Führerscheinausbildung: Kein Lernen aus der Ferne?. Der Theorieunterricht per Distance Learning bietet Vorteile. Der rechtliche Graubereich ist Fahrschülern aus dem Bezirk jedoch zum Verhängnis geworden.

Von Michael Bouda und Karin Widhalm. Erstellt am 24. Juni 2020 (04:22)
Wolfgang Wagner leitet die Fahrschule „Easy Drivers“ in Waidhofen, in der auch Paula Zlabinger Schülerin war.
Easy Drivers

Sechs Abende daheim vorm Laptop: Man hat die Gegenverkehrsregel und mehr gelernt – und dann war alles umsonst. 25 Fahrschülern erging es so im Bezirk, betroffen ist auch Ybbs. Sie hatten den „Easy Drivers“- Kurs in Waidhofen gebucht, dann kam Corona dazwischen.

Die Fahrschule fand die Lösung: Distance Learning. Zumindest vermeintlich, denn der digitale Fernunterricht ist umstritten. Die Methode wird vonseiten des Fachverbandes abgelehnt, ausdrücklich erlaubt ist sie in den gesetzlichen Grundlagen nicht. Die Fahrschüler mussten als Vorsichtsmaßnahme den Stoff im Präsenzunterricht nachholen, damit es nicht zu rechtlichen Komplikationen bei der Bescheiderteilung der Behörden kommt.

Sehr zum Unmut von Werner Fichtinger: „Das, was derzeit für Schüler aller Schulstufen möglich ist, das muss für Fahrschüler erst recht machbar sein“, sagt der „Easy Drivers“-Geschäftsführer. Paula Zlabinger aus dem Bezirk Waidhofen hat die Theorie per Distance Learning erlernt: „Es war intensiv, hat aber sehr gut geklappt.“ Ein Vorteil sei, dass Teilnehmer nicht zum Kursort fahren müssen.

Die Kurse sind interaktiv als Live-Übertragung gestaltet: Die Schüler können jederzeit Fragen stellen; kontrolliert wird, ob der Lehrinhalt verstanden wird. „Easy Drivers“ will die rechtliche Ungewissheit ausräumen und hat den Verfassungsexperten Heinz Mayer sowie den Bildungswissenschafter Christian Swertz mit Gutachten beauftragt.

Mayers Einschätzung: Es gebe keine rechtliche Grundlage, die Distance Learning im Theorieunterricht verbieten würde. Swertz hebt hervor, dass Inhalte „ohne Einschränkung“ online vermittelt werden könnten. Die Fahrschule fordert darauf basierend die Behörden mit einem Feststellungsantrag auf, die Rechtmäßigkeit diese Lehrmethode für die Zukunft zu bestätigen. „Es geht uns um die Kunden“, hofft Fichtinger, ein Ybbser, auf eine baldige Lösung.