Pause für Chöre und Kapellen im Bezirk Waidhofen. Beschränkung auf sechs Personen bei Zusammenkünften verhindert Proben und Auftritte in üblicher Zusammensetzung.

Von Julia Fröhlich. Erstellt am 27. Oktober 2020 (13:47)
Der Kapellmeister der Jugendkapelle Raabs, Reinhard Koll, Melanie Bauer und Obmann-Stellvertreterin Christina Köck sind von den neuen Verordnungen stark betroffen.
Archiv/Julia Fröhlich

Von Musikkapellen und Singgemeinschaften werden wir bedauernswerterweise wohl länger nichts mehr in ihrer üblichen Zusammensetzung hören, da die neuen Auflagen Proben und Auftritte fast unmöglich machen, sind sich die Musikvereine im Bezirk einig.

Auf Proben verzichten sie derzeit komplett, da die Indoor-Beschränkung sechs Personen umfasst und auch Outdoor maximal zwölf Personen erlaubt sind.

Übungen nur in Kleingruppen oder schlimmstenfalls gar nicht. Die NÖN hat sich im Bezirk umgehört und mögliche Vorgehensweisen erfragt. Bezirkskapellmeister und Kapellmeister des Musikvereins Vitis, Manfred Kreutzer, macht reinen Tisch und spielt mit offenen Karten: „Momentan gibt es bei uns schlicht und einfach keine Proben, da uns das Risiko auch schon vor der neuen Verordnung zu hoch gewesen ist und man mit nur sechs Leuten sowieso so gut wie kein Konzert in der üblichen Form auf die Beine stellen kann.“

Nur mit Ensembles oder Kammermusikgruppen Auftritte denkbar. Er könnte sich vorstellen, den Übungsstand der Mitarbeiter in Kleingruppen aufrecht zu erhalten, sofern es die Lage zulässt oder im Extremfall Proben schweren Herzens ganz auf Eis zu legen. Lediglich in Ensembles oder Kammermusikgruppen sieht Kreutzer einen kleinen Hoffnungsschimmer, um gemeinsam vor Publikum zu musizieren.

Dieser Ansicht schließt sich auch der Kapellmeister des Musikvereins Dobersberg, Thomas Merzdovnik, an. Zu Allerheiligen wäre ein musikalischer Beitrag des Musikvereins Vitis mit zehn Musikern am Friedhof geplant gewesen. Ob und in welcher Form dies umgesetzt werden kann, wird erst nach Rücksprache mit der Pfarre entschieden.

Auch das Konzert des Trios Bellaria mit Michaela Haidl , Jitka Čudlá und Birgit Karoh fällt aufgrund der neuen Corona-Regelungen für Veranstaltungen ins Wasser.
Archiv / Julia Fröhlich, Foto: CDC-Alissa Eckert, Dan Higgins

Ähnlich ergeht es dem Blasorchester Waidhofen, wie Obfrau Claudia Pfeiffer gesteht: „Wir haben schon vorher immer großen Wert auf die Flächendesinfektion gelegt und werden - sobald die Infektionszahlen im Bezirk wieder sinken - zusätzlich die Proben auf sechs Personen reduzieren.“

Verzicht auf Treffen, in Zukunft auch auf Ensembles setzen. Angesichts der Zahlen verzichten sie derzeit aber komplett auf das Zusammentreffen der Musiker. Das Blasorchester der Bezirkshauptstadt wird sich in Zukunft neu organisieren und auch auf Ensembles setzen: „Unser Augenmerk legen wir jetzt auf Feierlichkeiten, wo kleinere Musikgruppen gefragt sind.“

Sollte sich die Situation entschärfen, würden sie Ensembleproben für jene Mitglieder, die Zeit und Lust haben, zu muszieren, ansetzen. Pfeiffer vertraut auf die Eigeninitiative der Musiker in den eigenen vier Wänden, um in Form zu bleiben und betont, dass der Spaß an der Musik im Vordergrund stünde.

Motivation mit Proben in kleinen Gruppen aufrecht erhalten. Genauso sieht es auch der Blasmusik-Verband vor: Je nach Möglichkeit der Vereine sollten Proben in kleineren Gruppen auf freiwilliger Basis abgehalten werden, sodass das Vereinsleben und die Motivation der Mitglieder aufrechterhalten werden kann.

Frühjahrskonzert fraglich. Ob das Blasorchester das geplante Frühjahrskonzert spielen kann, hänge laut Pfeiffer davon ab, ob und wann das gesamte Orchester wieder gemeinsam proben darf.

Hart für Chöre: Auch gemeinsames Singen geht nicht mehr. Nach der anfänglichen Euphorie, jede zweite Herbstwoche auch ohne Auftrittsmöglichkeiten gemeinsam zu singen, machten die Infektionszahlen auch der Singgemeinschaft Gastern einen Strich durch die Rechnung.

„Solange sich die Vorgaben nicht ändern, werden wir auch nicht regelmäßig proben“, gesteht Michaela Haidl offen und ehrlich. Sie könnte sich nur vorstellen, auf Anfrage für Feierlichkeiten im kleinen Rahmen kurzfristig etwas zu organisieren.

„Werden von allen Seiten mit Regeln überhäuft.“ So wird es auch bei der Firmung ablaufen, da einige Angehörige auch gleichzeitig Chormitglieder sind. Haidl hat sich schon vom Gedanken verabschiedet, in diesem Jahr noch Konzerte in der normalen Chorzusammensetzung zu singen: „Wir werden von allen Seiten mit Regeln überhäuft, sodass eine Veranstaltung mit enormem Mehraufwand und Einschränkungen verbunden wäre.“

Keine Weihnachtskonzerte. Leider fallen durch die neue Verordnung etwaige besinnliche Weihnachtskonzerte ins Wasser, doch die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, dass wenigstens die Frühjahrskonzerte wie gewohnt stattfinden können.