Fasten: Zeit von Umkehr und Neuwerden. Kirchenvertreter rufen zum freiwilligen Verzicht auf. Ein Aspekt des Fastens ist das Teilen.

Von Martina Hofer. Erstellt am 26. Februar 2020 (02:35)
Fastengruppe beim kargen Mahl in Pernegg. Das Kloster im Bezirk Horn war eine der ersten Einrichtungen, die auf den Fastentrend aufgesprungen sind.
Rita Newman

Viele ausgewiesene Fachleute wissen um die heilsame und segensreiche Wirkung des Fastens, nicht nur bei ernährungsbedingten, sondern auch bei lebensbedingten Krankheiten. Nahrungsverzicht sei ein Verlassen der gewohnten Geleise und fördert die Eigeninitiative zu bewusstem Leben.

Nicht nur der Organismus entledige sich beim Fasten aller überflüssigen und krankmachenden Stoffe, auch die Seele werfe Ballast ab. Sehr oft würden in der Fastenzeit wichtige Entscheidungen in persönlichen Angelegenheiten getroffen, die schon lange aufgeschoben oder verdrängt wurden.

Dechant Josef Rennhofer erklärt, dass es aus christlich-religiöser Hinsicht beim Fasten nicht um die Schönheit geht, sondern viel eher darum, wieder in ein gutes Verhältnis mit seinen Mitmenschen zu kommen: „Fasten ist bewusster Verzicht. Man verzichtet auch auf negative Gedanken, sucht bewusst etwas Gutes – schränkt zum Beispiel den Medienkonsum ein.“

Gerade in unserer heutigen, mit Reizen überfluteten Zeit sei es wichtig, der Seele und dem Geist auch einmal eine Pause zu gönnen und in Abgeschiedenheit die Gedanken zu klären, um einen neuen Weg zu finden. „Manchmal genügen schon kleine Pausen über den Tag verteilt, aber auch tageweise Abstinenz von digitaler Kommunikation. Das stärkt reale soziale Beziehung mit Familie, Freunden und Kollegen und fördert die Regeneration und den Frieden“, ist Rennhofer überzeugt.

Fasten ist ein fester Bestandteil von Religion

Stadtpfarrer Josef Pichler, der 14 Jahre in Afrika gelebt hat, findet es sehr wichtig auch einmal ganz bewusst innezuhalten und sich dem Überfluss bewusst zu werden. Die Fastenzeit hat für ihn auch sehr viel mit Teilen zu tun: „Fasten ist ein fester Bestandteil aller Religionen. Der Gläubige soll sich durch das Fasten wieder mehr auf seinen Glauben konzentrieren und Gott näherkommen. „Alle großen Religionsstifter haben eine Phase des Verzichts erfahren und auch heute noch gibt es in allen großen Weltreligionen Fastenzeiten“, sagt er.