Saurüssel-Weg: Wandern und Weingenuss in Poysdorf. Rund um Poysdorf lassen sich Wein und Weinviertel besonders intensiv genießen.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 25. August 2021 (07:00)

„Unser Ziel ist ja, dass keiner Poysdorf verlassen sollte, ohne zumindest eine Flasche Saurüssel im Kofferraum zu haben“, lacht Winzerin Sylvia Hugl-Wimmer. Vor zehn Jahren wurde die Poysdorfer Traditionsweinmarke Saurüssel wiederbelebt und wurde zum Botschafter der Weinstadt. Den Saurüssel kann man aber nicht nur schmecken, man kann ihn auch erwandern: Mit dem 6,6 Kilometer langen Saurüsselweg, der durch die namensgebende Riede Saurüsseln führt.

Warum heißt die Weinlage, ca. einen Kilometer außerhalb Poysdorfs, Saurüsseln? „So genau weiß das niemand mehr“, sagt Saurüssel-Winzerin Sylvia Hugl-Wimmer. Vermutlich wurden hier einmal Schweine gehalten.

Ausgangspunkt und Ziel des Saurüsselweges ist der Poysdorfer Weinmarkt. Nach einem Abstecher in die Wein + Trauben-Welt, in der ein Schauraum der Geschichte des Saurüssels gewidmet ist, packen wir unseren Saurüssel-Picknick-Rucksack und machen uns auf den Weg Richtung Riede Saurüsseln: auf einer der letzten, stöckelgepflasterten Straßen Poysdorfs, vorbei am Oldtimermuseum und entlang des Poybachs bis zu einem Bankerl mit Blick auf die Saurüsseln. Ein kurzer Halt und ein Achterl mit der Winzerin, Plaudern über den zehnten Jahrgang des wiedergeborenen Saurüssels: Früher war der ja ein Gemeinschaftswein, bei dem auf Menge produziert wurde und den heute wohl keiner mehr trinken würde. Heute ist der Saurüssel ein von 16 Winzern produzierter Grüner Veltliner, bei dem die Qualität im Vordergrund steht. Und jeder Winzer vermarktet seinen Wein auch selbst.

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Werner Kraus

Bis in die Riede Saurüsseln geht auch die Saurüssel.Rad.Route parallel, bevor sie dann über Walterskirchen nach Herrnbaumgarten führt. Radler sind viele unterwegs, Wanderer und Radfahrer kommen sich nicht ins Gehege und grüßen einander sogar – man ist ja am Land.

Durch die Weingärten geht es auf Schotterwegen weiter Richtung Poybach und Ketzelsdorf – hier der einzige Anstieg der Wanderung. Er ist kein Problem. Interessierte können sich hier auch die Kompostierversuchsanlage von Karl Neustifter ansehen, der biologischen Bodenaufbau in Weingärten betreibt. Gesetzt wird auf Kompostierung und Tiermist, um die Bodenqualität in den Weingärten zu verbessern.

In Ketzelsdorf selbst ist Halbzeit, also Zeit für eine Pause und für ein Picknick. Die besten Plätze sind dabei entweder bei der Hubertuskapelle mit sensationellem Blick Richtung „Alte Geringen“, eine der schönsten Kellergassen im Raum Poysdorf, oder beim Rastplatz beim Teich am Ortsrand. Hier kann man neben schnatternden Enten die Köstlichkeiten des Picknick-Rucksacks genießen: Speck, Schinken, Käse und Gemüse, dazu ein Flascherl Saurüssel. „Wenn jemand einen anderen Wein haben will, geht das natürlich auch“, sagt Susanne Reildinger vom Vinoversum, in dem der Picknick-Rucksack geordert werden kann. Befüllt wird der Rucksack von der Küche des Kolpinghauses Poysdorf, das auch den Heurigen WEIN.Zeit mit Leckereien aus der Region im Vinoversum betreibt.

Der Rastplatz: Liebevoll gestaltet, beim Wasserbrunnen ist die alte Zapfanlage des Dorfwirtshauses verbaut, die Pergola bietet Schatten.

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Genießen am Rastplatz Ketzelsdorf. NÖN-Redakteur Michael Pfabigan und Mitarbeiterin Susanne Bauer testeten auch den Saurüssl-Picknick-Rucksack: Diesen Test bestand der Rucksack. 
Michael Pfabigan

Nach der Rast geht es entlang der ehemaligen Bahntrasse zurück Richtung Poysdorf. Am Ortsrand findet man noch die alte Tabak-Scheune. Dort wurden bis vor nicht allzulanger Zeit Tabakpflanzen für die österreichische Tabakindustrie getrocknet und gelagert. Ein Artefakt aus vergangener Zeit, das auch nicht mehr lange dort stehen wird, denn der graue, hohe Schuppen wird Bauland weichen.

Einen Blick kann man dort auch auf die Traubenübernahme und Pressanlage des Weingutes Riegelhofer werfen, einer der größten Weinhändler der Region, wo jährlich Unmengen an Liter Sektgrundwein für die heimische Schaumweinproduktion verladen werden. Zurück geht es dann über die Brünner-straße mit ihren Kostweinstöcken (im Herbst), wo die unterschiedlichsten Traubensorten genascht werden können.

Das Ziel ist wieder der Weinmarkt, und um Winzerin Sylvia Hugl-Wimmer den Wunsch zu erfüllen, wandert eine Schachtel Saurüssel-Weine unterschiedlichster Winzer in den Kofferraum. Damit die Saurüsselwanderung auch nachhaltig ist.

Die Tour zum Download fürs GPS-Gerät:

NÖN-Wandertipp - Saurüsselwanderweg.gpx