Teichwirte-Kainz: Fisch-Ernte war „zufriedenstellend“. Teichwirte-Vertreter Andreas Kainz über das Abfischen und die derzeit wieder nachlassende Nachfrage in der Gastronomie.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 22. Oktober 2020 (05:45)
Andreas und Florian Kainz: Fisch-Expertise in dritter Generation.
Transgourmet/Christian Maislinger

Das große Waldviertler Abfischfest ist in der vorigen Woche abgesagt worden. Eines aber bleibt: „Die Waldviertler Karpfenteiche werden wie gewohnt abgefischt, und dem Karpfenkonsum steht nichts im Wege“, erklärt Andreas Kainz, Obmann-Stellvertreter des NÖ Teichwirteverbands, in einer Aussendung. Wie sehr trifft Corona heuer die Teichwirte?

Nachfrage verlagert sich hin zur Direktvermarktung

„Das ist ein zweischneidiges Schwert“, sagt der Waidhofener im NÖN-Gespräch. „Es ist so, dass einerseits das Bewusstsein für die Regionalität wieder zunimmt.“

Man suche die Direktvermarkter verstärkt auf. „Der Nachtteil ist: Die Gastronomie braucht weniger. Es verschiebt sich.“

Herausforderung: Einhaltung der Corona-Bestimmungen

Die Ernte sei jedenfalls zufriedenstellend gewesen. „Das Wetter hat gepasst, wir hatten ausreichend Wasser, es war nicht zu kalt und nicht zu warm“, schildert Kainz. „Wir haben ein bisschen ein Problem mit dem Abfischen selbst, weil wir versuchen sollen und müssen, die Corona-Vorschriften einzuhalten.“

Das sei eine Herausforderung, aber man sei bemüht, alles einzuhalten. „Die Bestimmungen werden für alle gemacht.“

„Wissen nicht genau, was passieren wird“

Er blickt mit gemischten Gefühlen auf die nächsten Monate. „Wir wissen nicht genau, was passieren wird und welche Maßnahmen uns noch beeinflussen werden.“

Beschränkte Öffnungszeiten in der Gastronomie bereiten dem NÖ Teichwirteverband Sorgen. „Wir merken schon jetzt, dass die Nachfrage der Gastronomen wieder nachlässt, seitdem sich die Gäste registrieren müssen.“

Angler-Gewässer brauchen weniger Fische

Kainz registriert zudem, dass die Gewässer weniger lebende Fische zum Herausangeln benötigen. Das lasse anscheinend nach, weil das gemeinsame Angeln als soziale Komponente in diesen Zeiten weniger praktiziert werde, zumindest habe ihm das ein Kunde erzählt.

„Ich weiß nicht genau, ob das 100-prozentig stimmt, aber irgendwie hat sich unser Freizeitverhalten schon verändert“, klingt es für ihn doch plausibel.

Importe drängen auf österreichischen Fischmarkt

Grundsätzlich sei es so, dass mehr Fische vorhanden sind, während der Bedarf daran im Vergleich zu den vorigen Jahren geringer ausfällt. Kainz geht noch dazu davon aus, dass überhaupt weniger vermarktet werden kann.

„Die Importe etwa aus Tschechien bleiben gleich. Sie drängen auf den österreichischen Fischmarkt und sind viel billiger als unsere Fische“, führt der Waidhofener Teichwirt aus. Aber wie die konkreten Auswirkungen aussehen werden, könne er erst nach Weihnachten sagen.

Wird Regionalität im Kaufverhalten hängen bleiben?

„In der Zeit des Lockdown ist die Direktvermarktung sehr, sehr gut gegangen, eben weil die Gastronomie komplett geschlossen hatte und mehr zu Hause gekocht wurde; aber das heißt nicht, dass wir uns das wieder herbeiwünschen“, betont Kainz. Er hoffe dagegen, dass das Bewusstsein für regionale Produkte aus der unmittelbaren Umgebung oder aus Österreich anhält.

„Nach Beendigung des Lockdowns hat das nicht lange nachgewirkt, aber wir hoffen, dass etwas hängen bleibt und wir neue Kunden gewonnen haben.“ Vielleicht helfe ein Umstand noch mit: „Im Waldviertel haben wir gemerkt, dass der Sommertourismus, so glaube ich, so gut war wie nie.“ Bleibt das Waldviertel im Gedächtnis, könnte das den Direktvermarktern wieder zugute kommen.