Paul Richter: Herr der Traubenwäscher. Paul Richter kam vor 40 Jahren durch einen Nachbarn auf die fast vergessenen Tafelgeräte mit unklarer Funktion. Jetzt stellt er sie in der Waidhofner Galerie aus.

Von Michael Schwab. Erstellt am 02. April 2021 (04:36)

Eine Sammlung von etwa 100 Traubenwäschern, zusammengetragen von Paul Richter und seinem Schwager Hans Schak, wird in der neu etablierten Kunst.Buch.Bibliothek als Dauerausstellung zu sehen sein.

Bei Traubenwäschern handelt es sich um ein fast vergessenes Tafelgerät aus Glas und Metall. Bereits im 18. Jahrhundert gab es Tafelgeräte aus Porzellan und Steingut (Meißen), die als Traubenwäscher bezeichnet wurden. Traubenwäscher aus Glas tauchten Mitte des 19. Jahrhunderts auf und wurden von vielen namhaften Glasmanufakturen wie Loetz, Stölzle/Neunagelberg und Moser hergestellt. Die Traubenwäscher wurden in den nachfolgenden Stilepochen bis ca. 1960 produziert. Charakteristisch ist immer die stilisierte Form einer Traube in einem Metallgestell.

Doch wie kommt man auf die Idee, solche Stücke zu sammeln? Paul Richter kam durch einen Zufall zu diesen Kunstgegenständen: „Eines Tages kam mein Nachbar zu mir und sagte ‚Schau, was mir meine Großmutter vererbt hat!‘ und zeigte mir ein wunderschönes, in einem Metallgestell befindliches Glasgefäß. Mein Kommentar: ‚Eine schöne Blumenvase!‘ und seine entsetzte Antwort war: ‚Das ist ein Traubenwäscher‘.“

Das war vor 40 Jahren. Richters Interesse war geweckt, er begann, Traubenwäscher zu sammeln, da ihm einfach alles an diesen Dingen gefiel: „Das Handwerkliche, das Künstlerische, die Ästhetik. Andererseits sind diese Objekte völlig nutzlos, das heißt, man braucht sie eigentlich überhaupt nicht.“

Verwendungszweck unklar. Die Traubenwäscher spiegelten für Paul Richter eine Zeitepoche wider, in der die Gesellschaftsschicht, die diese Gefäße verwendete, ihre Wohlhabenheit und Besserstellung zeigen konnte, während sich andere Gesellschaftsschichten wesentlich schwerer taten, ihr Leben zu bewältigen.

„Vor ungefähr einem Jahr zeigte ich meinem Schwager Hans Schak den von meiner Frau gestalteten Katalog über meine Traubenwäschersammlung, und er war so begeistert, dass er sofort zu sammeln anfing und jetzt gemeinsam mit mir seine Sammlung präsentieren wird“, erzählt Richter.

Wofür der Traubenwäscher verwendet wurde, kann man mangels Aufzeichnungen laut Richter nur vermuten: Entweder wurden darin die in gewaschenem Zustand vorgelegten Trauben bei Tisch durch kurzes Eintauchen vor dem Verzehr noch einmal gewaschen, oder er diente nur zur Präsentation der gewaschenen, nassen Trauben, da durch seine besondere Form das Abtropfen der Trauben gewährleistet wurde und das Wasser sich im unteren Teil des Traubenwäschers sammeln konnte.