Bestatter: „Lockdown hat Trauernden weh getan“. Roland Köck ist neue Vertrauensperson im Waldviertel: Er spricht über seine Aufgabe, die Veränderungen bei den Trauerfeiern & über einen Trend.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 16. Oktober 2020 (05:50)
Katharina Strack-Dewanger ist die Obfrau der Landesinnung für Bestatter, weitere Mitglieder sind neben Roland Köck (l.) zudem Christopher Aigner, Alexander Cepko, Stellvertreterin Verena Haselböck, Hubert Hiesleitner, Reinhard Künzl, Ronald Lagrange, Stellvertreter Klaus Ostermann, Erwin Ruthner und Rosa Seeböck.
Tanja Wagner

Roland Köck ist Vertrauensperson der Bestatter in den Bezirken Waidhofen, Gmünd und Zwettl: Die Wirtschaftskammer hat ihn mit dieser Funktion betraut. „Ich bin der Einzige, der in Niederösterreich drei Bezirke abdeckt“, erklärt der Unternehmer aus Vitis. Die Bestattung Köck & Köck GmbH ist ein Familienbetrieb.

NÖN: Sie sind Bestatter undPolizist: Wie lässt sich das unter einen Hut bringen?

Roland Köck: Als Polizist habe ich einen Dienstplan, und der Betrieb wird im Familienverband mit Mitarbeitern geführt, somit lässt sich das alles einteilen und vereinbaren.

Was ist die Aufgabe einer Vertrauensperson?

Roland Köck.
Tanja Wagner

Ich vertrete die Interessen der Bestatter, bin ein bisschen Sprachrohr und Moderator, eine Verbindungsperson zur Wirtschaftskammer. Ich kümmere mich aber auch, wenn es Probleme gibt, um dann eine Lösung zu finden.

Wo liegen derzeit die Herausforderungen für Bestatter?

Die Herausforderung liegt darin, die Corona-Schutzmaßnahmen einzuhalten. Es gibt Unterschiede: In jedem Spital wird die Überführung von Verstorbenen sehr individuell gehandhabt, und gerade die Beerdigungsfeierlichkeiten laufen in den Pfarren unterschiedlich ab. Und wir haben einen Umschwung in der Bestattung seit Corona: Die Angehörigen wollen die Trauerfeier sehr individuell gestalten, angepasst an die Corona-Situation. Das ist unsere Herausforderung, eine Lösung für alle Beteiligten zu managen.

„Die Leute sind sehr sensibilisiert: Wer wirklich Bedenken hat, kommt nicht. Die Trauergäste sind schon weniger geworden.“Roland Köck über die Scheu, eine Trauerfeier aufzusuchen

Bedeutet das einen Mehraufwand für die Bestatter?

Teilweise, weil jeder Bestatter in seinem Bereich sowieso den Ablauf einer Beerdigung in- und auswendig kennt. Es ist ein kleiner Mehraufwand nötig, um auf die individuellen Begebenheiten einzugehen. Aber sonst werden die Schutzmaßnahmen und die Verhaltensregeln für den reibungslosen Ablauf von den Pfarren geregelt.

Wie sehen derzeit die Bestimmungen aus?

Im inneren Bereich kommt es darauf an, wie groß die Räumlichkeit ist. Das kann man gar nicht generalisieren. Die Pfarren handhaben das selbst und haben einen Beauftragten, der dafür zuständig ist. Im Freien sind circa 100 Personen vorgesehen. Wobei, wenn ein wenig mehr Leute kommen würden und die Abstandsregeln eingehalten werden, dürfte dies zu keinen Problemen führen.

Trauerfeiern waren kurz nach dem Lockdown nur im engsten Kreis möglich: Wie sind die betroffenen Familien damit umgegangen?

Das hat sehr weh getan. Es hat eine Zeit gegeben, wo sich die Trauerfamilie bei der Grabstelle getroffen hat, und wir hatten die Vorgabe, nur zehn Personen zulassen zu dürfen, was sehr schwer einzuhalten war. Man hat gespürt, dass es sehr schmerzt, wenn Menschen nicht kommen konnten. Die Einsegnung war sehr kurz, es gab keine Messe, aber dafür haben die Bestatter den Abschied sehr persönlich gestaltet, um auch den Schmerz lindern zu können. Es hat auch viele Bestatter gegeben, die vor der Zusammenkunft den Sarg für kurze Zeit bei der Grabstelle abgestellt haben: Einzelne Personen konnten immer wieder kommen. Jeder Bestatter hat da den besten Weg gewählt.

Was verändert sich jetzt?

Gott sei Dank sind die Leute sehr sensibilisiert: Wer wirklich Bedenken hat, kommt nicht. Die Trauergäste sind schon weniger geworden, zu spüren bekommt das meiner Meinung nach die Gastwirtschaft. Das Zusammensitzen wird jetzt im kleinen Rahmen in der Familie abgehalten. Was ich sehe, ist, dass in den drei Bezirken Waidhofen, Gmünd und Zwettl die Zahl der Kremationen zugenommen haben. Corona war der Grund, dass sich mehr für die Feuerbestattung entschieden. Wir haben heuer eine Steigerung im zweistelligen Prozentbereich.

Hat das Bestattungswesen Nachwuchsprobleme?

Probleme gibt es beim Nachwuchs schon, was Vorbeter, Sänger, Mesner und alle, die bei einer Beerdigung ehrenamtlich tätig sind, betrifft. Es wird eine Zeit kommen, wo es hierbei zu Problemen kommen wird. Das machen meist Pensionisten, die sind derzeit etwas gefordert, aber es wäre für die nächste Generation an der Zeit, diese abzulösen. So würden wir es im ländlichen Bereich schaffen, die Strukturen aufrechtzuerhalten. Zum Teil kann der Bestatter als Vorbeter oder beim Rosenkranzgebet aktiv sein. Aber alles kann das Bestattungsunternehmen nicht abdecken.

Wie sieht es in den Betrieben selbst aus?

Wir haben eine extra Ausbildungsstätte der Bestattungsinnung, in der monatlich Seminare angeboten werden. Das gilt für bestehende Mitarbeiter und auch für Nachfolger. Ich muss die Bestatter loben, denn sie sind doch jederzeit erreichbar, rund um Uhr, am Wochenende und an Feiertagen. Die heutige Jugend will dagegen eher eine Work-Life-Balance finden.

Gehören die Bestatter zu den krisensicheren Betrieben?

Wir haben sehr viele Familienbetriebe, die krisensicher sind, wobei man sagen kann, dass wir heuer insgesamt österreichweit gesehen weniger Sterbefälle haben. Das kann eine rein statistische Sache sein.