Neues Depot wurde zu Glücksfall. Turbulenter Umzug vom Bauhof in die Heidenreichsteinerstraße erwies sich als Glücksfall für das Stadtmuseum.

Von Gerald Muthsam. Erstellt am 04. Juli 2019 (04:19)
Gerald Muthsam
Ernst Starkl, Ewald Michule, Johann Schuh, Franz Fischer und Heinrich Hetzer mit dem heiligen Nepomuk, der über die Objekte im Museumsdepot wacht.

Ein Wirtshaustisch mit eingebauter Kegelbahn zog noch vor Beginn des Spaziergangs durch das Museumsdepot die Aufmerksamkeit auf sich.

Der trickreiche Tisch, der unter der aufklappbaren Platte das unterhaltsame Spiel verbirgt, ist vermutlich ein Einzelstück und nur eines von vielen interessanten Objekten im Depot in der Heidenreichsteinerstraße. Franz Fischer ging in seinen einleitenden Worten auf die teils turbulenten Umstände des Zustandekommens des Depots ein. Die Objekte waren ja bekanntlich im Bauhof der Gemeinde eingelagert und mussten wegen des Umbaus relativ kurzfristig geräumt werden.

Nach dem Umzug, bei dem Mitarbeiter der Gemeinde wesentlich geholfen haben, sei man aber froh, diesen Standort zu haben. Auch Heinrich Hetzer, der viel zu den Objekten, hauptsächlich aus der Weberei, erzählten konnte, sprach von einem Glücksfall. Man habe jetzt trockene, staubfreie und beheizte Räumlichkeiten, in denen man auch in Ruhe arbeiten könne. Er wünsche sich jedoch noch interessierte Personen, die bei der Aufarbeitung der Konvolute mithelfen wollen. Er denke auch an Projekte mit Studenten von der Universität für angewandte Kunst Wien, an der er auch einen Lehrauftrag habe.

Gerald Muthsam
Auch diese kuriose Maschine steht im Museumsdepot, von der man nach wie vor nicht weiß, wozu sie diente.

Im Zuge das Einräumens kam man auf den Gedanken, den Raum als eine Art Wunderkammer zu gestalten. Denn wenn man durchgeht, findet man immer etwas, das man noch nicht gesehen hat oder das interessant ist. Manches ist auch als Kuriosum gelagert, wie die alten Bilder der Zwiebelkapelle, die Musterarchive von Webereien oder bäuerliche Geräte.

In dem Depot, dass nach außen hin durch einen Luster aus dem Vereinshaus in Waidhofen auffällt, sind auch archivarische Bücher der Stadtgemeinde, wie Kassabücher, Unterlagen vom Friedhof oder vom Handwerksburschen-Unterstützungsverein aus der Zeit von 1870 bis 1930 gelagert. Es finden sich auch Katastermappen aus allen Orten des Bezirkes vom Vermessungsamt, Noten und palettenweise Zeichnungen von Textilbetrieben, die zugesperrt haben.

Das größte Konvolut stammt von den „Teppich- und Möbelstoffwerken Groß Siegharts“, das man rechtzeitig vor der Entsorgung retten konnte.