Waidhofen an der Thaya

Erstellt am 18. Januar 2017, 05:35

von Michael Schwab

Flüchtlingsklasse: Wieder auf der Schulbank. In der Handelsakademie Waidhofen wird anders als im Vorjahr nicht mehr auf Englisch unterrichtet, Bewerber mussten Vorprüfung ihrer Deutschkenntnisse ablegen.

Lehrerin Martha Deinhofer mit einigen Schülern der Flüchtlingsklasse, Mahmoud Atlibi, Naser Barekzai, Sayed Mahdi Mosqui, Hekmatiar Ahmadzani, Jamshed Abdiani, Mustafa Rahmani, Milad Fazeli, Baset Bakthani, Ahad Ahmadi, Bilal Naseri, Mohammad Zubair, Khushal Abdiani und Hasan Salih.  |  Michael Schwab

Aus den Erfahrungen des vorigen Schuljahres hat man in der Handelsakademie Waidhofen gelernt und die Flüchtlingsklasse, die im November 2016 startete, etwas anders organisiert.

„Anders als im Vorjahr ist die Unterrichtssprache nicht mehr Englisch, sondern Deutsch. Daher haben wir darauf geachtet, dass die Flüchtlinge bereits Deutschkenntnisse in der Nähe der Stufe A1 beherrschen. Zu diesem Zweck haben wir eine Vorprüfung abgehalten, zu der über 40 Bewerber kamen. 20 haben wir dann genommen“, berichtet Direktor Johann Lehr.

Insgesamt habe es über 60 Interessenten gegeben. Aufgrund der Altersbeschränkung auf Personen von 15 bis 18 Jahren, die auch vom Unterrichtsministerium vorgesehen sei, musste man einige Bewerber ablehnen. Die Übrigen stellten sich der Prüfung. „Zwanzig Schüler sind eine ideale Klassengröße. Das Hauptziel des Unterrichts ist es, die Stufe B in Deutsch zu erzielen. Bereits jetzt zeigen sich gegenüber dem Vorjahr merklich mehr Fortschritte im Unterricht“, erklärt Lehr.

Deutschunterricht steht im Mittelpunkt

Dass der Deutschunterricht im Mittelpunkt steht, zeigt sich deutlich am Stundenplan, wo pro Woche ganze zehn Stunden - pro Unterrichtstag zwei - für den Spracherwerb vorgesehen sind. Die übrigen 21 Wochenstunden (von insgesamt 31) verteilen sich auf Mathematik, Englisch, Wirtschaftsinformatik, Ethikunterricht und Persönlichkeitsbildung, einen österreichbezogenen Geografieunterricht, Naturwissenschaft und Turnunterricht.

„Im Gegensatz zum Vorjahr sind wir vom gemeinsamen Unterricht mit regulären Klassen, etwa beim Sport, wieder abgekommen. Das hat nichts gebracht, es ist nicht gut, wenn die Flüchtlinge stundenweise aus der gewohnten Klassenstruktur gerissen werden. Selbstverständlich sind sie aber bei anderen schulischen Aktivitäten eingebunden, das klappt sehr gut“, führt Lehr an.

Flüchtling pendelt täglich von Wien

Besonders beeindruckt ihn ein Flüchtling, dessen Familie nach Wien übersiedelt ist und täglich mit dem Autobus nach Waidhofen pendelt, um weiter die Klasse zu besuchen. Da er seinen Platz in der Flüchtlingsklasse bereits vor der Übersiedelung hatte, hat er Anspruch auf Schülerfreifahrt. Anders wäre das Pendeln nicht leistbar.

„Er hatte sich im Vorfeld bestens informiert. Es gibt einen Bus in der Früh, mit dem er um 8.10 Uhr kommt. Das funktionierte bisher stets reibungslos, er kam immer pünktlich. Man kann da nur sagen, Hut ab“, meint Lehr.