Waidhofen an der Thaya

Erstellt am 29. August 2018, 04:41

von Michael Schwab

Quartierschließung: Familien mussten weg. Die 35 Asylwerber im Wohnhaus in der Raiffeisenstraße 3 wurden mit Bus nach Unterwaltersdorf gebracht. Mindeststandards im Quartier waren nicht erfüllt.

Die sieben Flüchtlingsfamilien, die im Wohnhaus in der Raiffeisenstraße 3 untergebracht waren, mussten am Montagmorgen ausziehen. Christa Steindl (links) und Gerlinde Oberbauer (rechts) suchen nun nach Ersatzwohnungen in Waidhofen.  |  Michael Schwab

Für die sieben Asylwerber-Familien, die im Wohnhaus in der Raiffeisenstraße 3 untergebracht sind, kam am Mittwoch eine Hiobsbotschaft: Die Unterkunft wird geschlossen und alle 35 dort lebenden Personen müssen ausziehen und in ein anderes Quartier in Unterwaltersdorf übersiedeln.

Nur fünf Tage später, am Montag, wurden sie mit einem Bus um 9 Uhr abgeholt. „Das Tragische ist, dass die meisten von ihnen im Schnitt schon zwei Jahre in Waidhofen lebten, und ihre Kinder hier Kindergarten und Schule besuchten. Diese Leute, die sich hier toll integriert haben, werden nun plötzlich aus ihrem Umfeld herausgerissen“, bedauert Gerlinde Oberbauer, die sich ehrenamtlich um die Flüchtlinge kümmerte, die Quartierschließung.

Laut Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ), der die Schließung veranlasste, sei der Hintergrund, dass man seitens des Landes die Asylwerber in der Grundversorgung in Quartieren unterbringen möchte, die gewisse Mindeststandards erfüllen. Dies sei in der Raiffeisenstraße nicht gegeben gewesen, da es sich um ein altes, baufälliges Haus handele.

„Ein Asylwerber hat das Recht auf ein Quartier, aber nicht, wo es sich befindet. Das entscheidet das Land Niederösterreich“, stellt Waldhäusl klar. Es handele sich um eine landesweite Maßnahme. Auch in Groß Siegharts mussten am Montag Asylwerber ausziehen.

Suche nach Quartieren ist bereits im Gange

Sofort nach Bekanntwerden des Umzugs machte sich Oberbauer mit weiteren freiwilligen Helfern und Asylkoordinatorin Christa Steindl auf die Suche nach möglichen Ersatzquartieren in Waidhofen, um zumindest jenen Familien, die schon besonders lange hier sind, eine Rückkehr nach Waidhofen zu ermöglichen. In der kurzen Zeit konnte jedoch kein solches gefunden werden.

„Wir appellieren daher an jeden, der eine leer stehende Wohnung oder ein Wohnhaus in Waidhofen hat, sich bei uns zu melden. Die Leute brauchen nicht viel Platz, und die Miete sollte maximal 300 Euro betragen“, ruft Oberbauer die Waidhofner Bevölkerung auf.

Auch Wohnungen im näheren Umfeld der Bezirkshauptstadt seien in Ordnung, sofern eine Busverbindung vorhanden ist. Wer eine Wohnung vermieten will, soll sich bei Christa Steindl, Tel. 0664/2337904 melden.