Ehrenamt im Sport: „Oft fehlt der Respekt“

Erstellt am 05. Juli 2022 | 20:09
Lesezeit: 4 Min
Andreas Hanisch
Andreas Hanisch ist Obmann des Fußball-Landesligisten SV Waidhofen.
Bereits in seiner aktiven Zeit als Torhüter werkte er als Funktionär mit.
Foto: Bernd Dangl
Einen Verein am Laufen zu halten, ist nicht leicht. Das wissen auch die ehrenamtlichen Funktionäre im Bezirk Waidhofen/Thaya.
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„Im Grunde genommen ist es im Amateur-Fußball nicht anders als im Profi-Bereich“, sagt einer, der es wissen muss: An dreas Zinkel, Geschäftsführer beim 2. Liga-Klub Horn, war selbst jahrelang Funktionär im Unterhaus. Beim USV Nappersdorf war er als Obmann tätig. „Du musst die Leute bei der Stange halten, und das ist gar nicht so einfach. Machst du ein Fest, brauchst du 30 oder mehr Helfer – und dann können sich einige noch anpöbeln lassen, weil das Essen nicht warm genug ist. Es ist schwer.“

Zinkel spricht an, was im Unterhaus gang und gäbe ist: Oftmals bleiben heute die freiwilligen Helfer aus. Waidhofen-Obmann Andreas Hanisch sieht im städtischen Bereich einen Nachteil gegenüber den kleineren Gemeinden: „Oftmals ist hier der Zusammenhalt größer, finden sich mehr Menschen in den Vereinen wieder.“ Generell werde es immer schwieriger, ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden. Von Führungskräften ganz zu schweigen: „Die Entscheidungen laufen bei uns bei vier Leuten zusammen, die den Verein tragen“, sagt Hanisch.

Auch wegen der gerade laufenden Transferzeit macht der Funktionärsjob nicht immer Lust: „Oft fehlt von gewissen Personen der Respekt für die Tätigkeiten, die Funktionäre für einen Verein leisten“, so Hanisch. Das käme oft bei Gesprächen mit jungen Spielern oder deren Eltern zum Vorschein. „Man muss sich auch einmal vor Augen halten, dass es nur aufgrund von privaten Gönnern Landesliga-Fußball in Waidhofen geben kann.“

Mit der aktuellen Teuerungswelle käme eine extreme finanzielle Belastung auf sämtliche Vereine zu. „Wir haben ja nicht nur Kosten, wenn ein Spiel ist, sondern haben eine Sportanlage mit zwei Häusern zu erhalten“, sagt Hanisch. Generell werde es immer schwieriger, Menschen an den Verein zu binden und sie zu einer Mitarbeit zu motivieren.

„Wir haben schon einige Leute, die sich viel beim Verein einbringen. Schwieriger ist es bei uns derzeit, dass wir zum Beispiel genug Leute für die Reserve zusammen- bekommen.“ richard zarycka Multi-Funktionär USV Raabs

Das weiß auch Richard Zarycka, Multi-Funktionär beim USV Raabs. Seit mehr als einem Jahr ist Zarycka nun Obmann und Sportlicher Leiter in Personalunion. „Wir haben schon einige Leute, die sich viel beim Verein einbringen. Schwieriger ist es bei uns derzeit, dass wir zum Beispiel genug Leute für die Reserve zusammenbekommen. Oft sagen Spieler unter fadenscheinigen Ausreden im letzten Augenblick ab.“

Bevor Zarycka den Obmann-Posten übernahm, hatte diesen Martin Nagl 25 Jahre lang inne. Er war damit der am längsten dienende Obmann des gesamten Waldviertels. Bei seinem Abschied sagte er gegenüber der NÖN: „Es ist die Basis für eine neue Generation gelegt. Wir haben in den vergangenen Jahren den Vorstand stark verjüngt.“

Top aufgestellt bezüglich „Ehrenamt“ sind die Volleyballer der URW Waldviertel. „An die 35 Personen sind immer dabei, wenn wir sie brauchen“, kann Manager Werner Hahn auf ein erprobtes Stammpersonal zurückgreifen. „Bei uns werken alle ehren amtlich.“ Das Erfolgsgeheimnis? „Man muss den Menschen die Begeisterung vorleben – und man muss jeden richtig ein setzen. Es bringt ja nichts, wenn jemand etwas macht, bei dem er keine Freude hat. Jeder Helfer ist wichtig, für jeden braucht es ein offenes Ohr vom Verein.“ Dass das auch oft zeitraubend ist, weiß Hahn. Der Erfolg – zuletzt wurde erstmals in der Vereinsgeschichte der österreichische Meistertitel eingefahren – spreche bei den „Nordmännern“ aber für sich.

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