Ex-Huskys: Wer hinter der Firma „VTW“ steht. Ex-Husky-KTW-Mitarbeiter errichten mit indischem Werkzeugbauer als Investor Werk um 12 Millionen Euro in Waidhofen.

Von Michael Schwab. Erstellt am 20. November 2019 (05:14)
Manfred Schinko, Geschäftsführer der VTW GmbH, sprach mit der NÖN über das geplante Werk in Waidhofen. Schinko stammt aus Fistritz und lebt seit 18 Jahren in Waidhofen . Er engagiert sich in seiner Freizeit als Handball-Trainer in Waidhofen.
Schwab

Lange wurde der Deckmantel der Geheimhaltung über das Vorhaben gebreitet, doch nun ist der Deckel gelüftet: Ein vierköpfiges Team um den ehemaligen Husky-KTW-Geschäftsführer Manfred Schinko will in Waidhofen eine neue Werkzeugbau-Firma aufbauen.

Unter dem Firmennamen „VTW GmbH“ mieteten Schinko und Christian Weber ein Büro im Gebäude der Pumpenoase in Vitis. Als Haupt-Geldgeber fungiert die indische Firma „Vasantha Tool Crafts Pvt. Ltd.“. Ein passendes, 20.000 Quadratmeter großes Betriebsgrundstück wurde in Waidhofen im Betriebsgebiet Nord-West gefunden. Die NÖN sprach mit Geschäftsführer Manfred Schinko über seine Pläne.

NÖN: Wie kam es zu der Idee, sich mit einem eigenen Werkzeugbau-Werk selbstständig zu machen?

Manfred Schinko: Als sich erste Warnsignale für die Zukunft von Husky in Waidhofen zeigten, wie die Einstellung der Lehrlingsausbildung und ein Investitionsstopp, begann ich mir natürlich Gedanken zu machen. Ich habe dann, als der Sozialplan stand, selber gekündigt, um mich voll und ganz auf die Zukunft konzentrieren zu können. Mein Hauptbeweggrund ist, dass mit Jahresende auf einen Schlag eine große Zahl von Fachkräften durch das Husky-Aus frei wird. Es gilt, dieses Potential in der Region zu halten, daher war es mir auch bei den Verhandlungen mit Geldgebern wichtig, dass der Standort im Waldviertel bleibt.

Stichwort Geldgeber: Wie kommt es, dass eine indische Firma im Waldviertel investiert?

Schinko: Die Firma Vasantha war auf der Suche nach einem Standort in Europa, um die europischen Kunden besser bedienen zu können. Sie suchte seit über eineinhalb Jahren nach einer Werkzeugbaufirma zum Kaufen. Da ergab es sich gut, dass wir einen Investor suchten. Um einen besseren Eindruck über unseren potentiellen Investor zu gewinnen, wurde kurzfristig ein Vorort-Besuch in Hyderabad, Indien vereinbart. Bei der Firmenbesichtigung und in den Gesprächen war sehr rasch klar, dass Vasantha der richtige Partner für unser Projekt ist.

Gab es auch Gespräche mit anderen Firmen? Wäre es eine Option gewesen, das Husky-Areal zu übernehmen?

Schinko: Ja, wir hatten eine Reihe von Gesprächen mit österreichischen und internationalen Interessenten. Vasantha war jedoch der Einzige, der unsere Idee vom eigenständigen Werkzeugbau im Waldviertel mit lokalem Management zu 100% unterstützte. Andere Konzepte, die in Richtung Servicecenter mit max. 10-15 Mitarbeitern gingen, waren für uns keine Option. Husky hatte kein Interesse das Areal oder Maschinen zu verkaufen, da man vermutlich verhindern wollte, dass sich ein Mitbewerber in Waidhofen ansiedelt. Das hat zwar den Nachteil, dass wir mit der Produktion erst später beginnen können, bringt aber den großen Vorteil, dass wir das Betriebsgebäude optimal auf unsere Anforderungen und Prozesse hin planen und realisieren können. Das wäre am alten Husky-Areal nur bedingt möglich gewesen, zusätzlich werden im neuen Gebäude die laufenden Betriebskosten durch moderne Energieversorgungssysteme deutlich geringer sein.

Wie groß soll das Werk denn werden? Wie viele Arbeitsplätze sollen entstehen? Wie viel wird investiert?

