Auf Weintour: Viele Plätze zum Wohlfühlen im Pulkautal. An der Grenze zu Tschechien gelegen, lässt sich das schöne Pulkautal auf vielen Wegen erkunden.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 18. August 2021 (07:00)

Kellergassen. Viele Kellergassen. Wohlfühl- und Rastplätze. Gemütliche Winzerhöfe. Eine hügelige, von Weingärten gesäumte Landschaft, in der man abschalten kann. Mit wachsendem Selbstbewusstsein und genussvoller Gelassenheit – so der passende Weinviertler Tourismus-Slogan – präsentiert sich das Pulkautal seinen Gästen. Die Region im Norden des Bezirks Hollabrunn lässt sich nicht nur mit dem Rad, sondern auch per pedes blendend erkunden. Eine hitzeresistente NÖN-Gruppe hat in Begleitung von Haugsdorfs Vizebürgermeisterin Martina Böck die Probe aufs Exempel gemacht.

Als Start- und Zielpunkt wird der Wohlfühlplatz in der Jetzelsdorfer Kellergasse auserwählt, wo man sich in einem Selbstbedienungskeller gleich einmal erfrischen kann. Aber ja, das Achterl will schließlich verdient sein, also geht der Marsch los.

Am Weg hinein in den Ort, wo wir uns die Jetzelsdorfer Weinkirche ansehen, werden Radler und Wanderer auf die Weinerlebnistour, den Iron Curtain Trail, den Poltweg, den „Tal am Rad“-Weg, die Kamp-Thaya-March-Radroute und den „Kraft & Wein-Energieweg“ hingewiesen. Unmissverständlich: Viele schöne Routen führen durchs Pulkautal.

Wir queren die verwaiste Pulkautalbahnstrecke, die nur selten von Güterzügen befahren wird. Vorbei an vielen schönen Flecken und an einem Marterl mit einer als Kreuz geformten Weinrebe führt uns die Ortskundige zu einem Energieplatz mit mehreren Stationen in Auggenthal. Wir erfahren, dass Gäste weite Wege auf sich nehmen, um hierher zu kommen und Kraft zu tanken. Da und dort kann man von Obstbäumen naschen.

Weiter geht‘s in den Hauptort der Gemeinde, Haugsdorf. Manche Gebäude erinnern an frühere Zeiten, als unweit von hier der Eiserne Vorhang quasi das Ende der Welt bedeutete. Apropos Vergangenheit: „Wir sind Kaiser“ hieß es in Haugsdorf bereits im Jahr 1910. Die Statue von Kaiser Franz Joseph I. hat die Zeit überdauert, obwohl es in den 1920er-Jahren ein Tauziehen um deren Abtragung gab. Auch eine Bühne steht im Kaiserpark, wo nun endlich wieder Aufführungen genossen werden können.

Im angrenzenden Parkbad ist an diesem heißen Tag reges Treiben zu vernehmen. Eine Abkühlung wäre fein, doch die unverwüstlichen Wanderer marschieren weiter. Noch einmal werden die verwachsenen Schienen gekreuzt. Die Weingärten bauen sich vor uns auf. Vorbei an einem Kreuzweg und an einer Kellergasse gilt es nun, den knapp 300 Meter hohen Hutberg zu erklimmen. Der Haseneckenweg führt in einen idyllisch-pittoresken Hohlweg, dem der jüngste Regenguss noch anzumerken ist. Dass es bergauf geht, nimmt man angesichts des sich bietenden Schattens gerne in Kauf. Fast oben angelangt, sind noch ein paar Holzstufen zu überwinden. Tafeln der Ökogruppe Haugsdorf entlang des Weges bieten Information zur Geschichte der Region, der Bauernschaft und zum Wein.

Seelenschaukel und Fernsicht am Hutberg

Nach der letzten Steigung werden wir mit einer Rast auf der Seelenschaukel belohnt, die neben einer Hiatahütte und einen Brunnen einen traumhaften Blick aufs Pulkautal bietet. Bei gutem Wetter kann man von hier aus sogar Ötscher oder Schneeberg erspähen.

Genug erholt. Weiter geht es in Richtung Freiheits- oder Friedenskreuz, das im Herbst 2019 restauriert und mit einem neuen Aufgang und einem Geschicklichkeitspfad ausgestattet wurde. Die Landjugend hat hier fleißig Hand angelegt.

Bergab führt der Güterweg nun ans Ortsende von Haugsdorf, wo Pletzers Genusskasten am Kellerplatzl Erfrischendes bietet. Mit Wasser und Wein gestärkt, können die letzten fünf Kilometer jetzt auch kein Problem mehr sein. An einer schmucken Hubertuskapelle vorbei, nehmen wir einen kleinen Abkürzer zurück in Richtung Jetzelsdorf; hinauf auf einen Hang, wo sich einige Kilometer weiter im Norden die tschechische Stadt Znojmo vor uns auftut.

Dann zeigt uns unsere Führerin einen alten Bunker aus der Zeit des Kalten Krieges, wo einst ein Einheimischer stationiert war und der erst jüngst den Besitzer gewechselt hat.

Das verdiente Ziel: die Zwergerlalm

Gleich ist es geschafft. Ein Wegweiser lässt die Freude auf die verdiente Jause steigen: „Zur Zwergerlalm“. In unberührter Natur haben sich Martina und Florian Nawara hier ein kleines Paradies geschaffen und führen einen Gastbetrieb mit Schmankerln aus der Region. Kinder vergnügen sich hier am Spielplatz oder im Tiergehege mit Zwergziegen und Zwergschafen. Zwergschweine und Zwergesel sollen ebenfalls bald einziehen. Die grasenden Pferde lassen sich von uns nicht beeindrucken.

Wir danken dem Wirtspaar, das trotz kleiner Verspätung geduldig auf uns gewartet hatte, für die exzellente Verköstigung. Jetzt ist es nur noch ein Katzensprung zurück in die Jetzelsdorfer Kellergasse, wo unsere Tour ihr Ende findet.

Doch es wäre nicht das Pulkautal, käme man hier einfach davon, ohne noch ein oder zwei Fluchtachterln zu kosten. Auf der gegenüberliegenden Wiese beobachten wir eine Schafherde – und Winzer Gerhard Toifl erzählt uns, dass die Tiere die Blätter der Nussbäume lieben und gelegentlich hochspringen, um diese zu erreichen. Wieder was gelernt. Bis zum nächsten Mal im Pulkautal!

Die Tour zum Download fürs GPS-Gerät:

NÖN-Wandertipp - Haugsdorfer Weintour.gpx