Ein ganzes Ortszentrum heizt mit Fernwärme. CO₂-Ausstoß wird um 140.000 Kilogramm pro Jahr verringert.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 06. Dezember 2019 (13:56)
Das Ortszentrum in Karlstein hat für WAV-Direktor Manfred Damberger, Landesrat Martin Eichtinger und Bürgermeister Siegfried Walch.
Karin Widhalm

Der grün sprießende Christbaum steht neben zwei ausgedorrten Pflanzen: Exemplarisch macht die Waldviertler Siedlungsgenossenschwaft (WAV) mit dem Land NÖ und der Marktgemeinde bei der Pressekonferenz heute (6. Dezember) auf den Klimawandel aufmerksam. Sie möchten aber zugleich eine Antwort darauf liefen. Denn: Karlstein gilt als Vorzeigegemeinde im Land.

Das komplette Ortszentrum ist auf erneuerbare Heizart umgestellt. Die Volksschule soll noch vor Weihnachten ans Fernwärme-Netz angeschlossen werden. Vier WAV-Wohnhäuser mit 43 Wohnungen, zwei Banken, zwei Ordinationen, das Rathaus mit dem Kindergarten und das neu-sanierte HTL-Schülerwohnheim sind zusätzlich in der diesjährigen Heizperiode dazugekommen. Die Heizenergie wird ausschließlich aus Waldhackgut aus einem Umkreis von 15 Kilometer mit einem Biomassekessel erzeugt.

"Man darf nicht nur reden"

Künftig wird ungefähr 700.000 kWh Heizenergie nicht mehr aus 70.000 m³ Erdgas erzeugt. Das ist eine Verringerung des CO₂-Ausstoßes um 140.000 Kilogramm pro Jahr.  "Ich bin selber Landwirt und Waldbesitzer: Man sieht im Waldviertel die massiven Veränderungen. Man muss im Kleinen anfangen und man darf nicht nur reden, sondern muss auch etwas tun", erklärt Bürgermeister Siegfried Walch.

WAV-Direktor Manfred Damberger erinnert daran, dass damit die Wertschöpfung in der Region bleibt. 5.399 Kilometer Öl von Katar nach Karlstein zu schicken sei ein zu langer Weg, wenn man 900 Meter Fernwärme-Leitung gegenüberstellt. "Die WAV hat bisher gut mit Gas arbeiten können, aber die Zeit ist abgelaufen", betont er. "Ein Riesenglück ist, dass in Karlstein alles zentriert ist." Wichtig sei, dass man den Blick auf den Energieverbrauch nicht verliert.  Denn: "Man beschäftigt sich mit diesem Thema nicht."

Eigenen Energieverbrauch beobachten

"Das Energieeffizienzgesetz spielt uns - leider oder Gott sei dank - hierbei in die Hände", ergänzt Damberger. "Ab Jänner 2022 müssen wir unsere Kunden über ihren Energieverbrauch informieren." Die Glasfaserverlegung mache es leicht, den eigenen Energieverbrauch schnell und digital abfragen zu können. Jeder wisse, wie viele Benzin verbraucht wird, beim Strom sehe die Lage schon anders aus. Er setze dabei auch auf die "Karlsteiner Klima Kinder": Die Volksschüler sollen spielerisch lernen, wie CO₂eingespart werden kann.

"Die umweltfreundlichste Energie ist jene, die wir gar nicht verbrauchen", ist Landesrat Martin Eichtinger überzeugt. Er betont Karlsteins Vorzeigerolle. "Wichtig ist, dass wir hier Maßnahmen setzten ... schauen Sie sich nur diese Bäume an", zeigt er auf die dürren Pflanzen. Das Land NÖ wolle die Versorgung von 30.000 zusätzlichen Haushalten mit Wärme aus Biomasse erreichen.

Karlstein ist Klimabündnis-Gemeinde, hat drei Flusskraftwerke, eine Biogasanlage, Photovoltaikflächen und drei E-Tankstellen bereits umgesetzt, E-Fahrzeuge für den Bauhof besorgt und bietet Carsharing an.