Markus Hirsch gab Lesung in Raabs

In den Büchern von Markus Hirsch vermischt sich Autobiografisches mit Fiktion, auch die Lebensgeschichte seiner Mutter spielt eine Rolle. Am Samstag gab es eine Lesung.

Monika Freisel Erstellt am 24. Juni 2021 | 03:09
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Im Patio des Lindenhofs las Autor Markus J. Hirsch aus seiner Romantrilogie.
Foto: Monika Freisel

Der, die, das – die drei bestimmten Artikel der deutschen Sprache stellte Markus J. Hirsch bewusst an den Anfang der Buchtitel seiner Romantrilogie. Am vergangenen Samstag las der Autor im Patio des Lindenhofs aus den zwei zuletzt erschienenen Prosawerken.

Figuren entwickeln Eigenleben. Markus Hirsch wuchs in Groß Gerungs auf, lebt mit seinem Lebenspartner seit einigen Jahren in Raabs und ist hauptberuflich Facharzt für Psychiatrie in Waidhofen. In allen drei Romanen vermischt sich Autobiografisches mit Fiktion, auch die Lebensgeschichte seiner Mutter spielt eine Rolle, durch seinen Beruf lernt er viele menschliche Schicksale kennen. Die Figuren entwickeln ein Eigenleben während des Schreibens, die Eckpunkte sind vorhanden. „Das Leben trägt mir die Geschichten zu. Ich muss sie nur mehr niederschreiben“, erklärt er. Seine in „Doktorschrift“ verfassten handschrifltichen Aufzeichnungen kann jedoch außer ihm niemand lesen, beim Abtippen der handschriftlichen Aufzeichnungen am Laptop erfolgt dann gleichzeitig die erste Korrektur des Geschriebenen. Die Titelbilder der drei Bücher gestaltete er gemeinsam mit seinem Lebensgefährten.

In Markus Hirschs Erstlingswerk „Der Exmensch“ schildert der von seiner Ehefrau Anna geschiedene, von den beiden Kindern getrennt lebende Johannes seinem Sohn Michael seine eigene Biografie, die Ehejahre mit Michaels Mutter und wie er lernte, seine Homosexualität zu akzeptieren und sein Leben neu zu gestalten. Die zweite Erzählung „Die Witfrau“ beschreibt die Einsamkeit einer Frau, die ihren Ehemann vor kurzer Zeit verlor. Alter, Einsamkeit und Sehnsucht treffen sie hart, obwohl die Jahre an der Seite ihres dem Alkohol verfallenen Gatten für sie oft unerträglich waren. Das letzte Buch der Trilogie, „Das karge Mädchen“, beginnt dramatisch: Maria steht vor dem Ehebett, hat ein scharfes Messer in der Hand und erwägt, ihren schlafenden Gatten Josef zu töten. Die Zeit ist jedoch noch nicht reif. Marias Lebensgeschichte ist gezeichnet von der Kargheit ihrer Kindheit und Jugend und von harter Arbeit.

Ein weiterer Roman, „Das Wirtshauskind“, ist schon lange fertig geschrieben, steht jedoch unter Verschluss. Ob er jemals veröffentlicht wird, kann Markus Hirsch nicht sagen: „Es ist eine sehr persönliche Erzählung, in einer schwierigen Sprache geschrieben. Vielleicht wird sie posthum erscheint, vielleicht aber auch nie.“ Das neue Buch des Autors, das demnächst herausgegeben wird, trägt den Titel „Katatonie“ – ein psychiatrischer Fachbegriff, der eine Art Erstarrungszustand umschreibt.

Für zwei bereits fertig gestellte Lyrikbände sucht Hirsch noch einen Verleger. „Die Gedichte sind sehr persönlich und aufwühlend“, skizziert Hirsch die beiden Werke. Zwei dieser kurzen, Haku-ähnlichen Gedichte trägt er aus dem Gedächtnis vor.

Aus Buch von Mutter gelesen. Angekündigt war auch Markus Hirschs Mutter Pauline Hirsch, die aus gesundheitlichen Gründen jedoch absagen musste. Daher übernahm ihr Sohn den Part und las heitere wie auch zum Nachdenken anregende Passagen aus dem Buch „Meine frühen Jahre“, in dem Pauline Hirsch Situationen und Begebenheiten aus ihrer Jugend erzählt.

Die Bücher von Markus und Pauline Hirsch sind in Angelinas Buchhandlung in Raabs erhältlich, deren Betreiberin Angelina Nigischer auch die Lesung organisierte. Kulturstadträtin Margit Auer sprach die Begrüßungsworte, für die musikalische Umrahmt sorgte das Bläserquartett der Jugendkapelle Raabs.