Haubenkoch mit „Auszeit“ im Stadthotel

Klaus Hölzl kehrt 15 Monate nach „Auszeit“-Aus in Gastern wieder richtig an den Herd zurück – mit einer „Bistronomie“ in Waidhofen/Thaya.

Erstellt am 17. Februar 2021 | 05:12
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Jürgen Schuster und Klaus Hölzl freuen sich auf die Zusammenarbeit im Waidhofner Stadthotel.
Foto: Michael Schwab

Was hat Klaus Hölzl in Waidhofen vor? Als der Haubenkoch über Facebook Mitarbeiter für Küche und Service zu suchen begann, brodelte die Gerüchteküche in der Stadt. Eröffnet Hölzl ein neues Lokal? Übernimmt er den seit September pächterlosen Stadtsaal und die Sporthalle?

Jetzt ist es fix: Klaus Hölzls „Auszeit“ kehrt zurück, und zwar im Stadthotel. Zur Erinnerung: Unter diesem Namen betrieb Hölzl bis Ende 2019 ein Lokal in Gastern, ehe er zum Lehrer an der Höheren Bundeslehranstalt für Tourismus in Retz umsattelte und als Event-, Miet- und Privatkoch nebenbei weiter seiner Koch-Leidenschaft treu blieb. Mit der Übernahme des operativen Geschäfts im Stadthotel durch den Immobilienmakler Jürgen Schuster, der bereits das Schloss Staré Hobzi in Tschechien betreibt und den Dobersberger Hof besitzt, ergab sich für Hözl die Chance zum Comeback.

„Die Schule ist ein super Job, aber ich brenne für die Gastronomie. Mir fehlte die Bühne.“ Klaus Hölzl über seine Entscheidung, die Verantwortung für die Gastronomie im Stadthotel zu übernehmen.

„Wir kennen uns seit drei Jahren, ich habe Hölzl eingeladen, bei bestimmten Events im Schloss zu kochen und den Dobersberger Hof zu übernehmen“, sagt Schuster. Der Dobersberger Hof habe Hölzl aber nicht so zugesagt, dafür habe er das Angebot im Schloss angenommen. Und weil Schuster im Stadthotel, wo es bisher „nur“ ein Frühstück gab, ein Restaurantangebot haben will, lag es nahe, sich an Hölzl zu wenden. „Einen Beherbergungsbetrieb mit Frühstück zu führen, traue ich mir zu, aber mit der Gastronomie kenne ich mich nicht gut genug aus. Da brauche ich einen Fachmann“, stellt Schuster klar.

„Auszeit“ wird erwachsen. Hölzl konnte sich für das Projekt begeistern und sagte zu. „Meine Firma ‚Auszeit‘ wird erwachsen, sie wird zu einer GmbH, die für die komplette Gastronomie im Hotel verantwortlich sein wird. Im Frühling und Sommer wird die ‚Auszeit‘ in Form eines Pop-Ups als ‚Bistronomie‘ ihren Betrieb aufnehmen“, kündigt Hölzl an.

Mit dem Fortschreiten der nötigen Umbauarbeiten soll das Angebot dann erweitert werden. Dazu muss auch die Küche adaptiert werden, was bis zum Herbst oder Winter passieren soll.

Start im April. Als Starttermin ist der 1. April anvisiert, abhängig von den geltenden Covid-Regeln. Los gehen soll es mit einem täglichen Frühstück bis 11 Uhr, anschließend geht es mit der „Bistronomie“ weiter. „Mir schweben wechselnde Tagesgerichte in Richtung Bowls und Streetfood vor“, präzisiert Hölzl. Mit „Bistronomie“ ist ein Gastro-Trend gemeint, welcher die Bistro- und Feinschmeckerküche vereint.

Ergänzend zum Mittagessen soll auch an zwei bis drei Abenden pro Woche ein mehrgängiges Menü angeboten werden. „Unsere Gastronomie ist nicht nur für die Hotelgäste gedacht, sondern für die gesamte Bevölkerung“, betont Hölzl.

Hölzl unterrichtet weiterhin in Retz. Er wird weiter in Retz unterrichten. „Daher will ich ein fähiges Team zusammenstellen, damit der Betrieb auch dann funktioniert, wenn ich unterrichten muss. Die Schule ist ein super Job, aber ich brenne für die Gastronomie. Mir fehlte die Bühne“, begründet der Koch seine Entscheidung, doch wieder mehr Zeit für seine Leidenschaft aufzuwenden. Wichtig sei ihm, dass er sich nicht um die Bürokratie kümmern müsse, was ihn schon in Gastern gestört hatte.

Die Geschäftsführung des Hotels wird Schusters Frau Claudia übernehmen, der bisherige Geschäftsführer Eduard Halmschlager und der Haupteigentümer Gerhard Hufnagl bleiben als Partner ebenso im Boot wie die Managerin Evelyn Hufnagl. „Ich muss mich ja auch um mein Immobilienbüro kümmern, da macht es Sinn, wenn ich auf die Unterstützung erfahrener Leute zurückgreifen kann“, sagt Schuster. Er selbst werde sich vornehmlich um das Marketing kümmern.

Stadthotel, Dobersberger Hof und Staré Hobzi als Hotelverbund. Ideen hat er bereits einige: So werden das Stadthotel, der Dobersberger Hof und das Schloss Staré Hobzi unter dem Namen „Waldviertel Hotels“ vereint, samt einem Shuttleservice und einem Rad-Taxi zwischen den Standorten. „Dafür kaufen wir einen Bus und einen Anhänger für acht Räder“, will Schuster Radtouristen einen besonderen Service bieten. Weiters soll es absperrbare Radgaragen mit Lademöglichkeit beim Stadthotel geben, ebenso eine für Hotelgäste kostenlose Ladestation für Elektroautos. Auch E-Bikes zum Ausleihen soll es geben, sowohl hoteleigene als auch in Kooperation mit Intersport Ruby. Natürlich wird der Fokus nicht nur auf Radgästen liegen: „Wir wollen weiterhin auch auf Tagungen, Seminare und Wellness setzen, und wir werden auch Packages anbieten, etwa ein Galadinner im Schloss“, verspricht Schuster.

Heurigen-Feeling im Dobersberger Hof. Für den Dobersberger Hof, der in letzter Zeit „nur“ noch als Frühstückspension betrieben wurde, hat Schuster ebenfalls ein neues Konzept. Hier soll es in Richtung eines Heurigenbetriebs gehen, mit einem wöchentlichen Unterhaltungsprogramm mit dem Sänger Herbert Frei. Auf diese Weise soll auch dort wieder mehr Leben einkehren. „Wir wollen hier ab dem Frühjahr wieder durchstarten“, kündigt Schuster an.