Schinko: Da der Baugrund jetzt fixiert ist, gehen wir nun in die Planungsphase. Geplant sind rund 4.000 m Produktionsfläche inklusive Büros. Die Investitionssumme beträgt 12 Millionen Euro. Der Baustart soll so rasch wie möglich nach der Umwidmung erfolgen, mit einem voraussichtlichen Produktionsstart im Frühjahr 2021. Eine schnelle Realisierung ist wichtig, damit wir auf das Fachkräftepotential zugreifen können. Dazu darf die Überbrückungsphase zwischen Husky-Werksschließung nicht zu lange dauern. Ich gehe davon aus, dass wir Ende 2022 bis Anfang 2023 um die 80 Mitarbeiter und acht Lehrlinge beschäftigen werden. Als Werkzeugbaubetrieb ist die eigene Lehrlingsausbildung essentiell, denn Werkzeugbauer ist nicht gleich Werkzeugbauer, man braucht Leute, die speziell auf die eigenen Anforderungen hin ausgebildet sind.

In diesem Bereich hinter dem Lagerhausareal im Betriebsgebiet Nord-West soll das VTW Werk entstehen.
Google Maps/NÖN Grafik Bischof

Ab wann wird eine größere Zahl an Arbeitsplätzen zur Verfügung stehen?

Schinko: Wir steigern die Mitarbeiteranzahl sukzessive und werden Ende 2020 rund 25 Mitarbeiter haben. Der Aufbau startet im ersten Quartal 2020 in den Bereichen Vertrieb, Projektmanagement und Entwicklung/Konstruktion. Mit dem Produktionsstart Anfang 2021 wird dann aber eine größere Zahl an Produktionsmitarbeitern gebraucht werden.

Suchen Sie nur unter den ehemaligen Husky-Mitarbeitern?

Schinko: Der überwiegende Anteil der VTW-Mannschaft wird voraussichtlich aus ehemaligen Husky-KTW Mitarbeitern bestehen. Ich halte es allerdings für essentiell, eine gute Mischung im Team zu haben, um von den Erfahrungen und dem Know-how von Fachkräften, die auch schon in anderen Unternehmen tätig waren, profitieren zu können.

Daher schränken wir uns in unserer Personalsuche bewusst nicht ein. Ich darf wegen der Konkurrenzklausel auch keine noch aktiven Husky-Mitarbeiter aktiv kontaktieren und abwerben. Dass sich natürlich der eine oder andere Mitarbeiter, der die Kündigung schon in der Tasche hat, nach Alternativen umsieht und auch bei uns nachfragt, ist legitim. Das Interesse ist jedenfalls da, wir bekommen viel positives Feedback.

Wie kamen Sie auf Waidhofen als Standort?

Schinko: Wir haben uns im gesamten Waldviertel nach Betriebsgrundstücken umgesehen. Die Unterstützung seitens der Gemeinden war überall da. Das Grundstück in Waidhofen erfüllte unsere Anforderungen und jene des Investors am besten. Wir haben uns 20.000 m gesichert und die Option auf weitere 15.000 m , sodass wir auch für eine Erweiterung gerüstet wären. Unser Ziel ist ein gesundes Wachstum, keine Umsatzsteigerung um jeden Preis.

Wie wird die Entscheidung, ein neues Werk für Formenbau in Waidhofen aufzubauen, in der Branche angenommen?

Schinko: Vasantha hat das Projekt auf der Kunststoffmesse K 2019 in Düsseldorf vorgestellt. Die Kundenresonanz war sehr gut. Die Kunden begrüßen es, ab sofort nun auch in Europa kompetente lokale Ansprechpartner zu haben und dass ab 2021 die kompletten Aufträge in Österreich produziert und abgewickelt werden können. Mit fast 40 Jahren KTW-Erfahrung und der 30-jährigen Erfahrung von Vasantha haben wir zusammen 70 Jahre Erfahrung im Werkzeugbau.

Zum Schluss noch zu Ihnen als Person? Was habe Sie vorher beruflich gemacht?

Schinko: Ich war rund 20 Jahre bei Pollmann, zuletzt als technischer Leiter, dann bei der Firma AVI Systems in Dresden als Betriebsleiter und zuletzt gewerberechtlicher Geschäftsführer bei Husky-KTW in Waidhofen.