielzählig. Manche meinen, es wurde zu wenig Impfstoff hergestellt. Der Prozess dauere mehrere Monate, weshalb nicht ohne Weiteres nachproduziert werden kann.

Auch die für Österreich bestellte Menge von 1,5 Millionen Impfdosen wird von einigen als zu niedrig empfunden. Die Stadt Wien allein hat 400.000 Dosen für ihre Gratisimpfaktionen reserviert. „In Wien werden anscheinend größere Mengen gebraucht, die jetzt in Niederösterreich fehlen“, so Arzt Kiril Kirilov, Raabs.

„War das wirklich nicht vorherzusehen?“

Frühwirth hat seine erfolglose Suche der Apothekerkammer, dem Büro der Landeshauptfrau Mikl-Leitner und der Landesrätin Königsberger-Ludwig geschildert. „Es fällt auf, dass ausnahmslos alle Damen und Herren, die ich mit der Misere des fehlenden Impfstoffes befasst habe, die Schuld daran den niedergelassenen Ärzten oder Apothekern zuschieben.“

Der 80-Jährige wolle nichts dramatisieren, habe aber ein mulmiges Gefühl. „Immer wird darüber geredet, man müsse schauen, dass die Kapazitäten in den Krankenhäusern nicht zu sehr ausgelastet sind. Und gleichzeitig redet man davon, dass es besonders schützenswerte Leute gibt“, erklärt er. „Ich weiß, die Lage ist kompliziert, aber war das wirklich nicht vorherzusehen? Ein Hellseher war der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker ja auch nicht.“

Nachdem er in Niederösterreich erfolglos geblieben war, werde er bei Hacker anfragen, „ob er einen Weg weiß, wie ich zumindest zu einer Dosis Impfstoff kommen kann“.