Erstellt am 17. September 2014, 10:18

von Monika Freisel

Konzert mit stimmlicher Vielfalt. Wiener Kammerchor gastierte in Stadtpfarrkirche, Arnold Schönbergs "Friede auf Erden" bildete Höhepunkt.

Der Wiener Kammerchor: Dirigent Michael Grohotolsky, Emily Cheung, Judith Ertl, Judith Greilberger, Theresa Hemedinger, Birgit Jung, Carina Kellner, Veronika König, Roswitha Micko, Anngrit Pichler, Barbara Schandl, Marion Barninger, Maria Valencia Cuberos, Julia Bayer, Ulrike Fehringer, Keiko Hasegawa, Evelin Kletzer, Maria Luger, Verena Osanna, Sigrid Raab, Margot Riess, Gerhard Eidher, Gerhard Hengst, Bernd Hemedinger, Stephan Jung, Herbert Koller, Laurentius Rainer, Christian Schlatte, Martin Völkerer, Sascha Sopper, Elmar Englerth, Tobias Greilberger, Reinhard Hnat, Stefan Kupsa, Ralph Löwy, Christoph Leitl, Robert Maier und Ernst Spitaler mit der Altsaxophonistin Viola Jank.  |  NOEN, Monika Freisel

Der Wiener Kammerchor unter der Leitung von Michael Grohotolsky war am Donnerstag vergangener Woche im Rahmen des Allegro Vivo Kammermusik Festivals in der Stadtpfarrkirche zu Gast. Unter dem Titel „Vox - Lux - Pax“ (für alle Nichtlateiner: „Stimme - Licht - Frieden“) präsentierte das Ensemble Werke vor allem zeitgenössischer Komponisten.

Zum Auftakt erklang Felix Mendelssohn-Bartholdys „Herr, nun lässest du deinen Diener“, das im Pianissimo begann, sich zum Forte steigerte und wieder ins Pianissimo zurück kehrte. Die wunderbaren Sopranstimmen wurden getragen von Alt, Tenor und Bass.

Drei Stücke aus „Missa deus est caritas“ von Manfred Länger folgten. Im Kyrie wuchsen Sopranstimmen aus zarten Anfängen zum Fortissimo-Höhepunkt, Männerstimmen mimten den lang anhaltenden Klang eines Gongs. Das Gloria erklang jubelnd, strahlend, dann sanft-flehend. Im Credo vereinigten sich die Stimmen des Chors mit den Klängen des von der jungen Viola Jank gespielten Altsaxophons, das die Leitmelodie hielt. Stimmen und Instrument bildeten eine transzendente Klangwolke, deren Dynamik sich wellenartig steigerte.

In „Ave, maris stella“ erzeugten beschwörende Obertonklänge eine mystische Stimmung, gleich dem Gesang buddhistischer Mönche, und vermittelten den Eindruck einer sanften Brandung, die anschwellend in höhere Gischt überging, bis mächtige Wellen gegen schroffe Felsen schlugen.

„When David heard“ von Eric Whitacre gab das Wehklagen Davids über den gewaltsamen Tod seines Sohnes Absalon wieder. Ein intensives, emotional berührendes Stück, mit Stellen schreiender Verzweiflung, stiller Hoffnungslosigkeit, aufbäumender Seelenpein, tiefer Erschütterung und schließlich erschöpfter Resignation.

In „Stars“ von Eriks Esenvalds brachten die Sänger wassergefüllte Weingläser mit ihren Finger zum Klingen und erzeugten in Verbindung mit ihren Stimmen wunderbar harmonische Sphärenklänge, die nicht von dieser Welt zu sein schienen. Auch eine tibetische Klangschale wurde verwendet.

Arnold Schönbergs „Friede auf Erden“ bildete den Höhepunkt des Konzerts. Dissonanzen folgten auf Konsonanzen, polyphone auf homophone Passagen, Wechsel im Tempo und in der Dynamik kennzeichneten das eindringliche Flehen um Frieden, im Fortissimo erschallten die Rufe zu Gott.

Nach ebenso begeistertem wie stürmischem Applaus folgte die Zugabe „Christus factus est“, mit der sich der grandiose, selbst die anspruchvollsten Stücken souverän meisternde Wiener Kammerchor von den Besuchern verabschiedete.