Iglauer Gedenktage: Auf Rache nach Kriegsende verzichtet

Erstellt am 22. Juni 2022 | 04:31
Lesezeit: 3 Min
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Bundesvorsitzender der „Gemeinschaft Iglauer Sprachinsel“ Peter Tenschert, Bürgermeister Rudolf Hofstätter, Fritz Strommer vom Heimatkreis Zlabings, Vertreterin der Bezirkshauptmannschaft Anna Maria Zehetgruber, Oberbürgermeister Heidenheim Michael Salomo und Oberbürgermeisterin der Stadt Iglau Karolína Koubová bei den Gedenktagen.
Foto: Gerald Muthsam
Iglauer Heimatvertriebene verzichteten 1950 in Charta auf Vergeltung. Gedenkfeier in Waldkirchen wurde abgehalten.
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Die Gedenkfeier der Iglauer Heimatvertriebenen im Zuge der Fronleichnamsprozession in Waldkirchen konnte heuer wieder im großen Rahmen stattfinden. Alle zwei Jahre kommen Nachfahren der 1945 nach Kriegsende aus ihrer Heimat vertriebenen Sudetendeutschen aus Iglau in ihrer Tracht zum Gedenken nach Waldkirchen. Eigentlich hätte die Feier im Vorjahr stattfinden sollen, aufgrund der Corona-Lage kam nur eine kleine Abordnung.

Am Waldkirchener Friedhof sind jene 25 Kinder begraben, die beim „Iglauer Todesmarsch“ verhungerten. Die Vertriebenen hatten als Flüchtlinge damals in Waldkirchen und Umgebung Unterkunft und Verpflegung erhalten.

„In Zeiten größter Not und Verzweiflung wurden unsere Vorfahren hier mit dem Nötigsten versorgt“, erinnert Peter Tenschert, der Bundesvorsitzende der „Gemeinschaft Iglauer Sprachinsel“. „Viele mussten hier ihre nächsten Angehörigen bestatten. Auch wenn die Erlebnisgeneration allmählich abtritt, diese Hilfeleistung in einer existenziellen Notlage werden wir nicht vergessen. Es war auch eine gute Entscheidung 1950 in Stuttgart die Charta der Heimatvertriebenen zu verkünden und auf Rache und Vergeltung zu verzichten.“

Gedenkfeiern dienen als Mahnung

Bürgermeister Rudolf Hofstätter wies in seiner Ansprache auf den aktuellen Krieg in der Ukraine hin, dem wir macht- und ratlos gegenüberstünden. Trotzdem sei es wichtig, solche Gedenkfeiern weiterhin als Mahnung durchzuführen. Die Iglauer Heimatvertriebenen und die Stadt Iglau hätten bewiesen, dass gute Gespräche zur Annäherung führen.

„Die Veranstaltung steht im Zeichen des Gedenkens vieler deutschsprachiger Menschen aus ihrer Heimat“, sagte Anna Maria Zehetgruber, Vertreterin der Bezirkshauptmannschaft. „Der Tag steht aber auch für gemeinsame Traditionen und Werte, die Menschen über Grenzen verbinden. Es ist wichtig, immer wieder das Verbindende über das Trennende zu stellen.“

Die Oberbürgermeisterin aus Iglau Karolína Koubová beneidet die Gemeinde Waldkirchen ein wenig um den festlichen Umzug zu Fronleichnam, denn die kommunistische Ära in Tschechien hätte viele Traditionen vernichtet. „Als ich zum ersten Mal vor drei Jahren an dieser Gedenkfeier teilnahm und die deutschen Trachten sah, die man in Iglau natürlich nicht mehr sieht, da kamen mir die Tränen“, sagte Koubová. „Zusammen mit der Vertreibung der Deutschen wurden auch viele Bräuche und Traditionen vertrieben. Darum bin ich froh, dass wir uns heute treffen und Freundschaften pflegen können. Es ist wichtig diese Werte und Traditionen hochzuhalten.“

Heidenheims Oberbürgermeister Michael Salomo meinte, dass Gedenken nicht unbedingt vor Fehlern in der Zukunft bewahren würden. Darum sei es wichtig, wie man den Rest des Jahres miteinander umginge.

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