Naturpark Mannersdorf: Auf den Spuren der Ritter. Der Naturpark Mannersdorf bietet mehr als nur eine Hauptroute zum Tiergehege.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 21. Juli 2021 (07:00)
Wanderung Jandrinitsch
Tritt man aus dem Waldpfad heraus, erblickt man die ehemalige Klosterkirche St. Anna, gestiftet von Eleonore von Mantua. 
Judith Jandrinitsch

Die Ruine mitten im Naturpark Mannersdorf Wüste ist heute völlig von Wald umgeben. Nur der schwarze Ritter, der soll in Vollmondnächten immer noch sein Unwesen treiben.

Wir beginnen unsere Wanderung hinauf zur Burgruine, der vermutlich ihr markantes „scharfes Eck“, ein spitzer Winkel, den Namen gegeben hat, hier am Parkplatz vor dem Naturpark.

Der Weg ist auch für Kinder geeignet, die auf keinen Transporter auf vier Rädern wie etwa einen Buggy angewiesen sind. Die Wanderung beginnt auf einem bequemen Gehweg, bei der sich zuerst bietenden Möglichkeit zweigen wir nach rechts ab. Wir gehen am Ufer des Arbachs entlang, der dieses Tal zum Erblühen bringt.

Wanderung Jandrinitsch
Das scharfe Eck besteht seit dem 13. Jahrhundert und hat der Burg vermutlich seinen Namen gegeben. Und der Efeu wächst so dick auf den Bäumen rund um die Burg, wie es die Sage erzählt.
Judith Jandrinitsch

Dem Charme des Arbachtales konnten sich auch nicht die Mönche der unbeschuhten Karmeliten entziehen, die hier 1644 begannen, ihr Kloster mit sieben Einsiedeleien, auf griechisch „Eremitagen“ zu errichteten. „Eremos“, der Einsiedler, gab auch der ‚Wüste’, die ein sehr grüner und blühender Landstrich ist, ihren Namen. Den Hauptpfad erreichen wir bei der ehemaligen Leopoldskapelle, wo der steinerne Torbogen noch an das Pförtnerhaus erinnert.

Jetzt müssen wir einige Meter auf dem Hauptweg bleiben, bis wir vor der Kapelle der Hl. Anna, der Namenspatronin des ehemaligen Klosters, wieder nach rechts auf einen kleinen Pfad abbiegen. Hier kommen wir hinunter zum Wüstenbründl und wieder ans Ufer des Arbachs.

Wanderung Jandrinitsch
Es macht Spaß, über die Baumstämme zu balancieren, die in den Arbach gefallen sind, der im Moment aber kaum Wasser führt.
Judith Jandrinitsch

Wer will, lässt seine Seele kurz auf einer der Liegen baumeln, die auch ausdrücklich dazu einladen. Nach einer kurzen Rast er geht es neben dem Arbach leicht bergauf. Für Kinder eine gute Gelegenheit, sich im Balancieren auf Baumstämmen zu versuchen, die im fast ausgetrockneten Gerinne liegen. Kurz darauf tritt man aus dem Wald und gelangt auf eine Wiese, die einen fantastischen Blick auf das Kloster freigibt.

Die letzte Wegstrecke zur Klosterkirche legen die Wanderer auf dem von Lindenbäumen gesäumten Hauptweg, der sogenannten Lindenallee, zurück.

Uralte Exemplare dieser Baumart sind hier erhalten geblieben. Info-Tafeln erzählen über die Fähigkeit der Linden, Verletzungen selbst zu heilen. Und tatsächlich treiben auch Linden an, deren Stämme schon völlig hohl sind.

Die Klosterkirche dient heute als Austellungs- respektive Veranstaltungsraum. Hochlandrinder, Ziegen und diverse Schweine fühlen sich im Gehege hinter und neben der Klosterkirche wohl. Wer will, geht im Klostergarten ab durch die Hecke, die als Labyrinth angelegten Sträucher geben den Besuchern das Rätsel auf, den richtigen Ausgang zu finden.

Geschichte begleitet Wanderer auf jeden Tritt

Wer diese Herausforderung schafft, tritt genau auf jenen Weg, der hinauf zur Ruine führt. Wir wandern vorbei an der St. Joachims Eremitage, von der noch steinerne Reste erhalten sind.

Wanderung Jandrinitsch
Von der Burgruine geht es wieder steil hinunter zum ehemaligen Kloster. Gutes Schuhwerk ist zu empfehlen.
Judith Jandrinitsch

Das Kloster überstand den Ansturm der Türken 1683, die Mannersdorfer Mönche flüchteten zu ihren Glaubensbrüdern nach Wien-Döbling, wo sich das „Mannersdorfer Jesulein“, das den unbeschuhten Karmeliten einst den Weg nach Wien gewiesen haben soll, heute noch in der Klosterkirche befindet. Mitten im Leithagebirge stoßen wir auf eine Waldkreuzung, wir biegen nach links ab und halten uns immer entlang der Klostermauer, die das 106 Hektar große Areal einfasst.

Wanderung Jandrinitsch
Geschafft! Bei der Burgruine angekommen.
Judith Jandrinitsch

Die Burgruine taucht oben am Plateau im üppigen Waldesgrün auf. Sie wirkt wie ein verwunschenes Schloss, umgeben von Bäumen und dicken Efeu-Pflanzen, die dem Schwarzen Ritter vielleicht helfen können, Gnade und Erlösung zu finden. Dann nämlich, wenn der Efeu so dick ist, dass man eine Wiege für ein Neugeborenes schnitzen kann, und sollte es ein Bub werden, der sich als Mann für den Priesterstand entscheidet, dann findet der schwarze Ritter Ruhe und Frieden.

Von hier geht es einen steilen Weg hinunter wieder in den Naturpark. Wer rascher zum Ausgangspunkt zurückkommen will, der geht diesmal direkt über die Lindenallee zurück, überquert die Brücke über den „Arbach-Jordan“ und ist bald wieder am Ausgangspunkt angelangt. Wer sich stärken will, der kehrt in der Arbachmühle ein.

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NÖN-Wandertipp_ Wüstenrunde Ruine Scharfeneck.gpx