Theatervorstellungen der tagträumer*innen: schräge Groteske

Kinder und Erwachsene erlebten Aufführungen voller Fantasie, unterschwelliger Komik und schräger Übertreibung in Waidhofen.

Erstellt am 27. Oktober 2021 | 15:13
Waidhofen/Thaya - Theatervorstellungen der tagträumer*innen: schräge Groteske
Auch in einen Esel mit langen Ohren verwandelte sich Sophie Berger.
Foto: Monika Freisel

Gleich zwei Theaterstücke an ein und demselben Samstag brachten die „tagträumer*innen“ vergangene Woche auf die Bühne des Gemeindezentrums.

Am Nachmittag freuten sich viele Kinder über die Geschichte des „Pinocchio“. Die Schauspielerin Sophie Berger stellte nicht nur diese aus Holz geschnitzte, zum Leben erweckte Puppe dar, sie spielte auch alle anderen Rollen: den Holzschnitzer Gepetto, die Fee mit den dunkelblauen Haaren, den Fuchs und den Kater und noch einige mehr.

Alltagsgegenstände anstelle von Masken

Dafür benötigte sie keine Masken, es genügten ihr ganz alltägliche Gegenstände: Einen Hut funktionierte sie zum Gesicht Gepettos um, mit einem Pinsel, dessen Borsten irgendwann einmal in blaue Farbe getunkt worden waren, stellte sie die Fee dar, Fuchs und Kater waren einfache Holzstücke, zwei Gummihandschuhe an den Ohren verwandelten sie in einen Esel, ein Rollmaßband machte ihre Nase umso länger, je mehr sie gelogen hat. Am Ende ging erwartungsgemäß Pinocchios größter Wunsch in Erfüllung, und er verwandelte sich in einen richtigen Menschen.

Sophie Berger, 1985 in Wien geboren, absolvierte die Schauspielschule Krauss, sie spielt auf verschiedensten Bühnen sowohl in modernen als auch in klassischen Stücken. Die unterschiedlichen Rollen in „Pinocchio“ meisterte sie mit Bravour, sie brachte die Kinder zum Lachen, Miterleben und Mitfühlen.

Arnold Schwarzenegger als steirischer Dracula

Am Abend trat dann Arnold Schwarzenegger in Thaya auf, oder vielmehr verkleidete sich in dem Stück „Arnold Schwarzenegger ist: Der steirische Dracula“ der von Lukas Weiss dargestellte Regisseur Marty in den wohl berühmtesten Steirer der Welt, um mit der von ihm verehrten Schauspielerin Eva, die im Dracula-Film die Mina darstellen sollte, proben zu können. Er gaukelte ihr vor, dass Schwarzenegger in Kürze persönlich zu den Dreharbeiten kommen werde. Die Rolle der Eva bzw. Mina spielte Susanne Preissl brillant. Der steirischen Eiche ist im fiktiven Drehbuch die Rolle des steirischen Dracula zugedacht, weil tatsächlich der Autor des Dracula-Romans, Bram Stoker, seinen Protagonisten zuerst in der Steiermark sein Unwesen treiben lassen wollte. Wie sich Marty aus seinem Lügengebäude herauswand, das er erfunden hatte, um Eva zu imponieren, und wie die Handlungen des Films als auch des Schauspiels sich entwickelten, wurde im Laufe der Handlung verschiedenste Male revidiert, verändert, in das Gegenteil verkehrt. Am Ende tanzte Schwarzenegger/Dracula mit der zwecks Befreiung vom Fluch enthaupteten Mina zur Musik von „My Way“. Die Gesichtsmaske und charakteristischen Kostüme ließen Anklänge an den Stil der Commedia dell’arte erahnen, die unterschwellige Komik und die schräge Übertreibung erinnerten an den Typus der Groteske.

Zu den Darstellern:

Susanne Preiss, geboren 1986, Absolventin der Schauspielschule Krauss, spielt zum Beispiel auch an der Volksoper Wien und im Theater Drachengasse und wirkte als Kulturmanagerin bei den Wiener Festwochen und im Theatersommer Niederösterreich mit.

Lukas Weiss, 1994 geboren, absolvierte die Schauspielausbildung an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien und spielte unter anderem in den Krimiserien Soko Donau und Schnell ermittelt.

Regie bei beiden Stücken führte der künstlerische Leiter des Theaterfestivals „tagträumer*innen“, Holger Schober, auch die Texte stammen von ihm.