Vabindaweg: Nordische Fjorde im Waldviertel. Quer durch drei Gemeinden bieten die Seitenarme des Purzelkamps beim Stausee Ottenstein ein tolles Naturerlebnis.

Von Markus Füxl. Erstellt am 11. August 2021 (07:00)

Was in den Karawanken das Dreiländereck ist, bietet der „Vabindaweg“ im Waldviertel im Kleinen: Er verbindet – daher der Name – die drei Gemeinden Zwettl, Waldhausen (Bezirk Zwettl) und Rastenfeld (Bezirk Krems) und führt dabei durch die Fjorde des Kampstausees.

Ein Fischer zieht einsam seine Runden

Unser Startpunkt ist das Faulenzerhotel in Friedersbach. Von dort geht es zügig an der Kirche entlang der Beschilderung mit Nummer 57d.

Wir verlassen den Ort, überqueren im Wald den Eschagrabenbach und kommen nach dem Susannafeld über Felder und Wiesen zum Sprögnitzbachtal. Dort ragt der erste Fjord des Stausees gut 30 Meter in die Höhe. Es ist angenehm ruhig, nur ein einziger Fischer zieht an der Biegung vorbei und legt am anderen Ufer für eine Rast an.

Wir folgen dem Weg nach unten und kommen nach wenigen Minuten zu der Stelle, an der die Sprögnitz in den Stausee mündet. Dort bildet seit 2012 der sogenannte „Vabindasteg“, ein kleines Holzbrückchen, die Grenze zwischen den Gemeinden Zwettl und Waldhausen. Wir überqueren den Bach und halten uns rechts. Nach einer Viertelstunde lassen wir den Wald hinter uns und erreichen die weiten Felder vor Werschenschlag. Die Sonne gibt gerade zur Mittagszeit kräftig Gas, und auch wir beschleunigen nach einem Schluck aus der Wasserflasche unser Tempo.

Pause mit Blick über Felder

Kurz vor Werschenschlag bietet der Bildstock mit Bankerl dann eine gemütliche Verschnaufpause, bevor wir den 75-Seelen-Ort erreichen. Wir kommen an malerischen Höfen vorbei, bevor es wieder in den Wald hinab Richtung Steg über den Purzelkamp geht: Dort wechseln wir in die Gemeinde Rastenfeld und biegen sofort nach links ab. Im Wissen, dass wir die Hälfte des Weges zurückgelegt haben, folgen wir mehrere hundert Meter dem Purzelkampufer. Das Wasser schlängelt sich kurvig dahin, für den Sprung ins kühle Nass ist es aber noch zu früh.

Immer wieder steigen Felswände nach oben, die von dort ein gutes Fotomotiv bieten: Das Wasser wird immer klarer und spiegelt die Baumreihen malerisch.

Nach einem kurzen Anstieg erreichen wir schließlich die Rueßbucht. Dort ankern gut 30 kleine Boote, auch der Verkehr auf dem See nimmt entsprechend zu. Wir folgen der Bucht (Achtung: Fahrradverbot) und wandern über eine kleine Steigung entlang der Fjorde. Hier können trittsichere Wanderer an den Gesteinsformationen den Blick über den Purzelkamp – und auch eine Jause – genießen.

Wir erreichen eine ausgeschilderte Badestelle und erhaschen einen ersten Blick auf die Stauseebrücke. Es geht weiter Richtung B38, und nach einem kurzen Aufstieg überqueren wir die 220 Meter lange Brücke. Wer zuvor die Straßenseite wechselt, erhält mit dem Blick auf die Ruine Lichtenfels ein Fotomotiv aus dem Bilderbuch.

Erinnerung an Unglück

Am Ende der Brücke werfen wir einen Blick in die Gedächtniskapelle: Sie erinnert an jene zehn Arbeiter, die am 24. Oktober 1956 während des Brückenbaus ums Leben gekommen sind: Damals stürzte ein Gerüst ein, die Männer wurden unter Stahl- und Betonmassen begraben.

Kurz nach der Brücke biegen wir links in einen Waldweg ein. Der Weg führt wieder durch den Wald bergab zu den Friedersbacher Fjorden. Neben einigen Fischerbooten entdecken wir auch ältere Kaliber: Sie sind nicht mehr fahrtüchtig und dienen moosüberwuchert und von Regen gefüllt nur mehr Fröschen und Co. als Lebensraum.

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Seminarraum „waldreich“ mit Tipi 
Markus Füxl

Entlang des Friedersbaches bewundern wir noch die markanten Felsformationen, bevor Tipi-Zelte (!) durchs Gebüsch ragen: Im Outdoor-Seminarraum „waldreich“ tankten einem zurückgelassenen Leiberl nach bereits echte Nordmänner – genau gesagt das Waldviertel Volleyball Team – Energien aus der Waldviertler Landschaft. Nach einer letzten Kurve betreten wir wieder Friedersbach und beenden den Rundweg.

Das Fazit

Der Vabindaweg ist trotz seiner 15 Kilometer Länge sehr gut für ungeübte Wanderer und Familien geeignet. Weite Felder, ein pittoreskes Dorf und viele Badestellen und Fjorde machen die Runde zu einem Geheimtipp der nordischen Seite des Waldviertels.

Die Tour zum Download für's GPS-Gerät:

NÖN-Wandertipp - Vabindaweg.gpx