Junos-Chef: „Jugend stark an Politik interessiert“. Der Horner Matthias Meyer, Geschäftsführer der NEOS-Jugendpartei über Ziele fürs Waldviertel & die Verantwortung der Jugend.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 15. Oktober 2020 (04:23)
MatthiasMeyer vertritt die Jugendpartei der NEOS.
Junos NÖ (2020)

Matthias Meyer aus Horn ist seit dem September Geschäftsführer der Junos NÖ, des Jugendverbandes der Partei NEOS. Der Junos NÖ-Landeskongress hat den 21-Jährigen, der „Internationale Betriebswirtschaft“ an der Wirtschaftsuniversität Wien studiert, mit dieser Aufgabe betraut.

50 Hauptmitglieder und 75 Nebenmitglieder (zumeist aus dem Wiener Speckgürtel) umfasst die Jugendpartei in Niederösterreich, die im Wiener Junos-Clublokal und teilweise in der „NEOSphäre“ in St. Pölten ihrer Arbeit nachgeht: Meyer ist der einzige Junos-Aktive aus dem Waldviertel, einer weitgehend ÖVP-geprägten Region.

NÖN: Wie sind Sie zu den NEOS und zu den Junos gekommen?

Matthias Meyer: Zu den NEOS bin ich 2019 beim EU-Wahlkampf gekommen. Ich habe mich schon länger für Politik interessiert und habe mich dann entschieden beizutreten, weil mir ein geeintes, starkes Europa sehr am Herzen liegt. Beim Wahlkampf habe ich Landesvorsitzenden Christoph Müller kennengelernt, über ihn bin ich dann zu den Junos gekommen.

„Am besten wäre es, wenn wir vor Ort kommen könnten, aber das ist wegen Corona schwierig umsetzbar.“Matthias Meyer über die Aufbauarbeit im Waldviertel

Welche Aufgaben obliegen Ihnen?

Als Geschäftsführer behalte ich den Überblick über die Finanzen und die rechtlichen Vorschriften. Ich arbeite mit allen Landesvorsitzenden zusammen, um unsere Ziele festzulegen und um zu überwachen, was wir tun können und was wir geschafft haben.

Ihr Ziel ist es, die Junos im Waldviertel zu etablieren: Wie soll das erreicht werden und wo liegen die Herausforderungen?

Wir hatten schon in unserer Klausur darüber gesprochen: Vieles ist mit Corona sehr unsicher. Am besten wäre es, wenn wir vor Ort kommen könnten, aber das wird schwierig umsetzbar sein. Möglich sind Online-Events oder die Organisation von Themenabenden, wo wir zum Beispiel über die Waldviertel-Autobahn diskutieren. So können wir präsent werden. Aber wir tun uns selber derzeit etwas schwer, weil wir noch nicht wissen, wie wir die Leute direkt ansprechen sollen, wenn dies vor Ort derzeit nur eingeschränkt möglich ist.

Welche Altersgruppe soll angesprochen werden?

Wir sehen im Bereich von Höheren Schulen (AHS & BHS) Chancen, in einer Altersgruppe von 16 bis 18 Jahren. Wir wollen dort probieren, die Schüler anzusprechen. Gerade bei Studenten ist es so, dass sie ein, zwei Jahre noch vor Ort bleiben, aber dann gehen sie großteils nach Wien. Diese sind zwar am Blatt Mitglieder in Niederösterreich, dort aber dann kaum mehr aktiv, weil sich der Lebensmittelpunkt verlagert.

Was braucht das Waldviertel aus Sicht der Junos?

Das Waldviertel muss attraktiv für die Jugend bleiben. Ein wichtiger Punkt ist hierbei sicherlich die Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs. Zug- und Busverbindungen müssen gestärkt werden, und gerade eine schnelle Verbindung nach Wien von allen Teilen Niederösterreichs ist hierbei essenziell.

Dies kann etwa durch den Ausbau und die Verdichtung des interkommunalen Verkehrs oder durch attraktive Zubringersysteme zu höherrangigen Verkehrsmitteln (Stichwort „Last Mile“) gelingen.

Als zweiten Punkt möchte ich noch den Wirtschafts- und Arbeitsstandort ansprechen: Gerade das Waldviertel ist von Abwanderungen in diesem Bereich betroffen. In den kommenden Jahren muss es gelingen, dass sich Niederösterreich zu einem „Silicon Valley“ Österreichs entwickeln kann. Die Förderung von Start-ups und eine forcierte Entwicklung regionaler Wirtschaftsstandorte sind hierbei sicherlich von höchster Wichtigkeit. Über eine verstärkte Zusammenarbeit von Fachhochschulen, Universitäten und regionalen Unternehmen wäre es auch möglich, gemeinsame Projekte zu starten und dadurch sowohl den Bildungs- als auch den Wirtschaftssektor zu fördern.

Was halten die Junos von einer möglichen Autobahn im Waldviertel, der „Europaspange“?

Wir sind grundsätzlich dafür, aber es muss definitiv mit der Umwelt im Einklang sein. Die Strecken – wie von Horn nach Gmünd – sind schon sehr gut ausgebaut, es gibt sicher auch andere Wege, um die Verbindungen noch attraktiver gestalten. Vielleicht reicht eine Schnellstraße.

Wie steht es grundsätzlich mit dem Interesse der Jugend an der Politik, was ist Ihre Beobachtung dazu?

Meiner Meinung nach ist die Jugend heutzutage sehr stark an dem Thema Politik interessiert. Befeuert wurde dieses Interesse sicherlich auch durch „Fridays for Future“ und durch den Ibiza-Skandal. Viele Jugendliche haben das Gefühl, Verantwortung für sich selbst, aber auch für die kommenden Generationen übernehmen zu wollen. Dieses Anpacken ist wichtig für eine lebendige Demokratie!

Wählen ist ab 16 Jahren möglich: Wie wichtig ist Ihres Erachtens in diesem Alter die politische Bildung?

Politische Bildung ist essenziell – unabhängig vom Alter. Der Grundstein muss hier definitiv von den Eltern zuhause und natürlich auch von den Lehrern in der Schule gelegt werden. Politische Debatte lebt eindeutig von unterschiedlichen Meinungen, und um sich ein eigenes Bild von den einzelnen Parteien machen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie unser Staat grundlegend funktioniert und welche Positionen die Parteien zu unterschiedlichen Themen beziehen. Ziel muss es sein, dass jeder ein hinterfragender Bürger mit eigener Meinung wird.