Wie hat sich aus dem Wolf der Hund entwickelt?. Kurt Kotrschal, Mitgründer des Wolfsforschungszentrums in Ernstbrunn

Erstellt am 17. Januar 2020 (04:09)
Rooobert Bayer/WSC

Aus dem ziemlich einheitlichen Wolf entwickelten sich viele unterschiedlicher Hundetypen. Heute wissen wir, dass unsere Jäger-und-Sammler Vorfahren in Eurasien bereits vor mindestens 35 000 Jahren die ersten Partnerschaften mit Wölfen eingingen. Man passte gut zusammen, da sowohl Menschen, als auch Wölf in Familiengruppen lebten und gut beim Jagen, beim Aufziehen der Kinder und beim Verteidigen gegen Fressfeinde zusammenarbeiteten.

Bald ging man gemeinsam auf die Jagd. Forscher denken heute, dass sich ruhige und freundliche Wölfe dabei besser vermehrten und allein dadurch Hundemerkmale entstanden: ein ruhiges und bezogenes Wesen, kurze Schnauzen, kleine Zähne, scheckiges Fell, Ringelschwänze, Schlappohren, usw. 

Das Wolfsforschungszentrum (WSC) in Ernstbrunn: Wissenschaft mit Wölfen und Hunden

Am WSC (www.wolfscience.at) werden Timberwölfe und Mischlingshunde in großen Gehegen gehalten. Gegründet 2008 von Friederike Range, Zsofia Viranyi und Kurt Kotrschal ist es heute Teil der Universität für Veterinärmedizin, geleitet von Friederike Range. Erforscht wird, wie sich Hunde von ihren wilden Vorfahren, den Wölfen unterscheiden. Weil man Wölfe nicht direkt mit privat gehaltenen Hunden vergleichen kann, werden die Hunde möglichst gleichartig zu den Wölfen aufgezogen, gehalten und trainiert – mit viel Respekt übrigens, völlig gewaltfrei, in guter Zusammenarbeit, aber ohne die Tiere dabei zu „dominieren“. Dies macht das WSC weltweit einzigartig. Tatsächlich haben die Ergebnisse der letzten 10 Jahre das Bild von Wolf und Hund ziemlich verändert.

Wölfe und Hunde am WSC sind von Welpenalter an daran gewöhnt, gerne in den unterschiedlichsten Testaufgaben zu kooperieren und so den Forschern Einblick in ihre geistige Welt zu gewähren. Es bestätigte sich nicht, dass Hunde die sanftere und kooperativere Version ihrer Wolfsahnen wären. Im Wesentlichen zeigen die Forschungsergebnisse, dass bereits Wölfe sehr gut mit Menschen zusammenarbeiten können, dass sich aber bei den Hunden im Laufe der Domestikation diese Kooperationsbereitschaft an die Bedürfnisse der Menschen angepasst hat.

So lauten die zentralen Forschungsfragen am WSC: Ist es der „Wolf im Hund“, der so hervorragend mit Menschen zusammenarbeitet? Oder aber ist es ein Gemisch alter und neu dazugekommener Eigenschaften, eine Anpassung der alten Fähigkeiten an die Bedürfnisse der Menschen? Was waren die Selektionsfaktoren, die Menschen dabei auf Wölfe/Hunde ausübten? Wie hängen die geistigen Leistungen und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit von Wölfen und Hunden mit ihren sozialen Beziehungen untereinander und mit Menschen zusammen? Wie unterschiedlich sehen Wölfe und Hunde ihre Welt? Letztlich sind Wölfe auch ein hervorragendes Forschungsmodell, um die biologische Basis der Kooperationsbereitschaft beim Menschen zu untersuchen.