NGOs verlassen den Otter-Tisch. Neue Entnahme-Verordnung wird kritisch gesehen: Naturschützer verlassen „Runden Tisch“.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 11. Dezember 2019 (03:14)
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Vorwiegend auf den Fischotter ist laut Teichwirteverband NÖ der durchschnittlich 30 Prozent Speisefisch-Verlust zurückzuführen. Die Zahl ergibt sich aus einer Umfrage unter den Teichwirten im Waldviertel. Der WWF hinterfragt dies und fordert, dass „endlich Zahlen auf den Tisch kommen“.

„Wir wissen das nur mündlich“, erklärt Christina Wolf-Petre, die sich fachlich mit der Problematik für den WWF auseinandersetzt. „Egal, wo ich Schäden habe, beim Wolfriss muss ich genauso nachweisen, wer es denn war.“ Es sei möglich, dass die Ausfälle andere Gründe haben. „Was kann nicht alles in einem Teich passieren?“

Ausgelöst hat die Debatte eine neue Verordnung, die den Fang oder Abschuss einer begrenzten Zahl an Fischottern regelt. Der WWF sieht die Verordnung „absolut kritisch“: Sie widerspreche der Gesetzesvorgabe, dass man jeden Einzelfall prüfen müsse. Und man müsse schauen, ob im Vorfeld tatsächlich alle Präventivmaßnahmen gesetzt wurden. Wolf-Petre denkt an Zäune, Beifische, Ablenkteiche oder das Ablassen von Teichen über den Winter. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes zur Wolf-Entnahme habe verdeutlicht: „Ihr müsst beweisen, ob die Entnahme zum Ziel führt.“

Sie fürchtet, dass die Fischotter-Entnahme negative Auswirkungen auf die Population hat und die Ausnahme zur Regel wird. Teichwirte sprechen dagegen (wie berichtet) von einem geringfügigen Eingriff.

„Runder Tisch“ hat nun weniger Vertreter

„Wir verstehen die Interessen der Teichwirtschaft und wollen genauso eine Lösung finden“, so Wolf-Petre. Der seit 2018 bestehende „Runde Tisch“ habe den Austausch mit der Teichwirtschaft intensiviert. Ziel sei die Entwicklung eines Managementplans gewesen. Man habe diskutiert, produktiv und effektiv gearbeitet. „Das wurde jetzt torpediert, weil die Verordnung auf den Tisch kam.“

Der NÖ Naturschutzbund hat ebenso den „Runden Tisch“ verlassen. „Wir sind gegen die Verordnung, weil mit ihr eine Lösung vor Abschluss des Managementplans vorweggenommen worden ist“, erklärt Geschäftsführerin Margit Gross. „Wir sehen das als vertane Chance.“ FG Lanius hat ebenso die Runde verlassen.