Gesprächsrunde: Eiserner Vorhang als prägende Erinnerung

Erstellt am 30. Juni 2022 | 04:09
Lesezeit: 3 Min
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Moderator Reinhard Linke mit Landeshauptmann a. D. Erwin Pröll und dem Historiker Stefan Karner.
Foto: Schwab
Erwin Pröll und der Historiker Stefan Karner sprachen im Stadtsaal über historische Ereignisse, die ihr Leben prägten.
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Der Fall des Eisernen Vorhangs und die Landesausstellung 2009 in Raabs waren Momente, die dem ehemaligen Landeshauptmann Erwin Pröll gerade auch im Bezug zum Waldviertel in Erinnerung geblieben sind.

Dies machte Pröll bei einer Diskussionsrunde mit dem Historiker Stefan Karner, Gründer des Ludwig Boltzmann-Instituts, die vom ORF-Journalisten Reinhard Linke moderiert wurde, am Samstagabend im Waidhofner Stadtsaal deutlich.

Die Gesprächsrunde stand unter dem Titel „100 Jahre NÖ - Eine Reise durch Zeit und Land“. Themen waren sowohl die Anfänge Niederösterreichs als eigenes Bundesland nach der Trennung von Wien 1922, die Entwicklung vom Agrar- zum Industrie-, Kultur-, Technologie- und Tourismusland als auch persönliche Erinnerungen an historisch markante Ereignisse.

Prölls frühe Lebenserfahrungen sind geprägt von der russischen Besatzung, dem unüberwindbaren Eisernen Vorhang und dem Fehlen von Hochschulen und Hochkultur am Land. Punkte, die er später zum Anlass nahm, seinen Zukunftsplan für das Land NÖ zu entwickeln.

Als der Eiserne Vorhang fiel, war Pröll als Landeshauptmann-Stellvertreter an der tschechischen Grenze und nahm ein Mädchen in Empfang, das mit seiner Mutter als erste die offene Grenze überquerte. Bei der Landesausstellung 2009 war eben diese Familie bei einer Ehrung anwesend – und der Landeshauptmann erkannte sie.

Karners frühes Leben verlief ähnlich wie jenes von Pröll. Als eines von sieben Kindern wuchs er in Kärnten auf, musste ins Internat bzw. pendeln, weil es vor Ort kein Gymnasium gab. Markante historische Ereignisse waren für ihn die Ermordung John F. Kennedys (1963), der Kärntner Ortstafelkrieg (1972) und sein erster Zutritt ins russische Archiv nach dem Fall des Eisernen Vorhangs – ein Vorhaben, das fast am Generaldirektor des Archivs gescheitert wäre und nur durch einen mitternächtlichen Anruf bei Alois Mock beseitigt werden konnte.

Neben der Vergangenheit wurde auch ein Blick auf die aktuelle politische Situation in Österreich geworfen. In der Politik muss wieder ein respektvoller Umgangston einkehren, forderte Pröll: „Sonst gibt es kein Miteinander, sondern nur gegenseitigen Hass“. Und wo der hinführen kann, hat man leider in den vergangenen 100 Jahren deutlich gesehen.

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