Spende an Carla entwendet: Verurteilt. Zeuge beobachtet 68-Jährigen, wie er eine Stereoanlage ins Auto lud. Schuldspruch: 1.000 Euro Strafe.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 29. April 2021 (03:14)
Symbolbild
Von Zolnierek, Shutterstock.com

25 Euro war die Stereoanlage wert, die ein 68-Jähriger entwendet haben soll. Das Elektrogerät lag bei den vielen Gegenständen, die Menschen als Spende am Wochenende vor dem Carla-Betrieb ablegen. Das Bezirksgericht geht dem Vorfall nach: Der Mann, der im Bandlkramerlandl wohnhaft ist, beteuert bis zum Schluss der Verhandlung seine Unschuld.

„Ich kann nichts zurückgeben, was ich nicht habe“, erklärt der Angeklagte. „Ich war gar nicht dort zu dem Zeitpunkt.“ Er räumt allerdings ein, dass Marke, Farbe und Kennzeichen des gesichteten Pkws stimme, als die Stereoanlage im Dezember entwendet worden ist. Selbst die Beschreibung seines Hundes, der offenbar ebenso zu dem Zeitpunkt anwesend war, deckt sich. Der 68-Jährige könne sich dennoch nicht erklären, warum er des Diebstahls bezichtigt wird.

„Ich bin dort schon 50 oder 100 Mal einkaufen gegangen“, sagt er. Es könne sich um eine Retourkutsche handeln, weil es vor Jahren einen Wortwechsel wegen eines nicht funktionierenden Elektroherdes gegeben habe: Er habe die Reklamation zu spät bekannt gegeben, diese sei nicht mehr anerkannt worden. „Das ist die einzige Erklärung, die ich habe – oder, dass es sich um eine Verwechslung handelt.“

Ein ehrenamtlicher Carla-Mitarbeiter wird einvernommen: Er habe einen Mann beobachtet, der die Stereoanlage ins beschriebene Auto eingeladen habe. Richter Lukas Beran fragt ihn, ob dies der anwesende Angeklagte gewesen sei: Der Zeuge ist sich nicht ganz sicher, aber Statur und Augen stimmen mit seiner Erinnerung überein. „Es war nicht mehr ganz hell“, erklärt er.

Der freiwillige Helfer schildert die Begegnung mit dem Mann, der gerade die Stereoanlage ins Auto einladen wollte: „Ich habe gefragt: Was machen’s denn da?“ Der 68-Jährige habe herausfordernd geantwortet: „Und? Was machen Sie da?“ Dem Carla-Mitarbeiter gehe es nicht um den Wert Gegenstandes, sondern ums Prinzip: Man könne nicht einfach Gegenstände entwenden, die auf Carla-Gelände abgelegt wurden. Der 68-Jährige habe dagegen eine völlig andere Sicht vertreten: Die Stereoanlage gehöre nicht Carla und könne sehr wohl noch an sich genommen werden.

„Er war der Meinung, er war im Recht“, schildert der Zeuge. „Darum bin ich zum Auto gegangen und habe mir das Kennzeichen gemerkt und danach sofort notiert.“ Seine Gattin habe er hierbei um Hilfe gebeten, auch sie ist sich nicht zu 100 Prozent sicher, ob der Angeklagte der selbe Mann gewesen sei: „Es war dunkel und ich war etwas weiter weg.“

Ein weiterer befragter Mitarbeiter kennt den Beschuldigten zwar als Kunden, weiß allerdings nichts von einem Elektroherd-Konflikt. Er berichtet, dass Zeiten für Spendenabgaben festgelegt seien. Man könne dennoch nicht zur Gänze verhindern, dass etwas außerhalb der Öffnungszeiten gebracht werde: „Das meiste steht direkt vor der Tür unterm Vordach.“

Der 68-Jährige bleibt bei seiner Aussage. Richter Lukas Beran erklärt ihm mehrmals, dass ein Diversionsangebot erteilt werden könne, wenn er die Verantwortung übernimmt. „Ich war in der Garage und habe das Auto geputzt“, rückt der Beschuldigte nicht von seiner Unschuld ab. Kein Zeuge habe ihn zu 100 Prozent identifizieren können. „Die Beweislast ist schon ein wenig erdrückend“, erwidert dagegen Beran. Der Richter verurteilt den 68-Jährigen zu einer 1.000 Euro-Geldstrafe (40 Tagessätze à 25 Euro), bei Uneinbringlichkeit zu 20 Tagen Haft.

„Es wäre für mich eine Diversion möglich gewesen“, führt er in seiner Begründung aus. Er habe auf Basis der eindeutigen Hinweise und der Zeugen-Aussagen keinen Zweifel an der Schuld des Mannes. Er wolle allerdings angesichts des geringen Wertes und des ordentlichen Lebenswandels des Angeklagten „die Kirche im Dorf lassen“. Für Diebstahl ist eine Geldstrafe von bis zu 360 Tagessätzen oder eine Haftstrafe von bis zu sechs Monaten vorgesehen. Die Staatsanwaltschaft verzichtet auf Rechtsmittel, der 68-Jährige wollte sich dies nach dem Urteil noch überlegen.