Die NÖN als Band zur Heimat. Joe Hirnschall ist in Kanada und im Waldviertel zu Hause. Freunde nehmen ihm Zeitung mit.

Von Michael Schwab. Erstellt am 19. Februar 2020 (03:43)
Die NÖN ist eine fixe Größe im Leben von Joe Hirnschall.
Schwab

Wenn Joe Hirnschall im Sommer auf seiner Ranch in Kanada beim Frühstück sitzt, kann es gut sein, dass eine Ausgabe der Waidhofner NÖN am Tisch liegt, zwar nicht per Nachsendeauftrag, aber als Mitbringsel seiner zahlreichen Freunde und Bekannten aus der Waldviertler Heimat, die ihm die Zeitung von seinem Haus in Lichtenberg mitbringen.

NÖN-Abo seit über 50 Jahren

„Ich habe seit über 50 Jahren die NÖN abonniert, und freue mich immer, wenn ich einen Stapel Zeitungen aus der Heimat bekomme, damit ich am Laufenden bleibe“, erzählt Joe Hirnschall, besser bekannt als „Canadian Joe“ im Gespräch mit der NÖN. Internet und Handy nutzt der 1943 geborene Hirnschall nämlich nicht, weder im Waldviertel noch in Kanada.

„Im Frühjahr sehne ich mich nach Kanada, im Herbst, wenn die Gänse wegfliegen, ist es Zeit, wieder ins Waldviertel zu kommen.“ Joe Hirnschall über das Gefühl, zwei Heimatländer zu haben.

Wie es überhaupt dazu kam, dass er zum Halb-Kanadier wurde? Vor gut 40 Jahren, als die Aufmarschpläne des damaligen russischen Präsidenten Breschnew bekannt wurden, nach denen das Waldviertel im Kriegsfall „überrannt“ worden wäre, entschloss sich Hirnschall dazu, im Ausland ein neues Standbein aufzubauen. „Entweder wollte ich nach Kanada oder nach Argentinien“, erinnert sich der gelernte Banker, der in Waidhofen maßgeblich am Aufbau der Volksbank beteiligt gewesen war.

Erster Landkauf vor 41 Jahren

Zum Glück sei die Wahl dann auf Kanada gefallen. „Vor 41 Jahren kaufte ich dort mein erstes Land, vier Jahre später verlegte ich meine beruflichen Ziele nach Kanada. Ich lebte als Rancher, habe Jungrinder-Herden aufgebaut und im Herbst die Tiere wieder abverkauft. Dann ging es über den Winter zurück nach Österreich und im Frühjahr wieder nach Kanada“, erzählt Hirnschall.

Im Sommer in Kanada, im Winter im Waldviertel

Diesen Rhythmus behält er auch heute noch bei, wenngleich er mittlerweile „retired“, also im Ruhestand ist: „Ich habe Leute, die sich um die Ranch kümmern, wenn ich weg bin“. Insgesamt besitzt Hirnschall etwas mehr als 1.000 Hektar Land, mit privaten Seen, Camps und idyllischen Flußufern. Für Gäste hat er auf seiner Ranch immer Platz – der Rekord liegt bei 24 Personen, die einmal die Nacht bei ihm verbrachten.

Zwei Leidenschaften begleiten Hirnschall durch sein ganzes Leben: Die Jagd und seine Liebe zur klassischen Literatur.

In seinen international bekannten Vorträgen rezitiert er aus dem Gedächtnis Gedichte und Balladen aus seiner Schulzeit, untermalt mit historischem Detailwissen und spannenden Erlebnissen aus seiner zweiten Heimat und von seinen Reisen durch die Welt.

Geschichts-Wissen zahlte sich bei Staatsbürgerschafts-Test aus

Genau dieses geschichtliche Faktenwissen half ihm auch, als er die kanadische Staatsbürgerschaft erwerben wollte. Vor einem Richter musste er sein Wissen über das Land unter Beweis stellen.

Heute ist Hirnschall österreichisch-kanadischer Doppelstaatsbürger und kennt als solcher tatsächlich zwei Arten von Heimweh: „Im Frühjahr sehne ich mich nach Kanada, und im Herbst, wenn die Gänse wegfliegen, ist es Zeit, wieder ins Waldviertel zu kommen“, spricht der „Canadian Joe“ über das Gefühl, zwei Heimatländer zu haben.

„Canadian Joe“ live. Stammgast ist Joe Hirnschall mit seinen Vorträgen auch im TAM – das nächste Mal am 15. März um 17 Uhr.