Lockdown! Therapiezentrum Nordstern vom Pech verfolgt. Erneuter Lockdwon verschiebt abermals für Herbst 2020 geplante Betriebsaufnahme. Bedarf wäre gerade jetzt sehr hoch, meint Geschäftsführer Josef Pergrin.

Von Michael Schwab. Erstellt am 18. November 2020 (05:49)
Wieder nichts wurde es mit der für Herbst 2020 geplanten Betriebsaufnahme des Therapiezentrums „Nordstern“.
Archiv/Michael Schwab

Vom Pech und von Corona verfolgt – so könnte man den langen und steinigen Weg des Therapiezentrums Nordstern hin zu einer Betriebsaufnahme beschreiben.

Im Frühjahr machte, wie in der NÖN berichtet, der erste Lockdown Mitte März den ersten konkreten Gesprächen mit in Frage kommenden Leistungsträgern wie Krankenkasse, Justiz und Arbeitsmarktservice den Plänen von Geschäftsführer Josef Pergrin einen Strich durch die Rechnung.

Vielversprechende Verhandlungen im Sommer

Nachdem er über den Sommer vielversprechende Verhandlungen mit den Leistungsträgern führen konnte, stand nun Anfang November ein Termin vor Ort am Plan, um letzte Vertragsdetails zu klären.

Das wäre am 3. November gewesen – doch da schlug der zweite Lockdown zu: „Einen Tag vorher, am 2. November, wurden wir davon in Kenntnis gesetzt, dass die Leistungsträger alle Treffen mit Dritten intern und extern abgesagt haben“, berichtet Pergrin. Damit wurde die Eröffnung des Therapiezentrums, das Menschen nach Burn-out, Traumatisierungen oder Suchtproblemen wieder in den Arbeitsprozess zurückführen soll, erneut auf unbestimmte Zeit verschoben.

Finanzielle Herausforderungen durch Verzögerungen

„Wir stellen uns jetzt auf Jänner ein, da wir nicht damit rechnen, dass die abschließenden Gespräche so schnell möglich sein werden“, stellt Pergrin klar.

Geschäftsführer Josef Pergrin rechnet mit Verzögerung bis Jänner.
Archiv/Michael Schwab

Dabei wäre aufgrund der in der Corona-Krise zunehmenden Zahl von psychischen Erkrankungen ein rascher Betriebsstart wichtig, auch um Menschen, die Corona-bedingt in Arbeitslosigkeit und Suchtprobleme geschlittert sind, wieder eine Perspektive geben zu können, ist Pergrin überzeugt.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht werden die anhaltenden Verzögerungen für das Therapiezentrum zum Problem. Da die Betriebsaufnahme vor Corona nicht erfolgt ist, fällt die Einrichtung auch um sämtliche Corona-Hilfen um.

„Wir haben außer drei Mal 500 Euro aus dem Härtefallfonds nichts erhalten, weil wir ja keinen Vorjahresumsatz vorweisen können. Wir erhalten auch keine Haftungsgarantien, und die Kreditinstitute können uns auch nichts mehr geben“, zählt Pergrin auf. Die einzige Möglichkeit sei derzeit, aus Eigenmitteln das Zentrum über Wasser zu halten.

Zehn Schlüsselkräfte in Kurzarbeit

Die zehn spezialisierten Mitarbeiter, die für den Start erforderlich sind, befinden sich nach wie vor in Kurzarbeit mit dem Minimum an möglicher Arbeitszeit (30 Prozent).

„Wir brauchen diese Leute, das sind ausgebildete Fachkräfte, die sich nicht einfach ersetzen lassen, darum müssen wir sie im Unternehmen halten“, betont Pergrin. Einmal wöchentlich findet ein Treffen statt, doch Pergrin könne es den Leuten nicht verübeln, wenn sie sich allmählich anderswo nach Jobs umzusehen beginnen.

Dennoch will Pergrin nicht aufgeben: „Der Bedarf nach einer solchen Einrichtung wurde von den zuständigen Stellen erkannt, es gibt vielversprechende Zusagen“, zeigt sich der Geschäftsführer vorsichtig optimistisch.