„Postler mit der kurzen Hose“: Eisbad im Gartenteich

Robin Fraberger geht mehrmals täglich im eiskalten Wasser baden. Auch Schwester Laetizia Wolfshofer genießt Eisbadespaß.

Erstellt am 12. Januar 2022 | 04:03
Lesezeit: 3 Min

Man kennt ihn als den „Postler mit der kurzen Hose“: Robin Fraberger hat mit der winterlichen Kälte kein Problem – im Gegenteil: Neben dem Verzicht auf lange Hosen geht er mehrmals täglich im eiskalten Wasser baden und läuft leicht bekleidet durch die Gegend.

„Ich habe extra nachgeschaut, ich besitze gar keine lange Hose mehr“, sagt Fraberger beim NÖN-Fototermin am vergangenen Samstagvormittag. Er steht mit seiner Schwester Laetizia Wolfshofer am Rand des Gartenteiches. Auf der Wasseroberfläche schwimmen Eisschollen, die Wassertemperatur liegt nur knapp über dem Gefrierpunkt. Doch die beiden steigen die Stufen ins Wasser hinab als wäre es Sommer und machen es sich im Teich gemütlich. Robin und Laetizia haben keine Eile, wieder aus dem eisigen Wasser herauszukommen. Stattdessen spielen sie mit den Eisschollen für die Kamera herum und tauchen bis zum Hals ins Wasser ein.

„Das ist zu 80 Prozent eine Kopfsache. Man muss es wollen, ins Eiswasser zu gehen. Wenn man am Rand steht und überlegt, ob man das wirklich tun soll, dann lässt man es besser“, erkärt Robin Fraberger. „Die Leute meinen oft, ich würde die Kälte nicht spüren. Aber das stimmt nicht.“ Vielmehr gehe es darum, Körper und Geist an den Kältereiz zu gewöhnen.

„Ich habe mich schon ewig für die Kälte interessiert. Als Kind und Jugendlicher war ich bei kaltem Wetter ohne Jacke unterwegs, dann habe ich begonnen, kalt zu duschen. 2020 haben wir in der Familie darüber geredet, zu Weihnachten in den Gartenteich zu gehen. Ich bin bei dem Vorhaben geblieben und habe es durchgezogen“, erzählt Fraberger.

Start mit Vollgas: Erstes Eisbad im Dezember

Am 17. Dezember 2020 nahm er sein erstes Eisbad, startete also gleich mitten im Winter, anstatt sich langsam schon im Herbst an das kalte Wasser zu gewöhnen. Zehn Minuten blieb Fraberger beim ersten Mal im Teich. Mittlerweile schafft er deutlich mehr als 30 Minuten. „Ich vergleiche das mit einem Schalter im Kopf. Wenn ich den umlege, halte ich es sehr lange im Eiswasser aus“, beschreibt Fraberger seine mentale Strategie, um mit der Kälte umzugehen. Drei bis vier Mal pro Tag steigt er ins kalte Wasser, meist im Gartenteich, fallweise auch in die Thaya, wobei er aber den Teich bevorzugt: „Dann muss ich nämlich nicht im ausgekühlten Zustand heimfahren oder heimgehen.“

Nach 35 bis 40 Minuten würden die Finger richtig zu schmerzen beginnen. Wie lange er wirklich durchhält, will Robin Fraberger nicht sagen, da er möglicherweise in einigen Jahren einen Rekordversuch wagen will. „Es sind aber deutlich mehr als 30 Minuten“, betont er. Seine Kältetoleranz trainiert Robin Fraberger nachts, weil es dann ringsherum ruhiger ist. „Mir ist bewusst, dass ich ein Risiko eingehe, wenn ich alleine bade. Aber ich kenne meinen Körper und nehme es in Kauf“, gibt Fraberger zu.

17-jährige Schwester schafft 20 Minuten

Seine Schwester Laetizia wollte es ihrem Bruder gleichtun. „Am Anfang habe ich es nicht lange im Wasser ausgehalten, ich hatte Angst. Dann brachte Robin mir bei, meine Atmung zu beruhigen, dann ging es viel besser“, erzählt Laetizia Wolfshofer. „Ich gehe im Schnitt dreimal pro Woche eisbaden, weil es entspanned für mich ist. Die 17-Jährige schafft mittlerweile bis zu 20 Minuten im Eiswasser. „Das ist für eine Jugendliche eine extrem starke Leistung“, ist Robin Fraberger stolz auf seine Schwester.

Er selbst wurde von seinem großen Vorbild Johann Gramanitsch inspiriert. „Er hat mich ermutigt, meine Leidenschaft auszuleben, so wie er es selbst bei seinen Expeditionen getan hat. Ich bin ein ‚Alles-oder-nichts‘-Typ, darum fange ich im Winter mit dem Eisbaden erst dann an, wenn die Wassertemperatur unter zehn Grad gesunken ist.“ Das Schöne am Eisbaden für Fraberger ist das Gefühl, etwas geschafft zu haben. Das mache glücklich. „Man gewinnt mentale Stärke, das Selbstwertgefühl steigt, und es ist ein gutes Training für die Arterien“, zählt Fraberger die positiven Auswirkungen des Eisbadens auf. Weiterer Nebeneffekt: „Meine Schwester und ich werden nicht mehr krank.“