Der Zeitungsmacher im Wandel der Zeit. Hannes Ramharter erlebte in 30 Jahren als Zeitungsmacher an der Spitze der Waidhofner NÖN-Redaktion, davon 16 Jahre als Waldviertel-Chef, den Weg von der analogen hin zur digitalen Zeitungsproduktion mit. Hier erzählt er seine Geschichte.

Erstellt am 13. Februar 2019 (15:34)
Rene Denk
Eine Zeitung entsteht. Hannes Ramharter in seinem Waidhofner NÖN-Büro.

Die technische Revolution hat das Zeitungsmachen und damit auch den Beruf des Journalisten völlig verändert. In den letzten dreieinhalb Jahrzehnten blieb wohl kein Stein auf dem anderen.

Rückblick: Noch in den späten 1980er-Jahren wurden die Texte für eine Zeitung auf sogenanntem Manuskriptpapier geschrieben. Dabei gab es genaue Vorgaben: In einer Zeile durfte nur eine bestimmte Anzahl von Zeichen (inklusive Leerzeichen) stehen, im konkreten Fall 28 Zeichen. Das war genau der Text, der damals in eine Zeitungsspalte passte, in der dann anders als auf dem Manuskriptpapier richtig abgeteilt bzw. die Zeile durch unterschiedliche Abstände zwischen den Wörtern in die entsprechende Form gebracht wurde.

Werbung

Die Texte wurden dann „eingerichtet“. Das heißt, der Redakteur legte fest, ob der Text zu einem Dreispalter oder Zweispalter werden sollte, zählte den entsprechenden Titel aus und zeichnete den Artikel dann mit Hilfe eines Typometers auf dem „Seitenspiegel“ ein.

Als der Computer kam

Das war auch die Situation, die ich vorfand, als ich die Redaktion der NÖN Waidhofen ab September 1989 übernahm. Die Zeitung wurde damals an einem Dienstagvormittag fertig gemacht. Am Mittwoch fuhr der Redakteur mit den Manuskripten und den Seitenspiegeln nach St. Pölten ins NÖ Pressehaus, wo dann die Manuskripte gesetzt wurden.

Rene Denk
Es gibt auch lustige Momente im Leben eines Journalisten. Hannes Ramharter (rechts) als Teil der Promi-Jury beim Waidhofner Faschingsumzug 2011.

Die Fotos hingen ebenso wie die Text-Manuskripte auf den betreffenden Seitenspiegeln. Bei den Fotos musste der Redakteur auch noch den Prozentsatz berechnen, in dem sie gebraucht wurden. Jedes Bild hatte eine eigene „Bildfahne“, auf der Seite und dieser Prozentsatz vermerkt waren.

Als ich von meinem ersten Besuch in St. Pölten wieder nach Waidhofen fuhr, hatte ich einen Computer im Kofferraum, den ich übrigens dem damaligen Chefredakteur-Stellvertreter Robert Zauchinger aus seinem Büro „entführt“ hatte. Wir hatten bereits begonnen, zaghaft Computer statt Schreibmaschinen zu verwenden. Aber das System steckte noch völlig in den Kinderschuhen: Wir schrieben noch immer auf Manuskriptpapier und gaben das anschließend in den Computer ein. Und als wir dieses System im Griff hatten, fuhren wir mit Seitenspiegeln, Fotos und Disketten nach St. Pölten.

Rene Denk
Seinen 60. Geburtstag feierte Hannes Ramharter (4.v.r) 2014 im großen Rahmen. Am Bild ist er umgeben von Martin Marchsteiner, Harald Hofbauer (Bürgermeister Dietmanns), Reinhard Österreicher (damals Bürgermeister Schrems), die Abgeordneten Martina Diesner-Wais und Erwin Hornek, Anette Töpfl (Bürgermeisterin Vitis) und der Waidhofner Bezirksfeuerwehr-Chef Manfred Damberger (v.l.).

Nächster Schritt war, dass wir den Inhalt der Disketten per Telefon nach St. Pölten übertrugen. Im „Reisegepäck“ waren ab diesem Zeitpunkt dann nur noch Seitenspiegel, Fotos und die Disketten als Backup, falls die Übertragung doch nicht geklappt hätte.

Werbung

Dieser Zustand dauerte dann schon einige Jahre an, bis wir unser Textverarbeitungssystem auf Windows-Ebene legten und damit die Möglichkeit bekamen, Fotos in den Redaktionen einzuscannen, über unsere Redaktionsgeräte die Seiten direkt zu gestalten, dort die Artikel direkt aufzuziehen.

Auf dieser Basis wird schließlich auch heute noch gearbeitet…

Werbung

Werbung