Waidhofen an der Thaya

Erstellt am 22. September 2017, 05:11

von Monika Freisel

Meditative Stimmung beim Allegro-Vivo-Konzert. Wiener Kammerchor und Organist Michael Grohotolsky brachten moderne Musik in die Stadtpfarrkirche.

Wolfgang Kogert an der Orgel und der Wiener Kammerchor brachten Werke von Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts.  |  Monika Freisel

Neue Musik im barocken Ambiente - wie trefflich sich das vereinbaren lässt, konnten die Besucher des Allegro-Vivo-Konzerts „Rejoice“ am 13. September erleben. Der Wiener Kammerchor unter der Leitung von Michael Grohotolsky und der Organist Wolfgang Kogert brachten Musik von Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts in der Stadtpfarrkirche zur Aufführung.

Mit Wolfgang Suppans Komposition „Influx“ eröffnete Wolfgang Kogert an der Casparides-Orgel den Abend. Die Musik schuf eine meditative, fast mystische Stimmung.

Einzigartige, spirituelle Atmosphäre

Benjamin Brittens Kantate „Rejoice in the Lamb“ für vier Solisten, Chor und Orgel hat die Anbetung Gottes durch alle Wesen zum Thema. Theresa Hemedingers Sopran, Bernd Hemedingers Tenor, die Altstimme von Margot Riess und Ernst Spitalers Bass erzeugten in den Solopartien wie auch gemeinsam mit Chor und Orgel eine einzigartige, spirituelle Atmosphäre.

Wolfgang Kogert spielte anschließend drei der Neun Inventionen für Orgel von Friedrich Cerha. Die Invention Nummer 1 ist ein packendes Wechselspiel von Konsonanzen und Dissonanzen, wobei letztere überwiegen. In der Invention Nummer 4 fühlte man sich in einen Wald versetzt, meint, unterschiedliche Rufe von Vögeln zu vernehmen, die ihre Artgenossen vor möglichen Gefahren warnen. Die Nummer 9 läßt die Interpretation eines spielerischen Kampfes zu, der allmählich in Ernst umschlägt und doch versöhnlich endet.

Sänger kamen mit Lichtern in Altarraum

Danach wurde es völlig dunkel im Kirchenraum, auf der Empore begann der Chor zu singen. Wolfram Buchenbergs „Klangfelder-Raumschwingungen-Oszillationen“ klangen anfangs ruhig, harmonisch, fast wie ein Schlummerlied, doch es waren keine Worte, die man hörte, nur Silben, eine Fantasiesprache.

Die Sänger begaben sich, gedämpfte Lichter tragend, in den Altarraum, wo die Lautstärke des Gesangs allmählich anwuchs und gewaltige Dimensionen erreichte.

In Michael Ostrzygas Werk „Iuppiter“ variierte der Kammerchor auf hymnische Weise die drei Silben des Namens des Göttervaters Jupiter in Klanginstallationen mit mannigfaltigen Tonfarben.

Zum Abschluss James McMillans „Identify“

Das darauffolgende „Rondo“ hatte Christoph Herndler 2017 im Auftrag Kogerts geschrieben, der sich ein Orgelstück für seine Hochzeit gewünscht hatte. Kogert spielte nun in der Waidhofner Kirche diese Musik, in der auf entspannte, harmonische Passagen anregende, ermunternde Sequenzen folgten.

Den Abschluss des Konzerts bildete James McMillans „Identify“ aus den Cantos Sagrados für Chor und Orgel. Zuerst gewaltige Dynamik und stürmisches Tempo, dann plötzlich ein Pianissimo, wie aus dem Jenseits kommend.

Wolfgang Kogerts Spiel an der Königin der Instrumente war hinreißend, virtuos, meisterlich. Der Wiener Kammerchor, von Michael Grohotolsky souverän geführt, bewältigte die Kompositionen empathisch und mit Akkuratesse. Das Publikum in der voll besetzten Kirche dankte mit enthusiastischem Applaus.