Sekretärinnen plaudern aus dem Nähkästchen. Im Waldviertler Newsroom wurden die Sekretärinnen in der Tat auf eine neue Stufe gestellt: Sie empfangen Mitarbeiter und Besucher der NÖN von einem großzügigen, erhöht gelegenen Pult-Aufbau, den die Firma Schrenk von vis-à-vis extra angefertigt hat. Wie von einer Kommandobrücke haben sie hier den großen Newsroom im Blick.

Erstellt am 13. Februar 2019 (15:34)
Maximilian Köpf
Edith Hofmann, Susanne Hoffelner und Rosemarie Gamerith bilden das „Empfangskomitee“ für alle Besucher im Waldviertler Newsroom.

Sekretärinnen sind bei der NÖN tatsächlich weit mehr, als das vielleicht in manchen Köpfen klassische Klischee; „Fräulein, zum Diktat, bitte!“, das sind in Zeiten von Smartphone und Tablet Relikte aus vergangenen Bürotagen. Das Kaffeekochen hat mittlerweile der High-Tech-Kaffeeautomat übernommen. Der Sekretärinnen-Alltag ist fordernder.

In Gegenden, in denen digitale Hilfsmittel noch fehlen, sind Sekretärinnen mitunter Navigationshilfen für ortsunkundige Jungredakteure. Deren Hilferuf kann etwa wie folgt lauten: „Du Edith, i steh do in an Güterweg. Kaunst ma du sogn, wo i bin, i kenn mi nimma aus?“ Selbstverständlich kennt sich Edith Hofmann aus. Aber ohne Angabe der letzten passierten Ortschaft, hat auch sie Probleme, den aktuellen Standort zu bestimmen.

Aus diesem Grund musste einst in der NÖN Waidhofen die „Katastralgemeinden-Prüfung“ in den Kategorien „klein“ (Gemeinden und Orte müssen zugeordnet werden) und „groß“ (hierzu gehört auch die richtige Zuordnung von Bürgermeister, Vizebürgermeister und Gemeindesekretär als wichtigste Kontaktpersonen) eingeführt werden.
Wichtig in der „Job-Description“ für die Kommandobrücke ist der Kundenkontakt. Vor allem bei Beschwerdeanrufen wegen nicht oder unsachgemäß zugestellter NÖN-Ausgaben ist Fingerspitzengefühl gefragt. Auch hier gibt es keine Routine.

Sekretärinnen sind auch die, die den Ärger jener Abonnenten abbekommen, die dann schon zum sechsten Mal vergeblich zum Postkasten gegangen und dementsprechend sauer sind: Zur Kaffeepause immer noch nicht zu wissen, was in der NÖN steht, gehe schließlich gar nicht. Um solche Extremfälle zu verhindern, springt auch mal der Redaktionsleiter selbst kurzerhand als Lieferdienst ein.

Nicht immer liegt die Schuld an einer fehlenden oder unlesbaren Zeitung im Einflussbereich der NÖN. Hofmann erinnert sich an einen Abonnenten, der mit völlig zerfetzten Zeitungsfragmenten in der Tür stand und höflich fragte, ob er vielleicht ein neues Exemplar haben könnte. „Meine Hunde waren heute früh leider schneller als ich. Sie haben die NÖN bereits im Hof zerlesen!“

Klar, die NÖN löst Probleme. Sie berichtet nicht nur, sondern vermittelt auch zwischen den Fronten. So geschehen etwa im Vorjahr, als Karin Pollak (seit Jänner 2019 Redakteurin) einen verzagten 70-jährigen Hoheneicher am Telefon hatte, bei dem sich eine Kröte für ihn unerreichbar im Heizraum verkrochen hatte: „Was kann ich nur tun?“ Pollak rief kurzerhand die Feuerwehr, leitete damit die erfolgreiche Tierrettung ein. Für die Aktion wurde sie heuer mit der Tierretter-Medaille ausgezeichnet.

Nicht immer macht der Sekretärinnen-Job Freude, auch dazu weiß Pollak eine Anekdote. Ein „Flitzer“ übte in der Gmünder Redaktion einst Vergeltung für einen „Spaziergänger“ über sein öffentliches Treiben, drohte ihr die Watsch’n nicht nur an, sondern zog tatsächlich durch. Dabei unterschätzte er den direkten Draht der NÖN-Sekretärin zur Polizei: Keine 300 Meter vom Büro entfernt wurde der Flitzer bereits festgenommen. Er erfuhr professionelle Betreuung.

Türspion & Türglocke wurden als Sicherheitsschleuse eingebaut und bald wieder aufgegeben: Die Redaktion lebt von offenen Türen, auch wenn sich manchmal schräge Typen durchbewegen. Sekretärinnen erfahren Storys manchmal vor ihrem Chef. Sie halten den Kontakt zu Gemeindeämtern, sind die Hirne der Veranstaltungskalender und wissen oft als erste von Hochzeiten, Jungeltern oder Sterbefällen. Auch Lob hören sie oft zuerst.

Die Aufgabenprofile ändern sich auch für sie ständig. So hat sich im Newsroom eine neue Herangehensweise für Anfragen finden müssen: „Keine Details bitte, zu welchem Bezirk gehören Sie?“

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