Opfer-Schweigen brachte Freispruch. Beschuldigter aus Waidhofen/Thaya leugnete, Opfer entschlug sich: Damit waren Richterin die Hände gebunden.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 15. September 2020 (13:47)
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Zu den Vorwürfen der Kremser Staatsanwaltschaft, er habe seine Ehefrau mit einem Kopfstoß zu Sturz gebracht, sich dann auf ihren Beckenbereich gesetzt, mit beiden Händen mit voller Wucht gegen ihren Brustkorb gedrückt und sie danach am Verlassen des Zimmers gehindert, gab ein 23-Jähriger aus Waidhofen/Thaya keine Erklärung ab: „Dazu sage ich nichts. Nur eines, wir sind jetzt wieder gut, und wir haben einen gemeinsamen Freund, einen Anwalt.“

Um den Vorwürfen der Körperverletzung und der Nötigung auf den Grund zu gehen, rief die Richterin das mutmaßliche Opfer in den Zeugenstand. Sie klärte die Waldviertlerin über ihre Rechte auf, unter anderem, dass eine Ehefrau nicht gegen ihren Gatten aussagen muss.

Nach dieser Information entschlug sich die mittlerweile geschiedene Waldviertlerin der Aussage, und sie schwieg zu den Vorfällen, die am 15. April dieses Jahres laut Anklage geschehen sind.

Das Schweigen habe ihr vielleicht beim Scheidungsverfahren Vorteile gebracht, wurden Mutmaßungen laut. Jedenfalls waren der Richterin die Hände gebunden, und sie musste einen Freispruch fällen.