Iglauer Gedenktage: „Den Vorfahren schuldig“. Feierlichkeiten in Waldkirchen fanden heuer im kleinen Rahmen statt. „Treffen sind wir unseren vertriebenen und verstorbenen Vorfahren schuldig“, sagt Vertreter der Sprachinsel.

Von Gerald Muthsam. Erstellt am 10. Juni 2021 (04:36)
Bürgermeister Rudolf Hofstätter, Pfarrer Gerhard Swierzek, Vizebürgermeister Gerhard Braunsteiner, Messner Hubert Rotter, Peter Tenschert, Bundesvorsitzender der „Gemeinschaft Iglauer Sprachinsel“, Ladislav Plavec aus Stannern (CZ) und Jörg Gerspach, Geschäftsführer der „Gemeinschaft Iglauer Sprachinsel nach der Kranzniederlegung.
Gerald Muthsam, Gerald Muthsam

Die Iglauer Gedenktage wurden wieder zu Fronleichnam in Waldkirchen begangen. Alle zwei Jahre kommen Nachfahren der 1945 nach Kriegsende aus ihrer Heimat vertriebenen Sudetendeutschen aus Iglau zum Gedenken nach Waldkirchen und nehmen in ihrer Tracht an der Fronleichnamsprozession teil.

Der Pandemie geschuldet fanden die Feierlichkeiten heuer im kleinen Rahmen statt.

Peter Tenschert, Bundesvorsitzender der „Gemeinschaft Iglauer Sprachinsel“ bedauerte dies zutiefst. „Wie gerne hätte die Gemeinschaft der Iglauer Sprachinsel auf der Frühjahrestagung beschlossen, heuer gemeinsam anlässlich der Gedenktage in Waldkirchen und Iglau hinzufahren, wie es seit Jahrzehnten unserem Brauch entspricht. Vor allem weil auch im Vorjahr die Reise nach Iglau abgesagt werden musste“, führte er in seiner Ansprache aus.

Gräber von 25 Kindern erinnern an „Iglauer Todesmarsch“. Heuer sehe man immerhin ein wenig Licht am Ende des Tunnels und man sei dankbar, dass nun ein Gottesdienst wieder real stattfinden könne. Der Friedhof in Waldkirchen habe für die „Gemeinschaft Iglauer Sprachinsel“ eine besondere Bedeutung, darum kämen sie zum Gedenken hier her.

„Die Angehörigen der Erlebnisgeneration werden immer weniger“, ist sich Tenschert bewusst, „aber solange wir uns hier treffen und Gastfreundschaft in Anspruch nehmen dürfen, solange wird es die Gedenktage geben. Das sind wir unseren Vorfahren schuldig. Die Gräber, besonders die der 25 Kinder, die beim „Iglauer Todesmarsch“ verhungerten, mahnen uns, dass Flucht und Vertreibung nicht mehr vorkommen dürfen.“

Lernen aus Geschichte zur Versöhnung. Wenn man aus der Geschichte lerne, könne es zur Versöhnung kommen. Die Länder Österreich, Tschechien und Deutschland seien mittlerweile verzahnt und voneinander abhängig, das habe die pandemiebedingte Grenzschließung gezeigt.

In Schwierigkeiten sei der Nachbar der erste vor Ort, der helfen könne. Wenn man sich mit Wertschätzung begegne, dann könne Europa gelingen.

Jörg Gerspach, Geschäftsführer der „Gemeinschaft Iglauer Sprachinsel“ überbrachte Grüße des Oberbürgermeisters der Stadt Heidenheim und der Iglauer Oberbürgermeisterin. Die Oberbürgermeisterin hob in ihrer Grußbotschaft die Wichtigkeit der Pflege der jahrelangen Freundschaft hervor, diese sei weiter zu entwickeln um das gemeinsame Vermächtnis aufrecht zu erhalten.

Bürgermeister Rudolf Hofstätter bedankte sich bei den Vertretern der Iglauer Sprachinsel, trotz der schwierigen Situation, für ihr Kommen, um diese Feierlichkeiten durchführen und den gemeinsamen Weg weiterführen zu können.