Husky-KTW: „Sind allein gelassen“. Nach der ersten Empörungswelle der angekündigten Kündigungen fühlt sich Belegschaft von Politik alleine gelassen.

Von Gerald Muthsam. Erstellt am 06. August 2019 (15:19)
Gerald Muthsam
Christian Hemerka, Andreas Hitz, Michaela Schön, Roman Mühlberger (Betriebsratskassier, Husky-KTW) und Markus Schmid (Betriebsratsvorsitzender, Husky KTW) bei der Pressekonferenz.

Alleingelassen und mittlerweile ungehört fühlen sich die Mitarbeiter und Betriebsräte von Husky-KTW. „Die erste öffentliche Empörung der Politik ist eingeschlafen und keinen scheint es mehr zu interessieren, dass am Ende des Jahres 200 Leute auf der Straße stehen werden“, beklagt sich Betriebsratsvorsitzender Markus Schmid im Rahmen einer Pressekonferenz der Arbeiterkammer Waidhofen am Dienstag.

40 Mitarbeiter haben inzwischen das Dienstverhältnis einvernehmlich gelöst und einen anderen Arbeitsplatz gefunden. „Von diesen 40 Personen hat es sich aber keiner verbessert“, merkt Schmid an. „Entweder haben sie teils hohe Gehaltseinbußen in Kauf nehmen müssen, oder arbeiten jetzt anstatt im Zwei-Schicht- im Drei-Schicht-Betrieb.“

Ebenso seien auch längere Anfahrtszeiten zum Arbeitsplatz entstanden. Gesetzlich seien Anfahrtszeiten bis zu 90 Minuten pro Strecke zumutbar. Dies bedeute aber, dass dadurch auch ein zweites Auto in der Familie zwingend nötig werde, und man durch die lange Fahrt mit einem höheren Unfallrisiko konfrontiert sei.

Mitarbeiter mit Tränen in den Augen

„Mir begegnen langjährige Kollegen im Betrieb mit Tränen in den Augen, weil sie nicht wissen, wie es nach Ende des Jahres weitergehen soll. Ich würde mir hier wirklich mehr Unterstützung von der Politik wünschen. Auch von der Landespolitik kommt nichts mehr“, erzählt der Betriebsratsvorsitzende verzweifelt. Noch dazu käme die hohe Besteuerung der Abfertigung aus dem Sozialplan. Je nach System Abfertigung Alt oder Neu, gäbe es nur bis zu einer gewissen Summe Steuerbegünstigungen, der Rest unterliege der Normalbesteuerung. „Das war eine ziemliche Ernüchterung, das zu erfahren. Denn hier handelt es sich um Geld zur Überbrückung, für eine nicht absehbare Dauer der Arbeitslosigkeit bzw. für eine persönliche Ausbildung, die nicht durch die Arbeitsstiftung gedeckt ist“, meint Markus Schmid.

„Wenn schon Steuer abgegeben wird, sollte diese zweckgebunden sein, wie etwa für AMS-Maßnahmen oder Ähnliches.“ Denn so sehe keiner den Sinn oder die Gegenleistung der Abgaben.

Die Stimmung und das Umfeld im Betrieb sei jedenfalls sehr unangenehm und bedrückend. Man erledige noch Projekte für einen Arbeitgeber, der einen trotz nachweislicher Gewinne einfach vor die Tür setze. Auch der Know-How-Transfer an die Betriebe in Tschechien und Luxemburg funktioniere natürlich nicht.

Abgesehen von der menschlichen Komponente, denn niemand lagert sich und sein Wissen gerne selber aus, seien gewisse Fertigkeiten so komplex und brauchen mehrere Jahre, bis man sie beherrsche.