Vor Schließung nochmals zum Gramanitsch gehen. Ehemaliger Besitzer der Kroko-Bar trennt sich endgültig von seiner Waidhofner Wohnung und lädt nochmals ein.

Von Hannes Ramharter. Erstellt am 07. November 2018 (04:05)
Hannes Ramharter
Hans Gramanitsch in seiner Rattan-Sitzgarnitur, am Tisch eine seiner Holz-Plastiken.

Es war DIE Location im Lande, DER Waidhofner, den man weit über die Grenzen Österreichs hinaus kannte, DER Ort, der für Bekanntheit von Waidhofen wohl am meisten sorgte: Hans Gramanitsch und seine „Orient Bar“ in Waidhofen, anders genannt auch die Kroko-Bar.

Mittlerweile ist Hans Gramanitsch über 83 Jahre alt und hat sich einen Traum auf andere Art, als er jemals dachte, verwirklicht: Er lebt auf einer Insel, allerdings auf der Donauinsel in Wien, wie er in der Vorwoche im NÖN-Gespräch lächelnd selbstkritisch anmerkt.

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Auch noch in der Wohnung: ein modellierter Schädel, den Gramanitsch von einer seiner Expeditionen mitgenommen hat. Auf dem Bild im Hintergrund sieht man Gramanitsch bei einer seiner Reisen, als er rund 40 Jahre jünger war als heute.

„Es ist Zeit, schön langsam einen Schlussstrich zu ziehen“, meint Gramanitsch, der seine Wohnung im Haus der einstigen Kroko-Bar nun an seine Ex-Frau Olga Gramanitsch übertragen hat.

Vor rund 25 Jahren hat Gramanitsch das Lokal mit Ausnahme der Wohnung an einen türkisch-stämmigen Österreicher verkauft. Seine Ärzte hatten ihm dringend geraten, aus der Gastronomie auszusteigen, weil seine Lunge zu angegriffen war, und das, obwohl Gramanitsch nie geraucht hatte.

Der Türke war mit dem Lokal nicht wirklich erfolgreich, nach einigen Jahren wurde die Kroko-Bar zu einem China-Restaurant, doch auch das war kein Erfolg, sodass es nun schon seit mehreren Jahren total geschlossen ist.

Vor allem in der Wohnung hat Hans Gramanitsch noch zahlreiche Erinnerungsstücke seiner Reisen untergebracht und natürlich auch seine Schnitzwerkstatt, denn nach Beendigung seiner gastronomischen Tätigkeit widmete er sich rund 25 Jahre intensiv dem Schnitzen. Dass Gramanitsch auch künstlerisch hoch begabt ist, beweist zum Beispiel der in diesem Artikel eingefügte Christus.

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Hans Gramanitsch vor seiner Küche, deren Fächer mit von ihm nachempfundenen Eingeborenen-Schnitzereien verziert sind.

Olga Gramanitsch möchte sich nun bemühen, das Lokal ebenfalls in ihren Besitz zu bekommen, es könnte sein, dass es in nächster Zeit tatsächlich versteigert wird, denn der Chinese hat seine Verbindlichkeiten praktisch nicht erfüllt. Dann gäbe es die Möglichkeit, Lokal und Wohnung zu erwerben und vielleicht sogar das Lokal wieder zu beleben. „Nicht zuletzt durch den Erfolg des Radwegs „Thayarunde“ wäre es sicher interessant, dieses Lokal wieder in irgendeiner Form aufleben zu lassen“, meint Olga Gramanitsch‘ Lebensgefährte Robert Hammerling im Gespräch mit der NÖN.

In der Wohnung wird Hans Gramanitsch die Einrichtung dem künftigen Eigentümer übergeben, unter anderem auch die Sitzgarnitur mit Korbsesseln, die Küche mit Gramanitsch-Schnitzereien, die er gedanklich von seinen Reisen mitgenommen hat und die beiden Sessel aus Lindenholz, die Mördermuscheln darstellen, von Gramanitsch geschnitzt wurden und von zwei Seeschlangen gehalten werden. Am Deckel haben sie Darstellungen von Methusa und Wotan.

Gramanitsch zeigte stolz auch ein Gästebuch mit vielen Eintragungen prominenter Künstler und Politiker, u.a. jener des einstigen Bundespräsidenten Franz Jonas, der die Kroko-Bar während seiner Amtszeit besucht hatte.

Offene Türen am 18. November

Hans Gramanitsch war nicht nur Gastronom in Waidhofen, sondern auch Gründungsmitglied des Segelclubs Ottenstein und nimmt auch als 83-jähriger an Segelregatten teil und steht immer wieder auch an der Spitze des Klassements.

Vor der Auflösung will er nun seine Segelfreunde nochmals in seine Wohnung einladen, um ihnen Gelegenheit zu bieten, eventuell das eine oder andere Erinnerungsstück mitnehmen zu können.

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Am Tag dieser Einladung, die am Freitag, 16. November über die Bühne gehen wird, hat auch die Waidhofner Bevölkerung ab 16 Uhr nochmals die Gelegenheit, viele Erinnerungsstücke aus ihrer Jugend und aus der Kroko-Bar, viele alte Bilder und Ausstellungsstücke, nochmals sehen zu können.

Die Wohnung von Hans Gramanitsch hat rund 180 m und könnte eventuell auch geteilt werden.

Natürlich sieht man in der Wohnung auch zahlreiche Bilder von „Jokl“, dem Krokodil, das in der Kroko-Bar über ein großes Terrarium verfügte und das den Gästen des Lokals allgegenwärtig war. Mit „Jokl“ wirkte Gramanitsch öfters auch in Filmen mit, im Sommer fuhr er mehrfach mit dem Krokodil im Cabrio zu Waldviertler Teichen, um dort gemeinsam mit dem Tier schwimmen zu gehen.

Gramanitsch verfügt auch heute noch über viele Zeitungsausschnitte, die zeigen, dass er mit seiner Bar und seinen Tieren eigentlich in ganz Europa bekannt war. Und wohl jedem, der irgendwann im Waldviertel war, und sei es auch nur, um den Grundwehrdienst in Allentsteig abzuleisten, ist die Kroko-Bar des Hans Gramanitsch auch heute noch ein Begriff.