Aufregung um „Schandfleck“ im Ort. Abriss-Areal in Bahnhofstraße sorgt für Unmut bei FPÖ- Gemeinderat Gottfried Dolezal. Bürgermeister Altschach: „Können Besitzer nicht zwingen.“

Von Michael Schwab. Erstellt am 05. Februar 2020 (04:21)
Gottfried Dolezal ärgert sich über dieses Abriss-Areal in der Bahnhofstraße.
Michael Schwab

Vor über zwei Jahren, im Oktober 2017, wurde der heruntergekommene und verfallene Gebäudekomplex Bahnhofstraße 2 zur Erleichterung vieler in der Stadt endlich abgerissen.

Davor hatte das Gebäude die Stadtgemeinde Waidhofen zehn Jahre lang in einem langwierigen Verfahren beschäftigt, ehe sich der Besitzer – vor die Wahl zwischen Sanierung und Abriss gestellt – zum Abriss entschloss. Seitdem ist jedoch auf dem Areal nicht mehr viel geschehen. Wie FPÖ-Gemeinderat Gottfried Dolezal in seinem Leserbrief (siehe unten) ausführt und wie sich auch beim NÖN-Lokalaugenschein bestätigte, erobert mittlerweile die Natur das Gelände zurück.

Die Natur holt sich das Areal allmählich wieder zurück.
NOEN

Eine Absperrung, welche Kinder oder neugierige Leute am Betreten des Areals hindern würde, sucht man vergeblich. Dolezal warnt vor herabfallendem Mauerwerk oder einem eventuell vorhandenen, möglicherweise einsturzgefährdeten Keller – Gefahren, deren sich Menschen, die das Grundstück mangels Absperrung betreten, nicht bewusst sein könnten.

Er fordert daher einerseits eine Revitalisierungsprämie statt einer Abrissprämie und andererseits auch, dass die Stadt versucht, mit dem Besitzer eine Verbesserung der Situation am Areal in der Bahnhofstraße herbeizuführen.

„Alles vorgeschrieben, was Bauordnung fordert“

Bürgermeister Robert Altschach (ÖVP) verweist darauf, dass es sich um ein laufendes Bauvorhaben handle und er daher keine Detailauskünfte erteilen könne. „Wir haben dem Eigentümer alles, was die Bauordnung vorgibt, vorgeschrieben, und das wurde auch umgesetzt. Alles darüber hinaus beruht auf der Freiwilligkeit des Besitzers“, stellt Altschach klar.

Man könne einem Privaten keine Vorschriften machen, ob er ein Haus renovieren oder abreißen solle, genausowenig wie man ihn zum Verkauf an die Gemeinde zwingen könne. „Ein Verkauf an uns war nie eine Option, es gibt auch jetzt kein Verkaufsangebot an die Gemeinde. Ob der Besitzer andere Interessenten hat, kann ich nicht sagen, ich kann mir aber vorstellen, dass sich die eine oder andere Siedlungsgenossenschaft für das Grundstück interessieren könnte“, sagt Altschach.

Abrissprämie soll Kosten-Hürde für Entsorgungsgutachten senken

Eine Prämie für Fassadenrenovierungen und Geschäfts-Revitalisierungen in der Innenstadt gäbe es bereits seit zwei Jahren. Die Abrissprämie, die Altschach im Wahlkampf vorschlug, sei vor allem auch zur Deckung der Kosten des nötigen Gutachtens, ob Problemstoffe anfallen würden, gedacht: „Das kostet zwischen 1.500 und 4.000 Euro, und wenn jemand mit dem Gedanken eines Abrisses spielt, kann das schon eine Hürde sein.“ Denn erst mit dem Gutachten in der Hand kann man abschätzen, was der Abriss und die Entsorgung des Schutts wirklich kosten werden. „Wir werden sehen, ob die Idee im Gemeinderat eine Mehrheit findet“, sieht Altschach die Sache entspannt und verweist darauf, dass es in Horn bereits eine solche Abrissprämie gibt.

IG für Revitalisierungsprämie, aber nur mit Konzept

Martin Litschauer (IG Waidhofen) sieht den Vorschlag einer Revitalisierungsprämie positiv. Bevor man aber Förderungen nach dem Gießkannenprinzip verteile, brauche man ein Konzept für die Innenstadtentwicklung, das möglichst durch professionelle externe Beratung erstellt werden sollte.

„Erst wenn wir wissen, wo wir stadtentwicklungstechnisch hinwollen, macht es Sinn, Förderungen zu beschließen, welche die Erreichung dieses Ziels unterstützen“ stellt Litschauer klar und warnt vor unüberlegten Schnellschüssen.

Das Problem bei Fällen wie dem Areal in der Bahnhofstraße sei, dass man als Stadtgemeinde hier nur bedingt eingreifen könne. „Wenn der Besitzer nicht verkaufen will, kann man nichts machen“, ist sich Litschauer im klaren.

SPÖ muss erst im Gremium beraten

Die SPÖ muss sich zur Abriss- oder Sanierungsprämien-Thematik erst beraten. „Wir werden im Gremium entscheiden, wie wir zu diesem Thema stehen“, sagt Spitzenkandidat Patrik Neuwirth gegenüber der NÖN.

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