Kinderbetreuung hängt derzeit in der Luft. Volksschulverband hat für den Sommer mit den Bürgermeistern noch nichts fixiert. Eine betroffene Mutter kritisiert die Lokalpolitik scharf.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 20. Mai 2020 (03:07)
Ein Blick ins Jahr 2019: Die Ferienbetreuung in der Volksschule Waidhofen suchten die beiden Bürgermeister Christian Drucker (2.v.l.) und Robert Altschach (r.) aus den Gemeinden Waidhofen-Land und Waidhofen-Stadt auf.
NÖN-Archiv

Berufstätige Mütter (und Väter) waren in den ersten Corona-Wochen mit Job, Kinderbetreuung und Unterricht sehr gefordert – und Sorgenfalten tauchen bei Natascha Weinstabl aus Vestenpoppen auf, wenn sie an die Sommerferien denkt.

Hilfswerk kann noch keine Auskunft geben

Dem Hilfswerk NÖ obliegt die Kinderbetreuung an Nachmittagen und in den Ferien an der Volksschule in Waidhofen. Die gemeinnützige Organisation habe mitgeteilt, „dass es noch immer keine Angaben punkto Ferienbetreuung im Sommer 2020 gibt und dass es aufgrund mangelnden Bedarfs im Bezirk schon gar keine Nachmittagsbetreuung in den Sommerferien geben wird“.

„Ist es eventuell noch immer zeitgemäß, Frauen keine Möglichkeit zu einer Vollzeit-Berufstätigkeit zu geben? Wohl kaum.“ Natascha Weinstabl

Das ist für Weinstabl „inakzeptabel“. Wann werde der Volksschulverband in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie den Sprung ins 21. Jahrhundert schaffen, fragt sie sich. „Oder ist es eventuell noch immer zeitgemäß, Frauen keine Möglichkeit zu einer Vollzeit-Berufstätigkeit zu geben? Wohl kaum.“

Erhebung durchgeführt, noch keine Entscheidung

Diether Schiefer: „Ich weiß noch nicht, ob’s durchgeführt wird oder nicht.“
privat

Eine Entscheidung ist tatsächlich noch nicht gefallen, eine Erhebung sei aber getätigt worden. Das berichtet Diether Schiefer, Obmann im Volksschulverband. Sehr wenige Anmeldungen seien bisher für die Ferienbetreuung eingelangt. Drei Familien mit vier Kindern hätten Interesse für eine Nachmittagsbetreuung bekundet. „Ich weiß noch nicht, ob’s durchgeführt wird oder nicht“, erklärt er. Die endgültige Entscheidung obliege dem Bürgermeister.

Verband konstituiert sich erst

„Das ist noch offen und noch nicht geklärt“, sagt Christian Drucker, Gemeindechef in Waidhofen-Land. Er warte noch die Erhebungsdaten ab, die Zahl von vier Kindern sei ihm bisher nicht bekannt gewesen. Gültigkeit hatte bis jetzt, dass unter fünf Kindern keine Betreuung angeboten werde.

Eines kommt dazu: Der Volksschulverband hat sich nach der Gemeinderatswahl noch gar nicht konstituiert: Die alte Besetzung wird bei der Sitzung am 10. Juni abgelöst, berichtet Bürgermeister Robert Altschach (Waidhofen-Stadt).

Schiefer: Zeit reiche, Kosten nicht unerheblich

Schiefer sagt, dass noch Zeit bleibe, um eine etwaige Kinderbetreuung auf die Beine zu stellen. Er betont, dass er lediglich der Organisator sei – und dass das Angebot durchaus eine Kostenfrage sei: 8.500 Euro für die sechs Wochen an Personalkosten, ohne Essen. „Das wird dann auf die betroffenen Gemeinden Waidhofen-Stadt und Waidhofen-Land aufgeteilt.“ Die Eltern zahlen ebenso einen Beitrag.

Mangelnde Nachfrage „eine alte Leier“

Eine mangelnde Nachfrage stellt Weinstabl in Abrede: „Die Leier wurde mir schon in der Kindergartenzeit meiner Kinder im Kindergarten Waidhofen-Land vorgebetet, komisch aber nur, dass die Nachmittagsbetreuung, die es nach dem Abgang meiner Kinder gab, nun doch in Anspruch genommen wird.“ Das weist Bürgermeister Drucker als unwahr zurück.

Erste Phase: Gemeinsames Angebot zweier Gemeinden

Natascha Weinstabl: „Dieser Zustand ist einfach inakzeptabel für mich.“
privat

Die erste Nachmittagsbetreuung sei eine mit Waidhofen-Stadt gemeinsam organisierte gewesen, „nur nicht in unserem Haus, sondern im Kindergarten der Stadtgemeinde“. Der Bedarf sei später gestiegen, sodass man eine eigene Gruppe in Waidhofen-Land gegründet habe. Weinstabls Kinder sind tatsächlich in der Stadt betreut worden: Das stellt sie im Schreiben, das Schiefer und Drucker kennen, nicht in Abrede.

Weinstabl: Ausweitung um eine Stunde wäre ideal

„Es kann schon gut sein, dass nicht alle Mütter so konfliktbereit sind wie ich und sich nicht trauen, Dinge zu fordern, die legitim sind – aber es dann doch gerne in Anspruch nehmen, wenn es endlich angeboten wird“, ergänzt die betroffene Mutter.

Sie sei in einem Industrieunternehmen in Führungsposition tätig und arbeite bewusst nur 35 Stunden, weil sich dies mit dem bestehenden Betreuungsangebot und der Fahrzeit nicht vereinbaren lasse. Eine Ausweitung der Betreuungszeit von 17 auf 18 Stunden wäre ihr sehr recht.

„Bin der Letzte, der sich wehrt“

Sie hat ihr Schreiben nicht nur an die NÖN-Redaktion und den Volksschulverband geschickt, sondern auch an höhere Stellen. Das ärgert Drucker, dem das direkte Gespräch lieber gewesen wäre. „Ich hätte mir schon einen anderen Zugang gewünscht“, wolle er dies nicht über die Zeitung diskutieren.

Weinstabl ist mittlerweile vom Büro des Landesschulrates und von der Qualitätsbeauftragten für Waidhofens Volksschule kontaktiert worden. Sie verwiesen allerdings auf die Gemeinde und den Volksschulverband. Die betroffene Mutter bedankt sich aber, „dass man mein Anliegen Ernst nimmt“.

Drucker sagt trotz seines Ärgers: „Wir werden uns das anschauen und wenn eine Betreuung möglich ist, dann bin ich der Letzte, der sich dagegen wehrt.“