Was ist der Unterschied zwischen Wolf und Hund?. Kurt Kotrschal, Mitgründer des Wolfsforschungszentrums in Ernstbrunn

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 16. Oktober 2019 (13:53)
Rooobert Bayer/WSC

Es gibt ein ganzes Mosaik von Unterschieden zwischen Wölfen und Hunden, wie die Untersuchungen am Wolfsforschungszentrum in Ernstbrunn mit gleich aufgezogenen und gehaltenen Hunden und Wölfen zeigten. Bereits Wölfe können gut mit vertrauten und respektvollen Menschenpartnern zusammenzuarbeiten. Diese Kooperationsbereitschaft passte sich aber bei den Hunden in den letzten 30 000 Jahren stark an die menschlichen Bedürfnisse an. So sind Hunde bezogener als Wölfe, respektieren stärker Hierarchien sind zwar nicht immer so klug wie Wölfe, aber konzentrieren sich sehr gut auf ihnen gestellte Aufgaben. Hunde können menschliche Gefühlslagen lesen, bevorzugen nette Menschen, hassen es, ungerecht behandelt zu werden und können sogar „tricksen“.

Das Wolfsforschungszentrum (WSC) in Ernstbrunn: Wissenschaft mit Wölfen und Hunden

Am WSC (www.wolfscience.at) werden Timberwölfe und Mischlingshunde in großen Gehegen gehalten. Gegründet 2008 von Friederike Range, Zsofia Viranyi und Kurt Kotrschal ist es heute Teil der Universität für Veterinärmedizin, geleitet von Friederike Range. Erforscht wird, wie sich Hunde von ihren wilden Vorfahren, den Wölfen unterscheiden. Weil man Wölfe nicht direkt mit privat gehaltenen Hunden vergleichen kann, werden die Hunde möglichst gleichartig zu den Wölfen aufgezogen, gehalten und trainiert – mit viel Respekt übrigens, völlig gewaltfrei, in guter Zusammenarbeit, aber ohne die Tiere dabei zu „dominieren“. Dies macht das WSC weltweit einzigartig. Tatsächlich haben die Ergebnisse der letzten 10 Jahre das Bild von Wolf und Hund ziemlich verändert.

Wölfe und Hunde am WSC sind von Welpenalter an daran gewöhnt, gerne in den unterschiedlichsten Testaufgaben zu kooperieren und so den Forschern Einblick in ihre geistige Welt zu gewähren. Es bestätigte sich nicht, dass Hunde die sanftere und kooperativere Version ihrer Wolfsahnen wären. Im Wesentlichen zeigen die Forschungsergebnisse, dass bereits Wölfe sehr gut mit Menschen zusammenarbeiten können, dass sich aber bei den Hunden im Laufe der Domestikation diese Kooperationsbereitschaft an die Bedürfnisse der Menschen angepasst hat.

So lauten die zentralen Forschungsfragen am WSC: Ist es der „Wolf im Hund“, der so hervorragend mit Menschen zusammenarbeitet? Oder aber ist es ein Gemisch alter und neu dazugekommener Eigenschaften, eine Anpassung der alten Fähigkeiten an die Bedürfnisse der Menschen? Was waren die Selektionsfaktoren, die Menschen dabei auf Wölfe/Hunde ausübten? Wie hängen die geistigen Leistungen und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit von Wölfen und Hunden mit ihren sozialen Beziehungen untereinander und mit Menschen zusammen? Wie unterschiedlich sehen Wölfe und Hunde ihre Welt? Letztlich sind Wölfe auch ein hervorragendes Forschungsmodell, um die biologische Basis der Kooperationsbereitschaft beim Menschen zu untersuchen.