Schaufel und Hut als Andenken

Offizielle Verabschiedung von Hermann Scharf als Amtsleiter von Waidhofen-Land. Ehrung ausgeschiedener Mandatare und verdienter Bürger.

Michael Schwab
Michael Schwab Erstellt am 23. September 2021 | 06:28
Waidhofen-Land - Schaufel und Hut als Andenken
Vizebürgermeister Dietmar Datler (links), Bürgermeister Christian Drucker (2.v.r) und Bezirkshauptfrau Daniela Obleser (rechts) mit den Geehrten: Roman Danzinger, Franz Altschach, Herbert Diesner, Christian Panagl, Erich Vogler und Martin Danzinger.
Foto: Michael Schwab

Eineinhalb Jahre später als geplant ging die Festsitzung zur Ehrung ausgeschiedener Mandatare und verdienter Bürger der Gemeinde Waidhofen-Land über die Bühne.

Geplant wäre die Feier im Frühjahr 2020 gewesen, doch Corona machte leider einen Strich durch die Rechnung. Dadurch musste auch die offizielle Verabschiedung von Hermann Scharf als Amtsleiter nach 45 Dienstjahren noch eine ganze Weile warten.

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Andenken aus dem Amtshaus

Dafür war die Stimmung am vergangenen Donnerstagabend im Feuerwehrhaus Edelprinz- Wiederfeld umso besser, als es galt, die zu Ehrenden vor den Vorhang zu holen und dem ehemaligen Amtsleiter – im örtlichen Sprachgebrauch mangels Stadtstatus gerne als „Landamtsdirektor“ bezeichnet – gebührend in den Ruhestand zu ver abschieden.

Dabei zeigte man sich durchaus kreativ und sammelte heimlich im Amtshaus Andenken an Scharfs Amtszeit, darunter das erste von ihm mit dem Eingangsstempel versehene Bundesgesetzblatt aus dem Jahr 1975, seine alte Schreibmaschine, seinen aus dem Jahr 1982 stammenden Bürosessel, diverse Vordrucke und Rechnungsblöcke, alte Protokollbücher und alte Speichermedien sowie Stempel, um sie Scharf anlässlich der Festsitzung zu überreichen. Damit könne er nun zu Hause einen Schreibtisch als „Außenstelle“ der Gemeinde einrichten, richtete ihm Drucker aus.

Ein ganz besonderes Utensil, das ebenfalls „ausgegraben“ wurde, war die Schneeschaufel, mit der Hermann Scharf morgens eigenhändig den Gehsteig vor dem Gemeindeamt freischaufelte, samt dem Hut, den er dabei trug.

Hermann Scharf erinnerte in seinen Dankesworten an die Anfänge der Gemeinde Waidhofen-Land, die nach der Verwaltungsreform 1970 im Jahr 1971 gegründet wurde. Damals habe man der Landgemeinde kein langes Leben prognostiziert – eine Annahme, die in den folgenden 50 Jahren mehr als widerlegt wurde.

Einvernehmen statt Streit als Erfolgsfaktor

„Wir sind eine kleine Gemeinde, wo das gegenseitige Einvernehmen im Vordergrund steht und nicht der Streit. Das ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor und wichtig für das Gemeinde-Wohlbefinden“, hob Bürgermeister Christian Drucker hervor. Damit diese Arbeit im Sinne der Bürger stattfinden kann, braucht es Funktionäre, die sich dafür einsetzen. Daher holte Drucker all jene Mandatare, die dies in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten getan hatten, vor den Vorhang.

Bezirkshauptfrau Daniela Obleser bestätigte das positive Bild, das sich ihr bei den Besuchen aller 15 Gemeinden des Bezirks in den vergangenen Wochen präsentiert habe: „Ich habe überall engagierte Gemeindevertreter kennengelernt, die Projekte vorantreiben, um die Lebensqualität zu verbessern. Kanal, Wasserversorgung und Straßen werden heute als selbstverständlich vorausgesetzt. Hinter diesen Erfolgsgeschichten stehen Menschen, die Ziele nicht nur verbalisiert, sondern realisiert haben“, betonte Obleser. Es brauche Personen, die bereit seien, etwas für die Allgemeinheit zu leisten, und die auch keine Angst haben, einmal Fehler zu machen.

Dechant Josef Rennhofer merkte an, man müsse Visionen haben, um etwas für die Öffentlichkeit zu tun. Mit Scharfs Pensionierung war er übrigens nicht ganz einverstanden: „Du hast doch noch so viel Elan!“