Mit Rückenwind in Richtung Osten

Erstellt am 23. Februar 2022 | 05:20
Lesezeit: 5 Min
Anna-Regina Mühlberger und Moses Gsellmann sind für ihr Filmprojekt rund zehn Monate unterwegs.
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Auf eine abenteuerliche Reise Richtung Osten begab sich Anna-Regina Mühlberger. Gemeinsam mit ihrem Partner Moses Gsellmann reist sie für ein Filmprojekt bis nach Kasachstan. Die gebürtige Waidhofnerin schildert im NÖN- Interview ihre Motivation für diese ungewöhnliche Reise.

NÖN: Was hat Sie veranlasst, nach dem Lehramt genau diese Richtung einzuschlagen?

Anna-Regina Mühlberger : Das Anliegen von uns beiden ist es schon lange, Filme zu machen, um so auf Themen, die uns am Herzen liegen, aufmerksam zu machen und gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen

Wie wurde die Idee geboren, gemeinsam auf diese doch abenteuerliche Reise zu gehen?

Mühlberger: Da es uns auch schon in vergangenen Reisen Richtung Osten gezogen hat und wir generell gerne in eher unentdeckte und vielleicht unterschätzte Gegenden reisen, stand für uns die Route schnell fest. Die aktuellen Unruhen in Kasachstan lassen unser schon lang festgelegtes Reiseziel ins Schwanken bringen. Das Projekt und vor allem das Drehkonzept wurden schon mehrere Jahre vor dem Start unserer Reise genaustens ausgearbeitet und geplant.

Hatten Sie Unterstützung bei der Vorbereitung?

Mühlberger: Wir haben tatkräftige Unterstützung aus der Ferne und vor allem danach in der Postproduktion von unserem Cutter, Enric Parcerisa, mit dem wir schon bei vorherigen Projekten zusammengearbeitet haben.

Welche Nachricht wollen Sie mit Ihrem Film den Zusehern vermitteln?

Mühlberger: Wir wollen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen, das Bewusstsein für mehr Zufriedenheit schärfen, Materielles in den Hintergrund stellen und Zuseher zum Nachdenken anregen. Dabei wollen wir so ressourcenschonend und nachhaltig wie möglich reisen und den Film produzieren. Wir träumen davon, die Welt so ein kleines Stück besser zu machen.

Sie sind im September des vorigen Jahres gestartet. Wie lange werden sie voraussichtlich noch unterwegs sein?

Mühlberger: Wir werden voraussichtlich im Juli 2022 wieder zurück nach Österreich kommen. Die Dreharbeiten sind dann abgeschlossen und wir konzentrieren uns auf die Postproduktion und Fertigstellung des Films.

Warum haben Sie sich für die gewählte Reiseroute entschieden?

Mühlberger: Das Bewusstsein auf das Reduzierte und der Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen ist uns ein besonderes Anliegen. Aktuell sind wir komplett autark unterwegs, versorgen uns über Solarstrom selbst und leben einen sehr reduzierten Lebensstil. Mit unserem 110 Liter Wassertank kommen wir bei sparsamen Umgang mehrere Wochen aus. Zusätzlich haben wir bereits Albanien, Georgien und Aserbaidschan gemeinsam in den vergangenen Jahren bereist und waren von diesen Ländern sehr fasziniert.

Gab es bisher irgendwelche Pannen oder Zwischenfälle oder war das Aufgeben des Projektes ein Thema?

Mühlberger: Für uns war es von Anfang an klar, dass wir das Projekt durchziehen wollen. Auch wenn es manchmal Tage bzw. Phasen gibt, wo wir die Kamera eher auf die Seite legen, um ein bisschen Abstand zu gewinnen und den Blick auf das Wesentliche nicht zu verlieren. Ein kleiner Dämpfer waren die Unruhen in Kasachstan, unser schon lang festgelegtes Reiseziel. Zum Glück gab es bisher keine Reifenpannen, wie in Albanien oder Georgien bei unseren Reisen zuvor.

Hatten Sie besonders nette Begegnungen oder Erlebnisse mit der Bevölkerung? Wie wurden Sie in den einzelnen Ländern aufgenommen?

Mühlberger: Eine besondere Begegnung, die uns sehr im Gedächtnis bleibt, ist unser erstes Porträt in Bosnien und Herzegowina. In Trebinje, wo wir anfangs nur für ein paar Tage dem Schlechtwetter entkommen wollten, haben wir ganz zufällig bei einem Spaziergang Dragan kennengelernt und in den darauffolgenden Tagen in seine Welt eintauchen dürfen.

Wir wurden bis jetzt in allen Ländern, in denen wir waren sehr herzlich aufgenommen. Kleine Gesten wie z.B. Obst geschenkt bekommen oder zum Kaffee eingeladen werden gehörten hier immer wieder dazu. In Griechenland haben wir auch frisch gepresstes Olivenöl aus eigener Produktion geschenkt bekommen.

Zusätzlich zu den Begegnungen mit den Einheimischen sind wir sehr über den Austausch, die spannenden Geschichten und die spürbare Weltoffenheit mit Reisebegegnungen sehr dankbar. Beispielsweise haben wir in Montenegro ein Schweizer Pärchen kennengelernt, mit denen wir später in Albanien und auch hier in Griechenland in Athen ein paar Tage verbrachten.

Sie verbringen im Bus mit Ihrem Partner doch viel Zeit auf sehr engem Raum. Wie schaffen Sie es, eventuelle Unstimmigkeiten zu überwinden? Oder fördert diese Art zu reisen den Zusammenhalt?

Mühlberger: Diese Art zu reisen fördert für uns persönlich auf jeden Fall den Zusammenhalt, auch wenn wir davor schon ein sehr eingespieltes Team waren. Eventuelle Unstimmigkeiten versuchen wir vorbeugend durch das Kommunizieren unserer Bedürfnisse zu umgehen. Wir wissen, dass uns Abwechslung gut tut und das probieren wir, in vielen Lebenssituationen umzusetzen und in unseren „Alltag“ einzubauen.

Wie haben Freunde und Familie auf Ihre Reisepläne reagiert?

Mühlberger: Von unseren Familien haben wir die vollste Unterstützung von Anfang an gehabt. Sie sind immer neugierig auf Berichte und Fotos, verfolgen unsere regelmäßigen Beiträge auf Facebook und Instagram bzw. unsere monatlichen WhatsApp-Lageberichte. Die Möglichkeit über das Internet zu telefonieren bzw. videotelefonieren zu können erleichtert vieles natürlich sehr.

„Rückenwind – Zeit für Zufriedenheit“ soll zwei grundlegende Aspekte vereinen: Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Ländern erzählen ihre Geschichte von Zufriedenheit. Neben den Geschichten stehen die Schönheit und die Natur der Länder, die teilweise unentdeckt und mit Vorurteilen behaftet sind, im Fokus. Städte, Natur, Tiere und Menschen sollen einen Eindruck der jeweiligen Umgebung schaffen.

Der Film soll 2023 in die Kinos kommen.

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